Grüße nach Finnland! Ich freue mich sehr, dass ich die Gelegenheit habe, dieses Interview mit euch führen zu können. Das vergangene Jahr 2011 war sicher in vielerlei Hinsicht sehr wichtiges für euch. Nach einer langen Zeit ohne jegliche Veröffentlichungen habt ihr vor einigen Monaten das neue Album "Saivo" veröffentlicht. Als erstes würde ich gerne wissen, was die Gründe dafür waren, dass ihr so lange an dem Album gearbeitet habt.

Vielen Dank für deine Worte. Wir sind sehr streng mit uns selbst, was unsere eigene Musik, den Entwicklungsprozess der Lieder und den Annäherungsprozess angeht, bis wir mit dem Material wirklich zufrieden sind. Außerdem hatten wir mehr als genug Demo-Material für eine Veröffentlichung. Dementsprechend hat es auch Zeit gekostet, herauszufinden, welche Stücke für das Album geeignet sind. Ferner gab es einige technische Probleme. So mussten wir das Studio zweimal wechseln und uns jedes mal an das neue Studio-Equipment gewöhnen. Wir machen wirklich alles selber: Vom Schreiben der Musik, über das Mixen und Mastern, bis hin zum Cover und dem Promo-Video. Es gibt also einiges zu tun. Dass es letztendlich so lange gedauert hat, war aber auch für uns überraschend. Die Veröffentlichung des nächsten Albums wird hoffentlich einfacher.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr nach 15 Jahren Band-Geschichte einige Entwicklungen bezüglich des Produzierens der Musik und der Art und Weise, wie ihr eure eigene Musik seht, durchgemacht habt. Könnt ihr diesen Entwicklungsprozess generell und im speziellen zwischen den letzten beiden Alben "Saivo" und "Maaäet" beschreiben?

Tatsächlich sind sich die "Maaäet" und die "Saivo" noch am ehesten von unseren Alben miteinander verbunden. "Kauan" ist das einzige Album, welches nicht in unserem eigenen Studio aufgenommen und gemixt wurde. Nachdem wir die Basis für das Album in einem kommerziellen Studio aufgenommen haben, merkten wir, dass wir in unserem eigenen Studio weiterarbeiten müssen, um den damit verbundenen Stress einzugrenzen. Also nahmen wir die Tracks und stellten sie in unserem UTUstudio fertig. Wir sind immer noch weit davon entfernt, professionelle Tontechniker zu sein, aber wir haben unseren eigenen Sound und lernen immer mehr dazu. Ich glaube aber nicht, dass es dramatische Änderungen in unserer Arbeitsmethode gab, da jedes Mitglied der Band zu jeder Phase des Produktions-Prozesses anwesend war.

Was wolltet ihr mit der Thematik von "Saivo" im Speziellen ausdrücken? Wieso habt ihr Themen wie die Endlichkeit des Lebens, die altertümlichen Elemente der finnischen Kultur sowie die Wasser-Metaphorik für das Album ausgewählt?

Es ist eher so, dass die Themen uns finden. Sie entstammen direkt aus unserem Leben und da die komponierten Lieder ähnliche Aspekte aufgriffen, haben wir es weiter ausgearbeitet. Ein Aspekt von "Saivo" sind die Erinnerungen und der Widerhall unserer Vorväter und unseren Geliebten, die von uns gegangen sind.

Obgleich die Musik auf der "Saivo" relativ minimalistisch ist, erschafft sie eine dichte, ausdrucksstarke Atmosphäre, die ich mit der gefassten und subtilen Urgewalt des Wassers verbinde. Wie verbindet ihr diese scheinbar antagonistischen Aspekte in eurer Musik?

Das war das erste Mal, dass wir ein derartiges Konzept zu Beginn der Aufnahme eines Albums hatten. Das gab uns das Gerüst und die Klang-Landschaften, um die Lieder zu malen. Die Arrangements haben wir auf den Gesamteindruck des Bildes abgestimmt, sodass das Album unserer Meinung nach schlüssiger und fließender ausfällt. Ähnlich wie ein nebeliger Flusslauf oder ein überwältigender, schwarzer See.

Im Vergleich zu den vorherigen Veröffentlichungen findet man auf der "Saivo" weniger naturromantische Aspekte. Es fokussiert sich eher auf metaphysische Themen und die immateriellen Aspekte des Lebens. Welche äußeren Einflüsse haben euch demnach beim Schreiben des Albums beeinflusst?

Wir entwickeln Ideen, Themen und Lieder für zukünftige Alben bereits bei den Aufnahmen der vorherigen. In diesem Fall fühlten wir, dass eine Thematik zu "Saivo" passen würde, die außerhalb unser Welt steht. Eine verträumte Welt, in der die Natur, wie wir sie kennen, nicht existiert, und somit eigene Gesetzmäßigkeiten in sich trägt. Das nächste Album könnte wieder in die Richtung der "Kauan" tendieren, welche mehr naturromantische Aspekte in sich trägt. Aber dieses Mal haben wir uns für dieses spezifische Thema entschieden.

