Ein markantes Zitat unseres letzten Interviews mit Inkantator Koura, der federführenden Kraft der deutschen Band "Mosaic", soll dieses Special eröffnen: "Grenzen gibt es keine."
Seit dem Interview hat sich dabei einiges getan. Die EP "Old Man's Wyntar", welche alleine bezüglich ihrer Spielzeit fast als Album betrachtet werden könnte, wurde veröffentlicht und brachte das auf den Punkt, was die ersten Split-Veröffentlichungen bereits angedeutet hat. Das Erschaffen einer eigenen, völlig schlüssigen Diegese, die sich durch urige Soundscapes, erdige Metal-Passagen und raue Neo-Folk-Anleihen manifestiert. Weiterhin fiel auf, dass die persönliche Bedeutung von "Mosaic" einen hohen Stellenwert hat. So wurde oft angedeutet, dass unter diesem Namen Material vorhanden ist, welches nicht oder zumindest nicht in erster Linie für Außenstehende gedacht ist. Die eher sporadischen Konzerte und die Kommunikation über Symbole verstärken den diskreten, eigenbrötlerischen Charme. Holzschnitte, Uneindeutiges und Phrasen wie "Traditions. Legends. Mysticism" oder "Folkore is dead | Long live Folklore" bieten den entsprechenden Raum zur Entschlüsselung der Kommunikate. Nun stehen mit "Harvest - Songs Of Autumnal Landscapes And Melancholy" und "The Waterhorse" gleich zwei Veröffentlichungen bevor, die auf den ersten Blick unterschiedliche Facetten repräsentieren, aber dennoch einheitlich als Tape veröffentlicht werden. Dieses wird ausschließlich als Beilage zu dem kommenden Live Eclipse-Magazin über Amor Fati Productions erhältlich sein, was in Anbetracht des eigenständigen Inhalts eine ungewöhnliche wie spannende Realisierung ist.
Die erste Hälfte "Harvest" verbindet dabei gleich zwei konzeptionelle Eigenheiten, die diese Seite des Tapes hervorstechen lassen. Das Material, welches hier zu finden ist, sammelte sich über die vergangenen Jahre an, steht also zumindest zeitlich in keiner engen Verbindung, doch teilen sich die Songs die Eigenheit, dass sie vor allem auf ruhigen, neofolkloristischen und -klassischen Elementen beruhen, dabei sehr weitläufig sind und jene Klänge präzisieren, die bereits auf "Old Man's Wyntar" der menschliche, warme Gegenspieler zur klanglichen Kälte der restlichen EP war. Die andere konzeptionelle Eigenheit ist die thematische Ausrichtung, die sich der herbstlichen Jahreszeit annimmt und somit auch in diesem Punkt eine gewisse Verbindung zur letzten EP hat, welche sich dem Winter gewidmet hat. Die Eigenheiten, die man dieser Jahreszeit zuspricht, werden entsprechend umgesetzt, wobei es augenscheinlich nicht nur um eine naturalistische Darstellung der sich veränderten Natur oder eine romantisch verschrobene Sicht geht, sondern Mystik und die verschlüsselte, menschliche Bedeutung hervorgehoben werden, wobei sich hier der Kreis mit den genannten Eigenheiten der Band im Allgemeinen schließt.
Die andere Seite des Tapes ist eine Demo-Aufnahme aus dem Jahr 2013, welches den Titel "The Waterhorse" trägt und die Geschichte des namensgebenden mythischen Wesens erzählt. Musikalisch repräsentieren diese Aufnahmen die schroffe, ungeschönte Seite von "Mosaic". Klirrende Gitarren, die zwischen verschiedenen Varietäten des extremen Metals variieren, dabei aber stets genügend Raum für Melodie und Stimmung bieten, sind die Grundpfeiler. Aber auch hier finden sich Soundscapes und akustische Klänge, die erneut unter Beweis stellen, dass keine fremde Limitierung zugelassen wird.

Entsprechend umfangreich und vielschichtig ist diese Veröffentlichung. Daher haben wir uns dazu entschlossen, diese Veröffentlichung Stück für Stück zu kommentieren, um einen anderen Blick auf "Harvest" und "The Waterhorse" zu eröffnen, der weder einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat, noch objektivieren möchte, sondern lediglich mit einem Dialog zwischen einem Rezipienten und dem Schaffenden das Medium für einen ausführlichen Austausch zu schaffen. Es folgt ein einleitender Text von Inkantator Koura.

