Seid gegrüßt, Protector und Silenius! Vielen Dank dafür, dass ihr euch für dieses Interview zur Verfügung stellt. Bevor wir ins Detail gehen, möchte ich euch bitten, eure Impressionen der letzten Zeit in Worte zu fassen. Durch das seit sieben Jahren erste Album "Old Mornings Dawn" und die Neuauflagen eurer alten Alben auf Vinyl wird "Summoning" wohl wieder viel Aufmerksamkeit zuteil. Wie fühlt sich die Präsenz an, die eure Band nun wieder zeigt?

Silenius: Eigentlich unglaublich. Nachdem wir nie live gespielt haben und, wie du sagst, sieben Jahre in der Versenkung verschwunden sind, haben wir nicht wirklich damit gerechnet, von so vielen Leuten vermisst zu werden. somit war das Willkommenheißen von so vielen Fans doch schon etwas ganz Besonderes und hat nicht nur uns, sondern auch das Label positiv überrascht.

Auch wenn "Summoning" für euch wohl nie völlig unter den Tisch gefallen ist, wirkt es nach Außen doch wie eine Art Revitalisierung. Was ist mit "Summoning" in der Zwischenzeit passiert, dass "Old Mornings Dawn" so viel Zeit benötigte?

Silenius: Zum einen war ich eine lange Zeit völlig ausgepowert und schlicht ideenlos, was die Zukunft von "Summoning" betraf. ich spielte auch einige Zeit damit, das Ganze zu beenden, oder Protector alleine mit der Band weitermachen zu lassen. Zwischenzeitlich, um auf andere Gedanken zu kommen, arbeitete ich für die dritte Veröffentlichung von "Kreuzweg Ost" für Cold Spring Records, was mich aber nur noch weiter von "Summoning" entfernte, und dann kam unerwarteterweise ein Herzinfarkt dazwischen. Dieser war aber der Wendepunkt in meinem Leben, "Summoning" bedeutete mir plötzlich wieder was und ich begann zaghaft, aber stetig für diese Band zu komponieren. Am Anfang waren die Ideen noch sehr holprig, aber mit der Zeit entwickelten die Songs eine Eigendynamik und ich wusste plötzlich, in welche Richtung ich zu gehen hatte. Irgendwann ging dann alles wie von selbst, und die Ideen kamen ganz von alleine.
Protector: Ich hatte keine Inspirationsprobleme oder gar gesundheitliche Probleme. Mein einziges Problem war, dass Silenius so lange inaktiv war und ich daher blockiert war. Gleich nach der Veröffentlichung von "Oath Bound" begann ich Songs zu schreiben. In kurzer Zeit hatte ich schon sieben Songs, beziehungsweise Songfragmente, in der Hoffnung, dass Silenius sie bald mit mir vollenden würde. Als abzusehen war, dass Silenius länger nicht musikalisch tätig sein wird, spielte ich mit der Idee, die Songs als eine Art Solo-Protector-Mini CD zu veröffentlichen, aber nach kurzer Zeit gab ich diese Idee auf.

Inwiefern hat die lange Zeit zwischen den beiden Alben "Old Mornings Dawn" in seinem letztendlichen Wesen beeinflusst? Gibt es spezifische Momente, die erst durch die Zeit reifen oder entstehen konnten?

Protector: Die Tatsache, dass wir auf der neuen CD noch mehr Mehrstimmigkeit haben als in den Alben davor, ist sicher auch auch die lange Pause zurückzuführen. Es haben sich einfach mehr Ideen als normal angesammelt, die alle in den einzelnen Songs Platz gefunden haben. Aber inwieweit das neue Album anders geklungen hätte, wenn weniger Zeit verstrichen wäre, kann ich wirklich nicht genau sagen.

Ist "Summoning" wohl seit jeher dafür bekannt, sehr detailverliebte Songstrukturen zu haben, wird dies auf "Old Mornings Dawn" meiner Meinung nach besonders deutlich. Jede Note wirkt durchdacht und jeder Moment perfekt ins Geschehen eingebettet. Welche Entwicklungen habt ihr in den Jahren durchgemacht und inwiefern unterscheidet sich euer Songwriting zu den ersten Alben?