Würdet ihr "Saivo" als eine Reise beschreiben, die auf der einen Seiten realistische und ästhetische Facetten des Lebens, auf der anderen Seite aber auch den Wandel von einer physischen Existenz hin zu einem metaphysischen Sein darstellt?

Ganz recht. Die selben Elemente, die real existent sind, sind vorhanden, aber sie können in einem neuen Licht oder mit einer seltsamen, inneren Verbundenheit gesehen werden. Wir haben unsere eigene Interpretation des Saivo-Mythos aufgestellt, was uns die Kulisse zum Spielen unserer Lieder gibt. Ich bin mir sicher, dass die Saivo-Welt zukünftig wieder in unserer Musik auftauchen wird - auf welche Art und Weise das auch immer geschehen wird.

Während eures Bandbestehens hattet ihr einige Wechsel im Line-up. Was tragen die einzelnen Musiker eures aktuellen Line-ups zu der Musik bei und wie arrangiert ihr die verschiedenen Arbeitsschritte, die nötig sind, um ein Album fertig zu stellen?

Ich und Ilmari komponieren und arrangieren alle Lieder und sind auch für einen Großteil der Aufnahmen und des Abmischens verantwortlich. Nur unser Background-Vocalist/Live-Gitarrist Tuukka Tolvanen stößt manchmal hinzu, um uns Beistand beim Abmischen zu bieten, und -sagen wir- ein zusätzliches Ohr mit ins Geschehen zu bringen. Innerhalb unserer Arbeitsmethoden gibt es fließende Übergänge. Die Aufnahme eines Demo-Songs, das Arrangieren, Abmischen und sogar das Mastern. Das kommt immer auf den einzelnen Song drauf an.

Wie seid ihr zu Prophecy Productions gekommen und was verbindet euch mit dem Konzept des Labels? Die "The Collected Works"-Holzbox muss für euch sicher etwas ganz besonderes sein.

Wir verschickten unser erstes Demo-Tape im Jahr 1997, was das Interesse von Martin weckte. Dies brachte uns zu dem Vertrag, welchen wir einige Male erneuert haben. Das Label hat eine unorthodoxe Art, Bands auszuwählen, was das Ganze interessant und einzigartig macht. Die Idee für die Holzbox kam von Prophecy Productions und natürlich hat uns das sehr gefreut.

Es ist schwierig, aber natürlich auch nicht nötig, die Musik von "Tenhi" in ein spezifisches Genre zu stecken, doch welche Worte würdet ihr wählen, wenn ihr gebeten werdet, eure Musik zu beschreiben?

Sicherlich steckt eine gewisse Melancholie in ihr... außerdem ist sie sehr visuell... mir fällt nicht wirklich etwas dazu ein... das überlasse ich lieber den Redakteuren.

Was sind eure musikalischen Wurzeln, und fühlt ihr euch der skandinavischen Folk-Szene zugehörig, falls so etwas existiert?

Alle Bandmitglieder hörten als Teenager Metal, was unser gemeinsamer musikalischer Hintergrund ist. Es gibt auch einige musikalische Spuren, die sich bis in die Gegenwart ziehen. Ob so eine Folk-Szene existiert, weiß ich nicht, aber es gibt ein paar junge Bands, die akustische Instrumente in einer ähnlichen Weise verwenden.

Hört ihr neben Folk und dessen Subgenres auch moderne Musik?

Eigentlich höre ich nicht wirklich viel Folk. Ich höre viel Musik der späten '60er und '70er und auch einige moderne Bands.

Gab es in Bezug auf das Jahr 2011 ein paar Veröffentlichungen, die du besonders gern magst?

Da fällt mir nichts spezifisches ein. Ich halte mich nicht wirklich auf dem aktuellen Stand der Musik-Welt. Allerdings hat mir Ilmari das neue "Opeth"-Album vorgespielt. Der Sound auf dem Album war ziemlich großartig.

Plant ihr bereits ein neues Album und wird es wieder solange Dauern, bis es erhältlich ist?

Ja. Wir arbeiten an einigen frühen Skizzen und Ideen. Ich hoffe, dass wir sogar noch vor dem Sommer mit den Aufnahmen beginnen können. Im Moment verbessern wir unser Studio und müssen schauen, wie das Ganze funktionieren wird.

Paljon kiitoksia für das Interview. Ich hoffe, dass euch das Beantworten der Fragen Freude bereitet hat. Die letzten Wörter gehören euch.

Kiitos itsellesi. Wer interessiert ist, sollte sich definitiv die Artbook- und Digipack-Versionen des Albums anschauen, da sie das komplette Artwork beinhalten, was die Musik noch tiefer wirken lässt.