Guten Abend und trollische Grüße, Thor! Ich freue mich sehr darüber, dass du dich bereit erklärt hast, ein paar Fragen über dein Label Trollmusic zu beantworten, welches du nun seit einigen Jahren betreibst. Doch bevor wir zum eigentlichen Thema kommen: Wie geht es dir? Konntest du die ersten wirklich warmen Tage des Frühlings genießen?

Hej und dank Dir für die Einladung auf den rottenden Hügel! Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke, tauchen vor meinem inneren Auge Begegnungen mit herrlichen Menschen auf, die ich bei unterschiedlichen Gelegenheiten getroffen habe, einige davon mit Trollmusic-Bezug. Darüber freue ich mich sehr. Ehrlich gesagt habe ich hier in den nordwestlichen Ausläufern des Sauerlands einen richtigen Winter vermisst und mir deshalb immer noch nicht "Hoagascht" von "Lunar Aurora" zu Gemüte geführt. Es war hier teilweise nahezu unheimlich warm für die Jahreszeit... zum Laufen und Wandern jedoch schön.

Bereits der Name kann vielleicht ein paar Aspekte über das Konzept und die Hintergründe deines Labels verraten. Woher stammt deine Faszination für Trolle, die vielleicht als Sinnbild für Mythen, Sagen und all das, was sich dem modernen Rationalismus widersetzt, verstanden werden könnten?

Ich habe um die Jahrtausendwende einen griffigen Namen für meine Internetpräsenz gesucht, auf der ich meine Fanzine-Aktivitäten darstellen wollte. Trollmusic schien mir plakativ genug, damit auch gehirnamputierte Grottenolme raffen, dass ich keinen Schlager veröffentliche. Wenn ich daran denke, was in den letzten Jahren so alles als "Pagan Metal" mit trollischem Inhalt angepriesen wurde, bin ich mir jedoch diesbezüglich nicht mehr sicher… Das gilt auch für die Trolle: die Geschöpfe der alten Meister wie John Bauer und Theodor Kittelsen, sowie den heute wirkenden David Thiérrée und Benjamin König stehen für einen Zauber, den ich hier nicht mit zu vielen Worten seines sublimen Reichtums berauben möchte. Mit vielem Kitsch bin ich allerdings heillos überfordert und ich verlege lieber schöne Musik ohne Trolle als den Quatsch, der mir schon wegen dem Namen angeboten wurde. Ich liebe Musik von "Grieg", "Folque", "Garmarna" und auch "Finntroll" - nicht aber von deren ultra-verkitschten Kopien!

Interessant ist, dass die Gründung des Labels ja nun einige Jahre zurückliegt, du aber erst in der letzten Zeit mit den Bands "De Arma" und "Alvenrad" wirklich aktiv geworden bist. Wann und unter welchen Umständen wurde Trollmusic ins Leben gerufen? War es eine spontane Idee oder das Ergebnis langer Überlegungen?

Die Idee zu einem eigenen Label geisterte bei der Namenssuche für die Internetpräsenz noch gar nicht durch mein Oberstübchen und es ergab sich eher zufällig, als ich anno 2004 auf "Ainulindalë" stieß: Die Musik nahm mich so gefangen, dass ich sie nach den Absagen anderer Labels schließlich selbst verlegt habe. Der "echte" Label-Start mit der Veröffentlichung von "De Armas" "Lost, Alien & Forlorn" beruhte auf gemeinsamen Überlegungen mit meinen Freunden und Kollegen bei Prophecy Productions, für die ich nebenher immer mal wieder als Talentscout fungiere.

Die erste Veröffentlichung war die Neuauflage des Albums "The Lay Of Leithian" des französischen Solo-Projektes "Ainulindalë". Da man heute kaum Information über das Projekt und diese Veröffentlichung im speziellen findet, wäre es sicherlich interessant, wenn du ein paar Worte darüber verlieren könntest. Wie ist es damals zu dieser Kooperation gekommen und um welche Art von Musik handelt es sich hierbei?