Silenius: Die Herangehensweise war diesmal komplett anders. Bei allen vorangegangenen Alben kam ich immer schon mit den Basisriffs für die Songs an, die in der Abfolge für sich stimmig waren, und Protector fügte dann nach und nach seine Parts hinzu. Diesmal musste ich komplett von vorne anfangen und in den Akt des Komponierens erst einmal langwierig hineinfinden. Das Resultat war, dass ich eine Unzahl an mittelmäßigen Riffs komponierte, die aber in keinem Zusammenhang standen. Erst durch das Hinzufügen weiterer Melodien kristallisierte sich heraus, was davon überhaupt brauchbar war und was nicht. Auch zu einem späteren Zeitpunkt, als die Lieder schon standen, wurde trotzdem kräftig umgemodelt, oft Melodien wieder verworfen und neu hinzu komponiert. Manchmal wurden sogar ganze Melodie-Blöcke ausgetauscht und ständig wurde schon am Sound gearbeitet, was so bisher auch noch nicht gegeben hat.
Protector: Abgesehen von der höheren Mehrstimmigkeit ist auch noch der Sound zu betonen. Er ist diesmal mit weit weniger Hall, was es dem Hörer leichter macht, auch all die Details aus der Musik herauszuhören. Neben der höheren Mehrstimmigkeit der Melodien sind auch noch weit mehr Details in den Rhythmen zu finden, welche diesmal immer wieder mit komplexeren Percussion-Verzierungen versehen wurden.

Auch wenn jedes eurer Alben (mit Ausnahme der "Lugburz") stets den bekannten "Summoning"-Sound trägt, der sich alleine schon durch die Instrumentalisierung von fast allen anderen Bands unterscheidet, hat doch auch jedes Album eigene Merkmale und Schwerpunkte. Sei es der rustikale, eingängige Charakter der "Minas Morgul", die Chöre auf der "Oath Bound", die zugleich weniger auf Rhythmik, sondern mehr auf langfristige Wirkung aufbaut, oder die fast rockigen Momente auf der "Stronghold", bei der ihr wieder mehr Wert auf Gitarren-Arbeit gelegt hattet. "Old Mornings Dawn" kann ich hingegen nicht wirklich einordnen, beziehungsweise hatte ich das Gefühl, dass es auch gar nicht in irgendwelche Extreme eingeordnet werden möchte. Vielmehr bezieht es viele bekannte Mittel und Stile eurer Diskografie, verarbeitet sie jedoch zu einer homogenen Masse, sodass es auf der einen Seite unaufdringlich und einladend, auf der anderen Seite eindringlich und prägnant wirkt. Wo seht ihr das Album in Relation zu eurer Diskografie und wie würdet ihr es aus musikalischer Sicht charakterisieren?

Protector: Als auffälligstes Merkmal würde ich die Gitarren nennen. Sie sind erstens direkter und rauer produziert und außerdem noch detailreicher eingespielt. Sie konkurrieren diesmal weniger mit den Keyboard-Melodien und klingen mehr nach traditionellen (Black) Metal-Gitarren als früher. Wie gesagt, habe ich diesmal auch vermehrt auf (orientalische/mittelalterliche) Percussion gesetzt, was die Drums auch lebendiger macht. Generell finden wir auch, dass die neuen Songs eher melancholisch sind, während wir auf der "Oath Bound" noch weit mehr in die heroische Richtung gegangen sind.

Haben sich die Eigenheiten des Albums und dessen Charakter natürlich beim Schreiben der Songs ergeben oder hattet ihr bereits vorher beabsichtigt, die Endwirkung in die eine oder andere Richtung zu lenken?