Die Idee einer solchen Veröffentlichung mit einem sehr andersartigen Charakter existierte schon lange. In der Frage-und-Antwort-Flut für das Live Eclipse Magazin entstand dann der Gedanke, dem ohnehin schon langen Interview ein paar Impressionen beizufügen. "Mosaic" soll dem Leser in nahezu allen Facetten nahegebracht werden. Relativ schnell stand fest, dass es eine Kassette werden sollte, jedoch gestaltete sich die Selektierung der Songs weitaus schwieriger, denn es sollte nicht nur eine lieblose Zusammenstellung von Archivmaterial sein, sondern ein Gesamtbild ergeben. Das "Mosaic" Archiv besteht momentan aus knapp 50 Liedern, darunter Lieder von zwei kommenden Alben, einer EP und auch sehr viele Einzelsongs. Ich glaube, so wie es jetzt erscheint, müsste es Konzept C gewesen sein. Der ursprüngliche Gedanke war es, die "Ambrosia Scrolls" [die in der ersten Hälfte 2016 über Eisenwald erscheinende Veröffentlichung] als Rough Mix beizulegen. Doch war mir dies dann doch nicht so geheuer, da man dadurch der eigentlichen finalen Veröffentlichung zu viel vorweg nehmen würde. Als weitere Option stand im Raum, nur experimentelle Lieder auf die Kassette zu packen, etwaige Noisescapes oder Cover-Lieder mit denen keiner rechnen würde, aber auch damit war ich nicht 100% überzeugt. Es war aber relativ lange klar, dass "The Waterhorse" Bestandteil sein sollte, denn dies ist eine Aufnahme und ein Konzept, welches in sich geschlossen bereits fertig war. Nur stellte sich die Frage, was die andere Seite nun bedienen sollte, und da ist mir aufgefallen, dass ich seit knapp 10 Jahren immer zur Herbstzeit Lieder aufgenommen habe und man diese in einem geschlossenen Kontext präsentieren könnte, da die Aura sehr ähnlich ausfiel. Dies gestaltete sich aber nicht so einfach wie erwartet, denn von vielen Liedern existierte meist nur ein reiner Mixdown und nur sehr selten einzelne Spuren. Somit musste relativ viel Aufwand betrieben werden, um den Sound homogen zu gestalten, denn nicht nur verschiedenste Aufnahmetechnik sondern auch Akustik-Gitarren wurden genutzt für diese Lieder. Doch durch eine intensive Aufarbeitung des Materials konnte ein recht homogener Sound erzeugt werden. Die Besonderheit von 75% des "Harvest"-Materials ist die Art und Weise, wie es entstanden ist. Denn alle Lieder, bis auf "Der letzte Atem", sind reine Momentaufnahmen und basieren auf mehreren improvisierten Gitarren oft auch First-Takes und das hat pro Song maximal drei Stunden von der Entstehung bis zum Resultat gedauert. Die dadurch eingefangene Magie, das unbewusste und unterbewusste Fließen der Töne zueinander und ineinander ist für mich etwas ganz besonderes auf "Harvest".
Müsste man einen imaginären Zeitstrahl für die "Mosaic"-Diskografie entwerfen, dann würde sich dieses Release "The Waterhorse | Harvest" vor "Old Man's Wyntar" ansiedeln und den Spätsommer sowie Herbst repräsentieren. Dass diese Veröffentlichung wieder eine Jahreszeit zugeordnet bekommt, ist dabei kein Zufall. Die Grundidee fußt auf der Vierzahl, die egal in welcher Hinsicht ein Mittel ist, das bewusst und unbewusst fast überall zu finden ist. Seien es die Elemente, die Jahreszeiten, die Vier-Saft-Lehre, die Temperamente, die Himmelsrichtung, die Evangelisten, die vier Weltreiche etc. pp.
Jedes Lied, das ich schreibe, bekommt von Anbeginn einen solchen Aspekt zugeordnet, meist ein Element, wodurch auch das Songwriting maßgeblich beeinflusst wird. Ein "Luft"-Lied hat stets eine andere Natur als ein "Erd"- oder "Wasser"-Lied. Dass "Harvest" im Ganzen somit das Element Erde repräsentiert, ist somit nicht verwunderlich, denn die Erde nährt die Feldfrüchte, Erde ist Melancholie, Erde ist Herbst. Dass aber innerhalb auch zu jeder Zeit wieder andere Elemente aufglimmen können, versteht sich von selbst, denn ohne die anderen Elemente kann das eine nicht existieren. Das Element für "The Waterhorse" dürfte klar sein, hier wird die Brücke zwischen Herbst und Winter auch wieder deutlich. Drei Lieder haben das Wasser zum Vorzeichen: "The Emerald Sea, Red Winter Dawn" und "Daz Wazzerpfærd", dagegen steht "Salt & Rain" als ein Erdlied, welches durch seine melancholischen Melodien und auch durch den Text diese Eigenschaft erlangt.