Es ist ruhiger Folk, so etwa im Stile von "Kveldssanger" oder "Where At Night The Wood Grouse Plays" von "Empyrium". Engwar, der Musiker hinter diesem Projekt, hatte mir seine Aufnahmen geschickt und die waren schlicht zu schön, um nur in Frankreich auf CD-R unters Volk gebracht zu werden. Ich habe das Album zeitgleich mit der zehnten Ausgabe meines Fanzines Mørkeskye veröffentlicht und konnte daher einige CDs direkt an meine Leser verkaufen.

Die erste Veröffentlichung eines Labels ist sicherlich in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Welche persönlichen Assoziationen hast du zu dem genannten Werk und bist du auch nach so vielen Jahren noch der Meinung, dass "Ainulindalë" die richtige Wahl für die erste Veröffentlichung war?

Ja, kein Zweifel. Es ist zeitlos schöne und eigenartige Musik, zwar mit dürftiger Produktion, dafür jedoch mit viel Herz und Seele. Dazu begleitet mich Tolkien seit Kindesbeinen und die Musik von "Ainulindalë" kann ich selbst mit meiner törichten Phantasie wesentlich eher in Einklang bringen als die für sich genommen sehenswerten, aber doch sehr abgehobenen Filme. "Ainulindalë" steht für mich für einen stillen Zauber, der entdeckt werden will. So etwas Verborgenes und nicht ganz leicht Zugängliches gefällt mir in einigen Lebensbereichen deutlich besser als etwas Offensichtliches. Übrigens hat Engwar gerade mit "Nevrast" sein zweites, sehr schönes Album veröffentlicht.

Nach dieser ersten Publikation folgten ein paar Jahre der Inaktivität. Kannst du die Gründe hierfür erläutern? Fehlte es an Zeit, Motivation oder einfach an den richtigen Bands?

Puh... Du stellst Fragen... 2004 war Trollmusic trotz der CD-Veröffentlichung kein richtiges Label, auch wenn die Idee im Raume stand. Dann grätschte das Leben mit allerhand Chaos dazwischen, zudem habe ich all die Jahre in etlichen Fanzines immer noch sehr viel über Musik geschrieben.

Im Jahr 2013 folgte dann die Veröffentlichung des Debütalbums "Lost, Alien & Forlorn" der Band "De Arma", welches zugleich seit langer Zeit das erste Lebenszeichen von Trollmusic war. Damit einher ging die Instandsetzung offizieller Internetpräsenzen und eine relativ umfangreiche Promo-Arbeit. Anstatt also klein anzufangen, wurde die Revitalisierung regelrecht zelebriert. Kam ein kleiner Neuanfang für dich nicht in Frage?

Wenn Du wüsstest, was "De Arma" bislang verkauft hat, würdest du andere Worte wählen, haha! Im Ernst: ich finde meine Mittel ziemlich übersichtlich, bin jedoch bemüht, die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten kreativ auszuschöpfen. Strukturell gesehen kam für mich kein anderer Neuanfang in Frage als dieser, denn ich habe schlichtweg einfach nicht die Möglichkeit, zum Beispiel ein kleines Tape-Label von zu Hause aus zu starten.

Zudem zeigte diese Veröffentlichung, dass Trollmusic nicht nur fantastische Themen, Mythen und folkloristischen Schabernack kennt, sondern mit "Lost, Alien & Forlorn" ein zutiefst menschliches Werk veröffentlicht hat. Welche wesentlichen Punkte muss eine Band erfüllen, um zu dem Raster von Trollmusic zu passen? Und wie aussagekräftig ist diese Veröffentlichung in Bezug auf die konzeptionelle Entwicklung des Labels?

Genau das hat mir an "Lost, Alien & Forlorn" gefallen: die Verbindung von Frank Allains hier sehr offenherzigem Gesang mit Andreas Petterssons kräftigen, melancholischen Melodien. Das Album hat den "human touch", der tief blicken, oder besser gesagt fühlen lässt, zudem erinnert es mich in seiner Stimmung an das sträflich unterbewertete, selbstversunkene Meisterwerk "The Silent Enigma" von "Anathema". Ob sich das konzeptionell greifen lässt? Vielleicht insofern, als dass ich je nach Möglichkeit gerne Musik veröffentlichen werde, die mit einem ähnlich intensiven "human touch" fasziniert, ohne mich stilistisch zu begrenzen. "Piano Magic", "Lulu Rouge" oder "Burial" gehen mir ähnlich unter die Haut wie das Intensivste von "Ulver", "Burzum" oder "Landberk", um drei eher "trollische" Namen ins Spiel zu bringen. Ein Raster brauche ich nicht.