Silenius: Im Gegensatz zu früher haben wir diesmal nicht nur viele Riffs wieder verworfen, neu dazu komponiert, oder ganze Musikteile umgemodelt, sondern wir haben auch ständig mit dem Sound herumexperimentiert. Alles hat sich fließend entwickelt und im Endeffekt so ergeben. Es war niemals so, dass wir von Vornherein gesagt haben: "Die Musik muss in diese oder jene Richtung gehen!", sondern es ergab sich fließend.

Auch wenn es meiner Meinung nach wenig Sinn hat, bei Musik wie eurer einzelne Songs als Anspieltipps oder Ähnliches zu deklarieren, interessiert es mich aber dennoch, ob es ein Lied auf dem Album gibt, zu dem ihr eine besondere Beziehung habt, wie auch immer diese geartet sein mag.

Silenius: Zuallererst möchte ich dich darauf hinweisen, dass wir für Metal.de ein Special gemacht haben, in dem wir jeden Song ausführlich kommentieren. Alles in allem haben natürlich auch wir Lieblingssongs aus dem Album, die sich aber oft wöchentlich oder monatlich ändern. Im Augenblick gefällt mir persönlich "Of Pale White Morns..." am besten, weil mir der hypnotische Charakter des Schlagzeugs in Verbindung mit der Melodie gut gefällt, was mir beim Fertigstellen des Songs nie so aufgefallen ist.
Protector: Meine Lieblingssongs sind "Caradhras" und "Earthshine". Ersteres, weil er sehr mehrstimmig ist mit ungewöhnlichen Melodien, Sounds und besonders komplexen Percussions, zweiter Song, weil er sehr langsam und getragen ist, und ich sehr zufrieden mit dem Gesang bin, wo ich Melodie und Black Metal-Gesang in gewisser Weise vereinen konnte.

Ich erinnere mich daran, wie ihr schon vor der "Stronghold" von Schwierigkeiten berichtet hattet, aus Tolkiens Texten noch genügend Material für ein Album zu ziehen. Habt ihr für "Old Mornings Dawn" neue Quellen gefunden oder wolltet ihr die bekannten Werke Tolkiens einfach weitergehend und aus anderen Blickwinkeln vertonen?

Silenius: Damals hatte ich genügend Schwierigkeiten, Texte zu finden, da wir uns speziell auf die dunkle Seite spezialisiert hatten und in dieser Hinsicht haben wir tatsächlich alles ausgeschöpft. Mittlerweile haben wir unser Spektrum aber erweitert. Nicht nur was das Verwenden von tolkienfremden Texten betrifft, sondern diesmal haben wir beispielsweise auch zwei besonders alte Gedichte Tolkiens verbraten (zumindest Auszüge daraus), nämlich "City Of Present Sorrow" und "The Town Of Dreams". Beide Texte stammen aus einer Zeit, wo der erste Weltkrieg noch wirkte und Tolkien erste zögerliche Schritte zu seinem Mittelerde-Konzept machte, all das aber noch nicht wirklich konzipiert war. Man kann also durchaus sagen dass wir unseren Blickwinkel erweitert haben, dem ursprünglichen Mittelerde-Konzept aber trotzdem treu geblieben sind.

Auch wenn ihr wohl eher eine moderne und subjektive Interpretation von Tolkiens Werken darstellt, gibt es naturgemäß wohl diverse Parallelen zwischen seiner Literatur und eurer Musik. So empfinde ich die ausgearbeiteten und prägnanten Details, die nicht für sich stehen könnten, sondern erst durch die Summe der einzelnen Momente eine in sich geschlossene Parallelwelt erzeugen, auf beiden Seiten als wesentliches Stilelement. Würdet ihr dem zustimmen und gibt es noch weitere Aspekte, an denen ihr euch abseits der Texte stilistisch orientiert?

