Guten Abend! Schön, dass es nach gut einem Jahr wieder zu einem Gespräch mit euch kommt! Damals war das letzte Album "Barbarian" der Anlass, heute kommen wir aufgrund eures neuen Opus Occultus "Nekrodepression" zusammen. Wo vor einem Jahr noch barbarische Wut und Zügellosigkeit euren Sound geprägt haben, scheint sich einiges bei euch geändert zu haben, denn ein Album wie "Nekrodepression" muss eine dunkle Vorgeschichte haben. Was ist im letzten Jahr mit "Valborg" passiert, das euch dazu gebracht hat, ein derartiges Album auf die Menschheit loszulassen?

"Nekrodepression" war schon angesagt, da haben wir die "Barbarian" gerade aufgenommen. Wenn man hinhört wird man schon ein paar Nekro-Zitate auf unserem dritten Album finden. Wir wollten weg von der Epik, hin zum Rock'n'Roll und Wahnsinn. Einfach härter werden, wie das eben so ist als Metal-Band. Deswegen haben wir aufgehört uns musikalisch zu waschen und alles wurde immer dreckiger. "Nekrodepression" ist auch wieder mehr aus Jams entstanden, wie "Crown of Sorrow".

Bevor wir zu "Nekrodepression" kommen, möchte ich mit euch noch ein wenig über das vergangene Jahr sprechen. In der Zeit habt ihr einige Live-Auftritte absolviert, darunter auch ein Gig auf dem Siege of Limerick-Festival in Irland. Könnt ihr ein paar Impressionen der Konzerte und den Zeitgeist der Band im vergangenen Jahr zusammenfassen?

Auf Tour mt "Danishmendt" im April 2011. Albumaufnahme im Sommer. Nekrodepressive Tour durch Frankreich im Herbst. Dann noch zum Abschluss ein Konzert in Paris in einem alten Weinkeller, 20 Mann und totales ausrasten. Wir hatten immer tolle Gigs in der Schweiz und Irland war großartig. Siege of Limerick ging total ab, bestes Publikum.

Viele junge Bands träumen von einem Rock 'n' Roll-Lifestyle inklusive aller Klischees. Realistisch ist dies wohl aber nur in den seltensten Fällen und es gibt viele Musiker, die abseits der Musik eher einen ruhigen Gegenpol suchen. Wie sieht das bei "Valborg" aus? Geht es Backstage genauso energetisch wie auf der Bühne zu? Und was hat sich in eurer Bandgeschichte, die immerhin zehn Jahre umfasst, diesbezüglich verändert?

Wir rasten auf der Bühne aus und lassen den Macker raushängen, alle sollen sich ficken. Im normalen Leben sind wir ganz normal und langweilig. "Valborg" ist intensiv, es ist unser Ventil, damit wir nicht über Dunkelheit labern müssen. Wir ziehen unsere Metal-Band durch und hören privat wenig Metal.

Kommen wir nun aber zu "Nekrodepression", der Ursache für dieses Interview. Beim Auspacken der CD fiel mir zuerst die Widmung an Diedrich Hünten ins Auge. Der Sänger der Underground-Band "Obscure Fuckup" hat sich im Jahre 1991 das Leben genommen. Eine derartige Widmung lässt darauf schließen, dass die Persönlichkeit in irgendeiner Weise einen enormen Einfluss auf euer Album gehabt hat. Könnt ihr die Beziehung zu Diedrich auf musikalischer und menschlicher Ebene spezifizieren? Und wo ist die Verbindung zu "Valborg"?

Wir haben sehr oft das "Obscure Fuckup" Demo gehört und sind wohl etwas drauf hängen geblieben. Wie schon gesagt, wir wollten eh mehr hin zum Wahnsinn, wieder mehr jammen. Das alles hat gut zusammengepasst. Es ist purer Lokalpatriotismus. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Es steht alles in der Widmung.

"Nekrodepression" ist in vielerlei Hinsicht anders als seine Vorgänger. Es ist primitiver, dreckiger, dunkler, in seiner Quintessenz also abgrundtief böse. Die Texte sind minimalistisch und prägnant, die Gitarren dreckig und auf den Punkt gebracht und der Gesang dröhnt rotzig aus den Boxen. Nun ist natürlich die Frage, ob ihr mit einem solchen Konzept an das Songwriting herangegangen seid, oder sich die Musik natürlich aus der jeweiligen Situation ergeben hat.

Es gibt da immer ein Gefühl und wir sind uns sicher wo wir langgehen. Aber nichts wird geplant. Bei uns ergibt sich immer alles. Ideen entstehen, mittendrin verändern sich die Dinge und am Ende fügt sich alles zusammen.