Soweit ich es mitbekommen habe, waren die meisten Reaktionen auf diese Veröffentlichung recht positiv und auch ich habe großes Gefallen an dem Album gefunden. Welche Relevanz haben die Rückmeldungen von Kollegen, Freunden und Journalisten für dich bezüglich der Labelarbeit?

Das Label ist in erster Linie mein Hobby, zumindest bislang. Insofern freue ich mich über jede Rückmeldung, der ich etwas irgendwie Konstruktives und Kritisches im guten Sinne abgewinnen kann. Besonders schön finde ich es, wenn klar erkennbar ist, dass jemand Freude beim Hören und Schreiben hatte, und es ihr oder ihm gelingt, diese Freude mit eigener Verve zu transportieren. Ich weiß, wie sehr die unermessliche Veröffentlichungsflut eine gewisse Oberflächlichkeit fördern kann - und ich trage nun auch noch dazu bei. Umso schöner also, wenn sich trotzdem jemand Zeit nimmt, etwas näher auf die Musik oder die Menschen dahinter einzugehen. Relevant sind Rezensionen, wenn sie wie bei "Alvenrad" zum Beispiel hilfreiche Kritik im Hinblick auf Songaufbau und Produktion beinhalten. Die Band und ich nehmen diese Kritik absolut ernst und unterhalten uns im Hinblick auf die kommenden Alben darüber.

Da du ja auch selbst Redakteur für einige Magazine bist, würde es mich interessieren, wie du die Musik von "De Arma" be- und umschreiben würdest. Was sind für dich die wesentlichen Merkmale des Albums?

Wesentlich ist für mich, dass hinter der Musik die Menschen erkennbar werden, von denen ich zwei - ohne das richtig Song-dienliche Schlagzeugspiel von Johan Marklund auch nur ansatzweise unter den Teppich kehren zu wollen - für ihren musikalischen Werdegang sehr schätze. Franks Darstellung der Flüchtigkeit und Brüchigkeit von Beziehungen in der Hypermoderne können wohl einige Menschen heutzutage nachvollziehen. Die Band hat Wahrnehmungen und Gefühle vertont, die von mir geschätzte Autoren wie Zygmunt Bauman, Erich Fromm oder Arno Gruen theoretisch behandelt haben, und quasi den Soundtrack dazu geliefert.

Mit dem Debütalbum "Habitat" der niederländischen Band "Alvenrad" kam in diesem Jahr die aktuellste Trollmusic-Veröffentlichung heraus, die, zumindest in meinen Augen, aus musikalischer Sicht eher zu erwarten war, passt der urige, ländlich-charmante und doch äußerst energetische Charakter hervorragend zu dem, was ich mir unter einer Veröffentlichung von und für Trolle vorstelle. Entsprechend war die Entscheidung für dich, "Habitat" zu veröffentlichen, sicherlich relativ leicht, oder?


Wie gesagt, man sollte es mit den Trollen nicht übertreiben, høhø... Und ja, musikalisch gesehen war es eine ganz leichte Entscheidung, "Habitat" zu veröffentlichen. Die "Alvenrad"-Musiker sind jung, tatendurstig, inspiriert und in einem außergewöhnlichen Maße begeisterungsfähig. Der Trollmusic-Slogan "music with roots, heart & spirit" kam mir nach einem langen Wochenende, an dem mich die Jungs im Sauerland besucht hatten, in den Sinn. Die Wurzeln ihrer Musik sind mir zum Teil herzlich vertraut, anderes lerne ich selbst mit Begeisterung kennen.