Silenius: Die Detailverliebtheit Tolkiens - sei es was die Geschichte seiner Welt betrifft, seien es die Sprachen, die er erfunden hat, seien es die unzähligen Stammbäume, Namen von Orten, Personen etc., seien es die unzähligen Lieder und Gedichte, oder die vielen parallel laufenden Handlungsstränge - war ja ein maßgeblicher Aspekt für seinen Erfolg, da es diese Welt erst lebendig machte und natürlich, da er einer der ersten war, die diese moderne Form der Fantasy erst begründeten.
Protector: Ich finde, du hast das völlig richtig beschrieben, dass unsere Songs erst durch die Summe der vielen Details zu dem werden, was sie sind. Von Anfang an hat uns die Idee, viele Melodien und Rhythmen so zusammenzufügen, dass sie ein großes Ganzes ergeben, fasziniert. Und solange es "Summoning" geben wird, werden wir auch an dieser Idee festhalten. Wir wollen keine Musik machen, die nur auf einem einzigen musikalischen Fundament basiert. Kein Riff oder keine Melodie sollte so über den anderen stehen, dass diese keine Rolle mehr spielen. Alles sollte gleichzeitig und gleichwertig den Charakter des Songs prägen.

Sicherlich war gerade Herr der Ringe schon vor den Verfilmungen populär, doch prägen die filmischen Umsetzungen Peter Jacksons das moderne Bewusstsein für Tolkiens Schaffen enorm, gerade was die Jugend angeht, die ohne diese Filme vielleicht nie einen derart intensiven Kontakt zu Tolkiens Schaffen gehabt hätte. Wie steht ihr diesem Phänomen als Teil der Populärkultur gegenüber? Und habt ihr euch "Der Hobbit ? Eine unerwartete Reise" überhaupt angeguckt?

Silenius: Natürlich haben Peter Jacksons Filme maßgeblich dazu beigetragen, dass das ohnehin schon immens populäre "Herr Der Ringe"-Buch in seiner Bekanntheit nochmal zu potenzieren. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass viele Visualisierungen des Filmes hauptsächlich auf die Vorlagen der begnadeten Maler Alan Lee und John Howe zurückzuführen sind, welche auch schon durch ihre Cover-Gemälde von diversen Tolkien-Büchern bekannt waren. Somit hatte man beim Betrachten der Filme immer den Eindruck, schon etwas Bekanntes zu sehen und war nie unangenehm überrascht, dass irgendeine Figur völlig gegen die eigenen Vorstellungen daher kam.
Den Hobbit-Film habe ich im Kino verpasst, allerdings sofort auf DvD gekauft, und ich war erst einmal begeistert und kann somit absolut nicht nachvollziehen, warum er so viele durchwachsene Kritiken in diversen Foren bekommen hat. Hollywood-Kino ist nun mal kein Art Haus-Kino und von einer Hobbit-Verfilmung erwarte ich auch kein Art Haus-Kino.

Dass ihr derart viel Mühe und Zeit in die Vertonung von Tolkiens Welten investiert, lässt darauf schließen, dass ihr euch auch außerhalb von "Summoning" viel mit dieser Thematik beschäftigt. Wie weit geht diese Leidenschaft bei euch im privaten Leben?

Silenius: Das ist nicht ganz richtig. Selbstverständlich habe ich sämtliche Werke von und über Tolkien gesammelt und gelesen. Manche natürlich auch mehrmals. Es ist aber nicht so, dass ich ein Fanatiker bin und sämtliche Stammbäume auswendig lerne. Soweit reicht meine Verehrung nun auch wieder nicht. Aber natürlich habe ich mich auch diesmal wieder in die Texte vertieft, um interessante Konzepte für das neue Album zu finden und hoffe natürlich, dass das Resultat auch den Fans gefällt.

Es gab immer wieder Versuche, Tolkiens Texte mit modernen Themen zu verknüpfen und sie beispielsweise politisch auszulegen. Beschäftigt ihr euch mit solchen Interpretationsansätzen und wie steht ihr diesen gegenüber?