Neben thrasigen, harten Passagen, bietet auch "Nekrodepression" den Abwechslungsreichtum, den man von "Valborg" gewohnt ist, auch wenn er anders als zum Beispiel auf "Crown of Sorrow" ausgeprägt ist. So gibt es beispielsweise minimalistische Ambient-Klangteppiche, die subtil die Atmosphäre ergänzen. Gab es Genres, die ihr beim Songwriting bewusst nicht an eure Musik herangelassen habt und bestimmte Einflüsse, die ihr unbedingt einbinden wolltet?

"Nicoffeine" haben uns beeindruckt. "Obscure Fuckup" hat uns beeinflusst. Am Anfang "Daft Punk" und "Laibach". "Dead Can Dance". "Type O Negative".

Könnt ihr ein paar Worte über das Cover verlieren? Wer hat es erschaffen und was soll das Motiv ausdrücken?

Peter Böhme hat wie immer das Cover entworfen. Jeder weiß, dass er der Meister ist. Was es ausdrücken soll? Diedrich Hünten als Zyklop-Skelett mit Maschinengewehr.

"Crown of Sorrow" war in Relation zum neuen Album mystischer, weniger direkt und in gewisser Weise auch farbenfroher. "Barbarian" hingegen war drakonisch und stürmisch. Sind es die jeweiligen Zeiten, die derart verschiedene Alben hervorbringen? Und wie würdet ihr den typischen "Valborg"-Sound beschreiben, der allen Werken innewohnt?

Ich glaube ja. Außerdem wiederholen wir uns nicht so gerne. Wir machen das, was am meisten ein Kribbeln auslöst. Die Zeit war dunkel und es war gut dieses Album zu schreiben. Das nächste Album wird wieder anders. Der typische "Valborg"-Sound? Wir kennen unsere Melodik und wissen was wir spielen wollen. Es ist immer herbe und kantig. Genau das wollen wir. Süße Melodien wirst Du bei uns nicht so richtig finden. Wir sind ein Abrisskommando und es wir die ganze Zeit gereizt rumgebrüllt.

Auch "Nekrodepression" wurde wieder komplett live eingespielt, was das Konzept perferkt unterstreicht. Was macht für euch diese Vorgehensweise attraktiv und wieso machen es eurer Meinung nach die meisten Bands in der heutigen Zeit anders?

Wir sind eine Band, die zusammen spielt. Darum geht es. Am Computer toben wir uns mit anderen Projekten aus. Das Live-Einspielen ist ein großer Teil unseres Sounds. Wir spielen Antimusik, da haben wir keine großartigen Erwartungen, wenn man uns so gut findet, dann ist das sehr schön. Wenn nicht, ist uns das auch egal. Bei "Valborg" wird sich nicht angebiedert oder versucht zu gefallen. Was andere Bands machen interessiert uns nicht sonderlich.

Versteht das nicht falsch, aber ihr präsentiert euch durch eure Internet-Plattformen und eure anderen musikalischen Aktivitäten nicht gerade als die größten Misanthropen unter der Sonne. Ist "Nekrodepression" das Portrait einer Phase in eurem Leben? Oder fokussieren sich darin Gefühle, die man lieber nur in künstlerischer Form zum Ausdruck bringen sollte? Ein Album wie "Nekrodepression" tut der Gesellschaft sicherlich weniger weh als ein zertrümmerter Mülleimer in der Fußgängerzone. Wobei...

Menschen sind scheiße und auch nicht. Du weißt schon. Mit "Valborg" leben wir unseren Hass und unsere Frustration aus. Die Band ist dafür gedacht, um Druck abzulassen und etwas Spaß zu haben. Wir hassen alle die uns mit blöden Meinungen und unsinnigen Worten auf die Nerven gehen. Verpisst euch!

Zwischenzeitig wart ihr mit "Valborg" auf Labelsuche. Da die letzten Alben über euer hauseigenes Label Zeitgeister Music Distribution veröffentlicht worden, was sicherlich einige Vorteile wie einen unbegrenzten künstlerischen Freiraum offeriert, überraschte mich die Suche schon ein wenig. Was waren die Gründe für den Gedankengang? Gibt es auch negative Seiten an einem solchen Label? Ich könnte mir vorstellen, dass die Zeitgeister-Bands oft untereinander verglichen werden, was nun bestimmt nicht Zweck der Sache war. Zudem gibt es sicherlich auch ein gewisses finanzielles Risiko.