Für mich ist "Alvenrad" einer der wenigen aktiven Bands neben anderen positiven Beispielen wie "Galar" oder "Myrkgrav", die es schaffen, Folk Metal auf eine lebhafte Art und Weise zu zelebrieren, ohne dabei alkoholgeschwängerte Peinlichkeiten zu begehen. Ich würde sogar sagen, dass die Suche nach solchen qualitativ hochwertigen Bands heutzutage der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleicht, oder bin ich diesbezüglich einfach zu wählerisch?

Wenn Du den Trollzorn auf dich ziehen möchtest, dann bleibe so wählerisch, haha! Mir ging es vor einigen Jahren ähnlich, doch ich habe mir angewöhnt, mich hauptsächlich mit den bereichernden Bands zu beschäftigen, also mit "Myrkgrav", "Lönndom", "Ereb Altor", "Voluspaa", "Galar", "Mykravaerk", "Lekamen Illusionen Kallet"...

Die Band hat nun ja auch einen Vertrag über vier Veröffentlichungen bei dir unterschrieben. Ist dir eine derart lange Zusammenarbeit mit Künstlern lieber als einmalige Kooperationen?

In diesem Fall ja, und zwar trotz unserer Freundschaft, die vor dem Vertrag bestand, und die wir nicht durchs "Geschäftliche" riskieren wollen. Wir arbeiten bisher im Großen und Ganzen super zusammen und beide Seiten haben das Gefühl, dass die Zusammenarbeit unser Leben bereichert. Es gibt jedoch ganz behutsam angedachte Ideen, darunter momentan zum Beispiel eine Art Musik-Hörbuch, vielleicht in Zusammenarbeit mit einem anderen Verlag, die eher auf eine andere Kooperation hinauslaufen würden. Grundsätzlich möchte ich verwirklichen, was mich und hoffentlich einige andere Traumwandler fasziniert und bestärkt. Benjamin König kenne und schätze ich als Musiker, Künstler und Mensch seit rund zwölf Jahren, und ich glaube und hoffe, dass wir immer wieder irgendwie zusammen arbeiten werden, weil es einfach traumwandlerisch passt.

Gibt es neben den angesprochenen Punkten andere Ereignisse, die die Historie von Trollmusic beeinflusst haben?

Ich hänge der "wyrd(en)" Idee an, dass es viel komplexere Zusammenhänge gibt, als wir Menschlein uns gemeinhin vorstellen, daher wird es zahlreiche Einflüsse geben, die ich hier gar nicht benennen kann.

Kommen wir nun zu allgemeineren Themen. Wie hat man sich als Band oder Künstler eine Zusammenarbeit mit Trollmusic vorzustellen? Verkauft man seine Seele an die Trolle, wenn man bei dir einen Vertrag unterschreibt oder ist die Kooperation eher familiär?

Das Vertragliche liegt nicht in meinen Händen, sondern wird von den Prophecy Productions übernommen, denn die kennen sich einfach viel besser damit aus. Ich kümmere mich in erster Linie um die künstlerischen Belange. Keine Band und kein Musiker, der über Trollmusic verlegt wird, muss ein Freund von mir werden. Wenn sich freundschaftliche Banden ergeben, ist das dennoch schön. Ich bin jedoch grundsätzlich vorsichtig bei der Verbindung von Geschäftlichem und Freundschaft.

Leider spielen finanzielle Aspekte in der heutigen Zeit bei vielen Labels eine übergeordnete Rolle. Natürlich kann man es niemanden zum Vorwurf machen, wenn man sein Hobby zum Beruf machen möchte, doch leidet bei einigen Beispielen die Qualität der Veröffentlichungen darunter. Wie ist dein Label diesbezüglich ausgerichtet und welche Rolle spielt das Geld dabei?

Ich stecke zu einem gewissen Teil mein eigenes Geld in Trollmusic, so wie andere Menschen das mit ihren Hobbies auch machen. Verdienen tue ich rein gar nichts damit, sondern zahle bislang nur drauf. Große Sprünge sind für die Bands also nicht drin. Als im "Underground" Aktiver kenne ich genug Bands und Musiker, die von scheinheiligen Labels fürchterlich abgezogen wurden. Das wäre mal ein eigener Artikel wert... Bei mir gibt es stattdessen Transparenz von Anfang an: wer Rockstar-Träume leben möchte, ist anderswo besser aufgehoben. Trollmusic ist ein kleines Hobby-Label, das im schönsten Fall langsam mit einigen seiner Künstler wächst und zu einer kleinen Talentschmiede gedeiht.