Silenius: Tolkien hat stets zu Lebzeiten klar gemacht, dass seine Werke niemals als Allegorie zu verstehen sind, aber natürlich ist es klar, dass die beiden Weltkriege, die industrielle Revolution in England, die Legenden und Sagen aus England wie zum Beispiel Beowulf oder die nordische Mythologie einen großen Einfluss auf seine Werke hatten und es wurden natürlich auch schon einige Bücher dazu geschrieben mit durchaus unterschiedlichen Meinungen. Das Ganze ist interessant zu lesen, hat aber mit "Summoning" nichts zu tun und wir versuchen auch keinesfalls, irgendeine Realität der Gegenwart mit unseren Alben zu verknüpfen.

Neben der Mittelerde-Saga habt ihr auch Literatur anderer Autoren verwendet. Welche Voraussetzungen müssen Texte erfüllen, damit sie zu der Musik von "Summoning" passt?

Silenius: Das ist schwierig zu sagen. Ich surfe einfach stundenlang durch das Internet, lese mir Gedichte zu verschiedensten Themen durch und lasse mich einfach inspirieren. Ab und zu finde ich dann Texte, wo ich mir denke, dass sie mich von ihrer Wortwahl her und in ihrem Inhalt ansprechen, und dass man das auch durchaus verwenden kann. Im konkreten Fall waren das die Texte zu "Earthshine" und "Caradhras". es gibt aber kein Standard-Rezept. Ich entscheide das mehr intuitiv.

Es ist kein Geheimnis, dass ihr beide noch in anderen Bands und Projekten involviert seid, beziehungsweise wart. Und auch wenn ihr stets versucht habt, die einzelnen Plattformen musikalisch voneinander getrennt zu halten, würde es mich doch interessieren, inwiefern ihr durch eure jeweiligen musikalischen Vorlieben und Erfahrungen "Summoning" prägt.

Protector: Diese Projekte sind weniger als Prägungen für den Sound von "Summoning" zu verstehen, sondern meistens eher als das Gengenteil. Sie sind dafür da, all jene Ideen zu verwirklichen, die in "Summoning" nicht hineinpassen würden. Hätten wir keine dieser Projekte, könnte man bei "Summoning" vielleicht Elemente wie Industrial, Electro-Sound oder andere Industrial-Einflüsse finden. Da wir aber in der Lage sind, all unsere persönlichen und musikalischen Vorlieben in unseres anderen Projekten zu verwenden, können wir uns beim Schreiben von "Summoning"-Songs voll auf die Essenz von "Summoning" konzentrieren.

Dass Bands ein 20-jähriges Bestehen feiern können, ist wohl eher die Ausnahme. So möchte ich euch dazu beglückwünschen und bitten, eure persönliche Beziehung zu "Summoning" in Worte zu fassen. Welche Bedeutung hat die Band für euch, auch im Alltag?

Silenius: Früher war "Summoning" für uns das Ein und Alles, die Band hatte nicht nur unser Denken geprägt, sondern beherrschte auch den Alltag. Alles andere hatte sich da unterzuordnen. Man muss dazu erwähnen, dass Black Metal früher keine Musikrichtung war, sondern eine Lebenseinstellung; das heißt, wir kleideten uns wie Black Metaler, wir dachten wie Black Metaler, und wir lebten den Black Metal.
Mittlerweile hat sich das natürlich drastisch geändert. Heute ist "Summoning" so eine Art nostalgisches Schmuckstück, das man ab und zu hervorholt, das man hegt und pflegt, das mit dem Alltag aber nichts mehr zu tun hat. Das soll aber in keiner Weise abwertend gemeint sein (weil mich Protector so komisch von der Seite anschaut :-) ), aber es ist nunmal die Realität.
Protector: Einerseits war ich früher nie so total im Black Metal drinnen, sondern eher generell im härteren Metal. Andererseits bin ich heute offenbar deutlich mehr mit der Musik eins, als es Silenius gerade beschreibt. Zwar gibt es lange Zeiten, wo "Summoning" im Kopf gar nicht präsent ist, wenn es aber einmal losgeht, dann beherrscht es mich für viele Monate komplett.

