Ich grüße dich, Waldseel! Schön, dass du dich dazu bereit erklärt hast, das erste Interview für dein gleichnamiges Solo- Projekt mit uns zu führen. Aufgrund der aktuellen Wettersituation und der thematischen Ausrichtung deines zweiten und aktuellen Demos "Herbsteinbruch" würde ich gerne als erstes mit dir über eben diese Jahreszeit reden. Was verbindest du mit ihr und warum dient sie als Hauptinspirationsquelle für deinen aktuellen Tonträger?

Ich grüße auch dich. Da ich mit "Waldseel" größtenteils naturverbundenen Black Metal spiele und das Demo tatsächlich zum Herbsteinbruch 2012 aufgenommen wurde, diente mir diese Jahreszeit als Leitthema dafür. Ich mag die Vielseitigkeit des Herbstes. Für mich bringt diese Jahreszeit die optimale Atmosphäre für Veröffentlichungen dieser Art mit sich.

"Waldseel" existiert ja bereits seit einigen Jahren, hat aber erst 2012 die ersten beiden Demos veröffentlicht. Kannst du ein paar Worte über die Gründung und die Anfangstage des Projektes verlieren?

"Waldseel" hatte bis 2012 einfach kein festes Konzept. Entweder improvisierte ich alleine ein paar Sachen daher oder man traf sich mit Gastmusikern zum jammen. Erst 2012 fing ich an, mir für dieses Projekt ein ernsthaftes Konzept zu erarbeiten. Noch immer entsteht das meiste Liedgut eher durch spontane Inspirationen, wird aber inzwischen von einem roten Faden geprägt.

Das Logo, die Cover, sowie die Songtitel verraten, dass die Natur einen wesentlichen Einfluss auf das Konzept von "Waldseel" hat. Da die Texte nicht eindeutig interpretierbar sind, möchte ich dich bitten, den genauen Bezug zur Umwelt zu erläutern. Verstehst du deine Musik und dich als naturromantisch, pantheistisch oder naturalistisch? Wie würdest du deine persönliche Philosophie beschreiben?

Kann man schlecht sagen... Im Fall der "Herbsteinbruch"-Scheibe definitiv naturromantisch, es existieren aber auch andere Lieder, in denen einfach nur meine Fantasie mit mir durchgegangen ist. Die Texte sind dort im Allgemeinen sehr minimalistisch gehalten.

Was waren die Gründe dafür, dass du dich ausgerechnet im letzten Jahr dazu entschieden hast, mit deiner Musik an die Öffentlichkeit zu treten, wenn auch nur in einem reduzierten Maße?

Nach dem ganzen früheren Herumgetüftel und Improvisieren ist die Zeit jetzt einfach reif, das Projekt weiter auszubauen. Selbstverständlich fahre ich nicht gleich mit riesigen Auflagen an Veröffentlichungen auf, weil es das einfach bei dem derzeitigen Bekanntheitsgrad von "Waldseel" meiner Meinung nach noch nicht bringen würde.

Gibt es vielleicht bisher unveröffentlichtes Songmaterial aus den Anfangstagen deines Projektes? Und wie fallen diese aus musikalischer Sicht, auch in Relation zu den Demos, aus?

Verglichen mit den beiden Demos von 2012 fiel das Songmaterial von 2008 bis Anfang 2010 als ziemliches Geschrammel aus...

Dein erstes Demo "Tanz des Nebels unterm Firmament" fällt sehr kühl, distanziert und minimalistisch aus. Zudem ist nur auf einem der vier Tracks Gesang vorhanden. Was ist der Leitgedanke dieser Veröffentlichung und warum fällt sie zum Großteil instrumental aus?

"Tanz des Nebels unterm Firmament" war sozusagen der erste Versuch, an festes Konzept für "Waldseel" zu erarbeiten. Entsprechend kann man also auch diese Aufnahmen noch eher als eine Art "Soundcheck" für die darauf folgende "Herbsteinbruch"-Scheibe betrachten. Es war quasi der erste Schritt in die geplante Richtung.

Die aktuellste Veröffentlichung ist das zweite Demo "Herbsteinbruch", welches ebenfalls 2012 veröffentlicht worden ist. Hier hast du aus meiner Sicht ein paar Elemente des ersten Demos aufgegriffen, diese aber besser ausgearbeitet und einen individuellen Charakter gefunden. Was sind für dich die elementaren Aspekte dieser Veröffentlichung aus musikalischer Sicht und wie würdest du das Album in Relation zum ersten Demo beschreiben?

Du hast es schon mit deiner Frage auf den Punkt gebracht. Wie eigentlich bereits erwähnt, ist "Herbsteinbruch" eine Art Ausbau des auf der vorherigen Demo angestrebten Sounds. Ich betrachte "Herbsteinbruch" dahingehend auch als deutlich facettenreicher und einprägender.

"Herbsteinbruch" beschreibt verschiedene Facetten des Herbstes, folgt musikalisch aber einem roten Faden. Kannst du erklären, wie du versucht hast, diese Facetten mit der Musik einzufangen?

Mit "Die erste Kälte naht" beginnt das Werk und beschreibt den Einbruch der kühleren Jahreszeit, der die vorherige Wärme weicht. Der darauffolgende Song "Herbsteinbruch" vertieft diesen Eindruck. Er beschreibt die Vielfalt des Herbstes, aber auch das einsamere Gefühl, welches in dieser Jahreszeit bei so manchem aufkommt. Der "Raureif", der am Morgen zu sehen ist, wird hier vor allem klanglich als kälter, aber auch beruhigender Anblick dargestellt. "Des Oktobers Farbenspiel" fasst zum Schluss noch einmal das auf der Scheibe entstehende Gesamtbild zusammen.