Wer eine Veröffentlichung von Trollmusic erwerben möchte, wird zum Onlineshop von Prophecy Productions weitergeleitet. Wie kam die Zusammenarbeit mit diesem renommierten Label zustande?

Mit dem Stamm der Prophecy-Belegschaft bin ich seit den Neunzigern befreundet und als Freund und als Talentscout habe ich einigen Bands geholfen, bei diesem Musikverlag anzuheuern. Ohne diese vertrauensvolle Bande würde es Trollmusic nicht geben.

Was macht deiner Meinung nach ein gutes (Metal-)Label aus? Und was bietet Trollmusic seinen Bands?

Oh, ich glaube, es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, ein gutes Label zu entwickeln und - noch schwieriger - langfristig zu etablieren, ohne nur Routine anzubieten. Ein Label wie Karisma / Dark Essence Records (Nor) zeichnet sich durch extrem guten und mitunter verwegenen Geschmack aus. Sven von Ván Records kann ich für manch gediegene Veröffentlichung nur meinen Respekt und Glückwunsch aussprechen, denn da steckt oft ein unglaublicher Aufwand dahinter. Ähnliches gilt für Nico und Eisenwald, der zum Beispiel mit "Lönndom" absolute Liebhaber-Veröffentlichungen herstellt. Wenn ich mich mit Musikern unterhalte, die bei Prophecy oder Lupus Lounge unter Vertrag sind, so höre ich erfreulich oft Lob über eine weitgehend unkomplizierte Zusammenarbeit und die Unterstützung seitens des Verlags in jeglicher künstlerischer Hinsicht. Gerade wenn mir Menschen wie Markus von "Falkenbach" oder andere Musiker mit genügend Einblick in geschäftliche Abgründe sagen, wie gut sie sich behandelt fühlen, freue ich mich, als freier Mitarbeiter bei Prophecy "an Bord" zu sein. Ich hoffe, Ähnliches mit Trollmusic auf einer deutlich bescheideneren Ebene gestalten zu können.

Bisher waren alle Veröffentlichungen im CD-Format gehalten und du scheinst Gefallen an Digipaks gefunden zu haben. Wird dies auch in Zukunft die erste Wahl sein oder sind auch andere Tonträgerformate oder alternative Verpackungen zu erwarten?


Die Digipaks sind reiner Pragmatismus und spiegeln meine aktuellen Möglichkeiten, wobei ich die bisherigen Varianten selbst richtig gelungen finde. Es geht jedoch nichts über Vinyl, und ich bestelle selbst immer noch einige Kassetten, wie zum Beispiel die phantastisch schöne Edition des "Vemod"-Albums "Vinter På Stormene" von Terratur Possessions, oder das "Alchemyst"-Tape.

Wie findet das Label zwischen Modernität und Rustikalität seinen Weg? Auf der einen Seite verwendest du zwar schon Facebook und professionelle Vertriebswege, scheinst aber gleichzeitig bei der Musikauswahl und der konzeptionellen Ausrichtung genügend Raum für das Alte, Archaische einräumen zu wollen.

Es wäre schön, "best of both worlds" vebinden zu können. Facebook ist nur die aktuell bekannteste Option, sich selbst und Anderen wertvolle Lebenszeit zu rauben, die stattdessen für echte menschliche Begegnungen genutzt werden könnte. Gleichwohl: auch auf Facebook kann es humorvoll und herzlich zugehen. Und für einen Musikverlag ist eine solche Plattform heute im Grunde ein Muss, um seine Bands zu bewerben.

Ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand, der so viel Zeit und Leidenschaft in die Musik investiert, noch nie selbst ein Instrument in die Hand genommen hat, oder bleibt für so was neben all deinen Aktivitäten einfach keine Zeit?