Da "Summoning" trotz der bereits genannten kleineren Abweichungen stets seinem Weg treu geblieben ist, werdet ihr wohl Ideale oder spezifische Ideen haben, wie eure Musik zu klingen hat. Was macht für euch das Wesen von "Summoning" im Wesentlichen aus?

Protector: Ich halte es für ganz wesentlich, dass wir ein ganz klares, konsequentes Konzept für unsere Musik haben. Das ist der lange Songaufbau, die hohe Mehrstimmigkeit, die Kombination von Klassischem mit Metal-Sounds, von Rock-Drum-Sounds mit klassischen Percussion-Sounds, etc. Aufgrund dieser klaren musikalischen Struktur sind wir frei genug, viele Details teilweise radikal zu verändern, ohne dass wir unserem Stil untreu werden. Viele unserer Änderungen auf den letzten CDs würden sich andere Bands wohl nicht einmal trauen, bei "Summoning" ist sowas aber möglich, ohne dass die Fans sich bei der nächsten CD wundern, warum wir immer noch den Namen "Summoning" für unsere Musik verwenden.

Wenn ich mich nicht täusche, seid ihr bereits seit eurem Debüt-Album bei Napalm Records beheimatet. Welche Faktoren sind es, die euch zu einer derart lange Kooperation bewogen haben? Und könnt ihr euch noch daran erinnern, wie ihr mit dem Label in Kontakt gekommen bist?

Silenius: Ich kenne Max und Karl von Napalm Records praktisch fast seit ihren Gründungstagen. Der Kontakt kam über "Abigor" zustande, welche als erste Band einen Vertrag hatte. Obwohl Max nicht gerade begeistert von unseren Demos war, bekamen wir ziemlich schnell einen Vertrag, da Black Metal 1994 eine aufstrebende Musikrichtung war, es außerhalb von Norwegen aber praktisch keine Bands in der Richtung gab. Wie man sieht, hat es Max aber nicht bereut, uns gesigned zu haben, der freundschaftliche Kontakt ist nach wie vor aufrecht. Ich besuche Max des Öfteren in Eisenerz, und mittlerweile sind wir ja mit "Summoning" die letzten überlebenden Dinosaurier.

Wenn ich mich nicht täusche, war "Summoning" in seinen Anfangstagen vielmehr in den Black Metal-Kreisen involviert, als es heute der Fall ist, was sich beispielsweise durch die diversen Zusammenarbeiten mit den Bands des Austrian Black Metal Syndicate oder der musikalischen Ausrichtung des Debüt-Albums ausdrückt. Inwiefern unterscheiden sich die ersten Tage der Band von der heutigen Zeit? Gibt es bestimmte Aspekte die ihr vermisst oder hat sich gar nicht so viel verändert?

Silenius: Das A.B.M.S. war damals eine lose Vereinigung von Gleichgesinnten. Seien es Musiker, seien es Tape-Trader, oder Redakteure von diversen Fanzines. Im Großen und Ganzen ging es darum, die Black Metal-Szene in Österreich aufzubauen, es ging um Informationsaustausch, es ging um musikalische Weiterentwicklung. All das war ja damals nicht so leicht wie heute. Es gab kein Internet, in dem man sich blitzschnell informieren konnte. Es zählte mehr der persönliche oder der Briefkontakt. Es war natürlich eine wilde Zeit damals, so eine Art Sturm und Drang-Phase, und man befruchtete sich gegenseitig in kreativer Hinsicht.

In den letzten Monaten wurden eure älteren Alben auf Vinyl veröffentlicht. Dass die Nachfrage stets gegeben war, hat man wohl am schnellen Ausverkauf und den darauf folgenden wahnwitzigen Preisen in den bekannten Internet-Auktionshäusern gesehen. Wieso kam es erst jetzt zu den Vinyl-Veröffentlichungen und warum wurden nach den ersten Erfahrungen nicht einfach die Auflagengrößen der folgenden Re-Releases erhöht?