Irgendwann wurde klar, dass die Platte auf einem anderen Label nicht vor 2013 veröffentlicht wird. Aber weiter warten hat sich nicht gut angefühlt. Der November ist der richtige Monat, deswegen kommt das Album jetzt doch über Zeitgeister raus. Gibt genug negative Seiten an einem Label, aber trotz alle dem ist es für uns genau das richtige. Vor anderen Angeboten werden wir uns trotzdem nicht verschließen.

Vor dem Release habt ihr auf eurer Facebook-Seite eine kleine Umfrage gesartet, ob eure Hörer sich eher Vinyl oder CDs wünschen. Letztendlich habt ihr euch dann doch für Letzteres entschieden, was ich als Vinyl-Liebhaber sehr schade finde, zumal dieses Format gerade das organische und oldschoolige Konzept von "Nekrodepression" unterstrichen hätte. Wieso habt ihr euch letztendlich dann doch für die CD entschieden? Und seid ihr privat eher Vinyl- oder CD-Konsumenten?

Wir müssen mal ein Label suchen, das unseren Kram auf Vinyl rausbringt. Momentan haben wir da kein Geld für. Ist ziemlich kostenspielig.

Der Zeitraum zwischen euren letzten beiden Werken war ja vergleichsweise kurz. Hattet ihr im letzten Jahr einen besonderen kreativen Zugang zu "Valborg"? Da ihr alle noch andere Bands und Projekte habt, würde es mich interessieren, ob es Phasen gibt, in denen ihr zwischen Haupt- und Nebenprojekten differenziert, beziehungsweise keine Motivation habt, für die eine oder andere Band Songs zu schreiben.

In den letzten 12 Monaten haben wir bis auf ein paar Konzerte, nicht viel unternommen. Nach der "Nekrodepression" war mal eine Pause nötig. Momentan probieren wir ein paar neue Sachen aus.

Mir ist aufgefallen, dass ihr weder mit "Valborg", noch mit euren anderen Bands Split-Veröffentlichungen publiziert habt. Das oldschoolige Flair einer 7"-Split würde sich doch hervorragend für "Valborg" anbieten, oder könnt ihr mit diesem Format nichts anfangen?

Doch. Aber es muss sich die richtige Gelegenheit bieten.

In unserem letzten Interview habt ihr berichtet, dass zu dem damaligen Zeitpunkt schon mindestens drei Platten in Planung waren. Wie sehen eure Zukunftspläne gegenwärtig aus?

Nächstes Jahr wieder mehr live spielen und neue Musik für "Valborg" schreiben. Nebenbei gibt es noch ein paar andere Projekte an denen wir arbeiten. Neue Scheiben von "Owl", "Gruenewald" und "Klabautamann".

Ich möchte mit euch ein kleines Experiment machen, durch das bereits Fergen von "Throndt" musste. Dabei nenne ich Alben, die meiner Meinung nach in dem einen oder anderen Sinne der Musik von "Nekrodepression" ähneln. Das muss nichtmal im musikalischen Sinne sein, sondern kann sich zum Beispiel auch auf konzeptionelle oder ästhetische Überschneidungen beziehen. Ich möchte euch dann bitten, die Vergleiche zu kommentieren oder einfach eure generelle Meinung über die Bands loszuwerden. Und so fängt es an:

"Darkthrone" – "F.O.A.D.":

Fett! Super Platte. Super Cover.

"Hellhammer" – "Apocalyptic Raids":

TGF is' da man.

"Mysticum" – "In the Streams of Inferno":

Cool. Zwar nie richtig gehört. Aber "Mysticum" sind cool, klar! Weiß doch jeder.

"Ekpyrosis" – "Ein ewiges Bild":

Cool. War doch klar!

Eine Frage zum Ende des Interviews, die für gewöhnlich eher am Anfang eines Gespräches gestellt wird: Wieso habt ihr euch überhaupt für euren Bandnamen entschieden und was verbindet euch mit der schwedischen Variante der Walpurgisnacht?

Uns verbindet nichts mit der schwedischen Walpurigsnacht. Das war Zufall. Uns gefiel die Idee, die Band nach einem alten Frauennamen "Valborg" zu benennen und erst ein paar Jahre später fanden wir die Bedeutungen heraus.

Damit wäre ich am Ende des Interviews angelangt. Ich hoffe, dass euch die Fragen nicht zu viel Mühe gemacht haben und wünsche euch das Beste für die Zukunft. Und einen Vinyl-Release. Die letzten Worte gehören euch!

Dank Dir für das Interview und allen Lesern, die es bis hier hin geschafft haben.