Bislang habe ich dafür keine Zeit. Und ob ich das noch mal anfange... wer weiß...

Gibt es Bands oder Alben, die du als wesentlich für die persönliche musikalische Entwicklung bezeichnen würdest oder die auf die eine oder andere Weise einen Einfluss auf Trollmusic gehabt haben?

Aber hallo! Um eine riesig-kunterbunte Liste kurz zu machen: "Bo Hanssons" Vertonung von "The Lord of the Rings", veröffentlicht auf "The Famous Charisma Label" - na, klingelt's?

Einen kleinen Blick in die Zukunft kann man an dieser Stelle sicher wagen. Gibt es bereits spruchreife Pläne für künftige Veröffentlichungen?

Im Herbst steht die Veröffentlichung des "Mirna's Fling" Albums "For the Love of Me" an. Es handelt sich dabei um melancholische Singer-/Songwriter-Musik, die bislang jeden berührt hat, dem ich sie vorspielte. Ein ganz innigliches Album, das im Herbst und Winter sicher einigen melancholisch veranlagten Wesen traute Heimat bieten kann. "Alvenrad" basteln bereits fleißig an neuen Songs, von denen ich einige als Demo-Versionen gehört habe. Die Band ruht sich kein bisschen auf "Habitat" aus, sondern erkundet weiter neue und wirklich hinterwäldlerische Wege – ich finde das großartig und kann Überraschungen versprechen!

Zum Schluss möchte ich dich bitten, folgende Zitate zu kommentieren: "Folk Metal should be deleted." - Fenriz


Ich mag Fenriz' Humor unheimlich gerne. Die Commentary Discs der "Isengard"-Neuauflagen sind einfach famos. Sein Hang zum Slapstick erinnert mich an Quorthon und vielen Leuten täte ein solch ein Funken Humor wohl ganz gut...

"Die Natur lügt niemals und verdammt die Kunst, welche lügt." - Jean-Jacques Rousseau

Wir Menschlein machen es uns gerne leicht, unsere Träume in "die Natur" zu projizieren, und sind doch ein Teil von ihr. Zu viel Idealisierung hilft nicht.

"Spend half of your money on wooden metal and half of your money on wooden projects and steal your food from the rich and eat them for this shall be a wooden world." - The wooden label troll

Oh, das habe ich mal launig auf Facebook rausposaunt, oder? Musik ist nicht alles. Und wenn ihr keine Kohle habt, zieht euch die Trollmusic-Releases von mir aus im Internet. Kauft dann halt Tonträger, Merch und besucht Konzerte, wenn es euch wieder finanziell möglich ist. Machen wir uns nichts vor: Musik ist eine der schönsten Formen menschlicher Kreativität und Kommunikation jenseits von gesprochener und geschriebener Sprache. Nur haben wir alle nichts mehr davon in einer Welt, in der z.B. die Bienen verschwinden und immer noch zu viele Wälder abgeholzt werden. Und was die Verteilung von Geld angeht: ich werde nur noch Politiker oder Parteien wählen, die zum Beispiel KindergärtnerInnen, Heilerziehungs- oder Altenpfleger deutlich höher entlohnen wollen. Es sagt viel über diese Gesellschaft aus, dass uns die wichtigsten menschlichen Aufgaben nur wenig wert sind... wir produzieren Entfremdung auf fast allen Ebenen. Narzisstische Möchtegern-Politiker, die diesen Wahnsinn noch befördern, sollten auf dem Scheiterhaufen öffentlicher Empörung brennen - doch wer empört sich noch?

Thor, ich danke dir herzlichst für deine Zeit und Mühe und wünsche dir für die Zukunft von Trollmusic alles Gute.

Einmal mehr lieben Dank für Deine Einladung und das In-der-Nase-Popeln! Wenn du oder einer der Leser einen Hinweis auf eine spannende Band hat, die auf Trollmusic vielleicht gut aufgehoben wäre: meldet euch! Ansonsten möchte ich mir hier bei all jenen bedanken, die Trollmusic unterstützen und mich zu Abenteuerlichem inspirieren – DANKE!