Silenius: Der Vinyl-Trend und die Nachfrage danach ist ja erst seit ein paar Jahren aktuell. Ursprünglich hat Max von Napalm ja Lizenzen an Temple Of Darkness verkauft, welche diverse Vinyl-Veröffentlichungen schon vor Jahren forciert haben, wie zum Beispiel das aufwändige "Sounds Of Middle-Earth"-Boxset, oder die "Oath Bound"-LP. Irgendwann ist aber Napalm Records darauf gekommen, dass die Nachfrage nach Vinyl immer mehr steigt und so bemüht sich das Label selber um mehr Veröffentlichungen. Warum es kein höhere Auflagenstärke der alten Alben gab, weiß ich auch nicht. So wie ich Napalm Records aber kenne, wird es sicher irgendwann aber eine Zweitauflage geben, doch sind wir in ihrer Veröffentlichungspolitik nur wenig eingebunden.

Neben diesen Vinyl-Auflagen wurde auch Nordvis aktiv und hat "Minas Morgul" und "Dol Guldur" auf Tape veröffentlicht. Welche Tonträger-Formate sind denn eurer Meinung nach am besten für die Musik von "Summoning" geeignet und was bevorzugt ihr privat?

Silenius: Ich finde diese Kassettenveröffentlichungen großartig, da sie in mir ein sehr nostalgisches Feeling erwecken. Ich bin ja mittlerweile alt genug, um mich noch an die Tape-Trader-Szene erinnern zu können. Und darum habe ich natürlich eine Schwäche für derart nostalgische Sachen. Privat bevorzuge ich nach wie vor die CD, die ja mittlerweile schon totgesagt wird; meines Erachtens aber, wie alle anderen Formate aber auch, irgendwie überleben wird, zumindest im kleinen Rahmen. Downloads und MP3s meide ich so gut es geht.

Es hat scheinbar einige Jahre gedauert, doch seid ihr nun für viele Musiker eine Inspirationsquelle. Ich denke diesbezüglich an diverse Tribute-Projekte, Bands wie das amerikanische Duo "Caladan Brood", welches ohne euch wohl gar nicht existieren würde, und das deutsche Solo-Projekt "Psychomantum", welches zusammen mit "Nachtmahr" sogar eine Split-10"-LP zum Jubiläum von "Minas Morgul" veröffentlicht hat. Befasst ihr euch mit solchen Hommagen und wie fühlt es sich an, wenn ihr von solchen Ehrerweisungen erfahrt?

Silenius: Genauso wie es uns früher aufgefallen ist, dass erstaunlich wenige Bands unseren Pfad folgen, so ist es uns natürlich auch aufgefallen, dass es jetzt plötzlich Bands in dieser Richtung gibt, die unsere Ideen aufgreifen und versuchen, etwas eigenes daraus zu entwickeln. Selbstverständlich ehrt uns das und Bands wie "Caladan Brood" dürften wohl das Zeug haben, ein größeres Publikum zu erreichen und begeistern.

Und welche Pläne habt ihr für die unmittelbare Zukunft von "Summoning"? Muss man nun erneut viele Jahre auf euer nächstes Album hoffen?

Silenius: Vor ein paar Tagen haben wir auf unserer Homepage eine kleine Veröffentlichungs-Richtlinie verlautbart, was man dieses und nächstes Jahr noch von uns erwarten kann. Danach wird es aber wieder einen längeren Tiefschlaf geben, wobei ich nicht sagen kann, wie lange es diesmal dauern wird.

Nun sind wir auch am Ende des Interviews angelangt. Ich hoffe, dass euch die Fragen nicht zu viel Mühe bereitet haben und danke euch für eure Zeit. Die letzten Worte gehören euch.

Silenius: Vielen Dank an unsere Fans, die uns in all den Jahren der Abwesenheit nicht vergessen haben. Das ist absolut nicht selbstverständlich und ehrt uns enorm. Ich hoffe, dass ihr uns auch weiterhin die Treue haltet.