Kam dir nicht der Gedanke, in Anbetracht des Konzeptes ein wenig mehr Wärme und Ursprünglichkeit in das Klangbild einzuarbeiten, beispielsweise in Form von akustischen Klängen, einem klareren Schlagzeug und unverzerrten oder gar klaren Vocals?

Eher nicht, zumal ich nicht einmal finde, dass hier nur Kälte vermittelt wird. Es ging mir allerdings schon darum ein atmosphärisch eher kühl gehaltenes Werk zu schaffen, welches aber trotz aller Verzerrung etwas fließendes hat.

Ich habe in meinem Review Parallelen zu den Bands "Striborg" und "Xasthur" gezogen. Bist du überhaupt mit deren Schaffen vertraut? Und welche Bands haben dich als Musiker bisher am wesentlichsten geprägt?

Wer mich am meisten geprägt hat, kann ich dir offen gesagt gar nicht so recht beantworten, "Xasthur" und "Striborg" waren jedenfalls nicht zwingend darunter. Ich bin mit dem Schaffen dieser Bands vertraut. "Xasthur" kann ich mir allerdings nur in bestimmten Umgebungen und in speziellen Stimmungen anhören, um ehrlich zu sein. "Striborg" halte ich für ein interessantes Projekt. Vieles erscheint mir dabei gewagt dissonant und sicher für manches Gehör gewöhnungsbedürftig, allerdings muss ich dir Recht geben, dass es hier bisher durchaus die eine oder andere atmosphärische Parallele gibt, auch wenn das Textgut nicht gerade in die gleiche Richtung tendiert, hehe.

Wie würdest du selber die Musik von "Waldseel" jemanden beschreiben, der bisher keinerlei Kontakt zu deiner Musik hatte?

Rau, kühl, atmosphärisch.

Wie verstehst du "Herbsteinbruch" als Bestandteil der Geschichte von "Waldseel"? Ist es ein erster Schritt in die Zukunft, ein Experiment oder der Abschluss einer ersten Phase, die auch das Debüt-Demo einschließt?

Der Sound wird mit Sicherheit nicht so kratzig bleiben. Abschluss einer Phase? Neubeginn? ... sowohl als auch, würde ich sagen. In dem musikalischen Stil wird bestimmt noch das eine oder andere zu hören sein, nur mit dem Unterschied, dass ich mich deutlich von den bisher sehr verwaschenen und undeutlichen Aufnahmen wegbewegen werde.

Wird "Waldseel" immer ein Solo-Projekt bleiben oder überlegst du zukünftig auch Gastmusiker zu involvieren? Gibt es vielleicht ein Instrument, welches du gerne so einbinden möchtest?

Um das Einbinden neuer Instrument-Sequenzen mache ich mir erst beim Aufnehmen Gedanken. Gastmusiker wird es ab und an geben, aber im Regelfall eher seltener.

Abgesehen von deiner Soundcloud-Seite hast du nur sehr wenig Informationen über dich und dein Projekt preisgegeben. Was sind die Gründe für diese anonymisierte Herangehensweise? Und wird sich diese in der Zukunft vielleicht ein wenig wandeln?

Über den Werdegang des Projektes habe ich denke ich alles notwendige gesagt. Ich möchte "Waldseel" erst einmal noch ein wenig an Ausdruck gewinnen lassen, danach wird es weniger anonym. Ich kann schon mal so viel sagen: Eine kleine Überraschung könnte für den einen oder anderen dabei sein.

Kannst du bereits ein paar Ausblicke in die Zukunft von "Waldseel" gewähren? Arbeitest du an einem Album oder beschränkst du dich weiterhin auf Demos in Kleinstauflagen?

An das Album setze ich mich 2014. Bis dahin wird es noch ein Demo-Tape, eine Single und eine Split mit der Band "Aska" (aus der Bandgemeinschaft Nebelwelten) geben. Das Tape, sowie mein Beitrag auf der Split sind auch noch eher im Demo-Sound gehalten. Die Single hingegen ist bereits in Studio Qualität aufgenommen. Zu dem darauf enthaltenen Song wird es in absehbarer Zeit auch noch ein Video geben.

"Tanz des Nebels unterm Firmament" ist als Tonträger wohl nicht mehr zu kriegen und auch "Herbsteinbruch" ist auf gerade einmal 20 Exemplare limitiert. Was sind die Gründe für diese Veröffentlichungspolitik und sind vielleicht auch Re-Releases geplant?

Der Grund ist, wie ich bereits sagte, ein eher kleiner Beginn, bevor ich richtig loslege. Ich nehme an, dass es zumindest bei "Herbsteinbruch" irgendwann auch zu einem Re-Release kommen wird, der Tag ist aber noch weit entfernt und wird auch nicht eintreten, bevor ich nicht das Album fertig habe.

Hast du vor, bei künftigen Veröffentlichungen Hilfestellung durch ein Label zu ersuchen? Und was wären rein hypothetisch diesbezüglich deine favorisierten Partner?

Ich erwähnte bereits die Bandgemeinschaft Nebelwelten. In Zusammenarbeit mit dieser werden künftige Releases entstehen. Man kann also sowohl von Eigenproduktion als auch von Hilfestellung und gemeinsamer Unterstützung reden.

Ich bin nun am Ende meiner Fragen angelangt und möchte mich erneut für deine Zeit bedanken. Sollte es Dinge geben, die bisher nicht angesprochen wurden, kannst du sie hier formulieren. Ansonsten wünsche ich dir alles Gute für die Zukunft deines Projektes.

Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen, danke für das Interview, sowie das konstruktive Review des "Herbsteinbruch"-Demos! Außerdem grüße ich noch Gyldir, Oxit und Nebelwelten und bedanke mich auch bei Dead Logo Design!