Gleich in einer der ersten Textzeilen von "Salt & Rain" heißt es:
"Sleep! Oh Sleep! Sleep? 'til the harvest grain is grey?"
Dies verdeutlicht wie beide Veröffentlichungen ineinander greifen und parallel verlaufen. "The Waterhorse" ist dabei eher wie eine Episode oder Nebenhandlung zu verstehen, denn hier gibt es einen "Wanderer", aus dessen Sicht, oder aus dessen Gedanken, sich die Lieder bilden. Die Idee dazu entstand, als mir ein Buch in die Hände fiel, welches "Fabelwesen des Meeres" behandelte. Dort fand ich das Wasserpferd, eine Gestalt wie sie weitverbreitet in den Nordwesteuropäischen Raum unter verschiedensten Namen auftritt. Es handelt sich dabei um ein Wesen, welches man schlicht in der Rubrik "Watersprite" (sprich Wassergeist) einordnen könnte. Es trägt verschiedene Namen, in Großbritannien wird es Kelpie oder Ceffyl Dwr genannt, in Skandinavien dagegen als Noekk oder Bäckahäst (~Fluss/Bachpferd) [wer kennt nicht die Bilder von Theodor Kittelsen] oder eben zu Deutsch "Wazzerpfærd". Die Geschichte ist schnell umrissen: Ein Wanderer kommt auf seiner Reise an ein Gewässer und möchte dies überqueren; in diesem Moment erscheint das Pferd, als Wächter des Sees, und bietet dem Wanderer an, ihn über die Wasser zu bringen; der Wanderer willigt ein - sitzt auf und ehe er sich versieht, wird er vom dem Wasserpferd in die Tiefe gerissen und sein Leben ist erloschen.
Diese Mär hat mich fasziniert und ich begann daraufhin, nach Lyrik zu suchen, die eben diese Geschichte zum Thema hat. Dabei stieß ich auf eine recht lange Novelle von dem Kanadier William Bliss Carman, namens "The Kelpie Riders" auf dessen Grundlage die Texte für den Liedzyklus "The Waterhorse" entstanden.
"Harvest" ist dagegen ein universeller Blick auf den Spätsommer und Herbst und soll möglichst viele Eindrücke einfangen und wiederspiegeln. Wie bei "Waterhorse" ist auch hier ein aufglimmen weiterer Elemente zu verzeichnen. Die Ernte beginnt stets im Sommer, also tritt hier das Element Feuer immer wieder auf. Feuer bringt die Ernte, Feuer kann die Ernte vernichten, Feuer führt in den Herbst, Feuer öffnet das Geisterreich. Solche Metaphern existieren viel auch in dem großen Pult an deutschen Herbstgedichten. Wie auf der "Old Man's Wyntar" habe ich dabei den Fokus auf zwei meiner bevorzugten deutschen Lyriker gelegt, welche mit einander verglichen fast schon als entgegengesetzte Pole gewertet werden können. Zunächst wäre da die romantische Seite von Joseph von Eichendorff dagegen steht die morbid-melancholische Seite von Georg Trakl, teilweise umgeschrieben und neu komponiert und letztendlich angereichert mit eigenen Zeilen.'Harvest - Songs Of Autumnal Landscapes And Melancholy'

Feuerspuk & Tannenreben: Warme Klänge bereiten den herbstlichen Anfang vor. Es gibt denkbar wenig Aufregung, die Musik entwickelt sich aus sich selbst heraus und ist somit im weitesten Sinne als Ambient zu bezeichnen. Im Hintergrund ertönen immer wieder schwer identifizierbare Klänge, die die Aufmerksamkeit zwar auf sich ziehen, aber nicht vom Wesentlichen ablenken. Das Geschehen gipfelt in einem vorgetragenen Text. Die Stimme wirkt befremdlich, mal zerbrechlich, dann aber doch energetisch. Insgesamt wirkt das Stück in diesem Moment eher bedrückend und weltentfremdet. Ein sehr stimmiger Einstieg.

Damit hast du Recht, der Hörer soll erstmal aus dem Hier und Jetzt gezogen werden und dabei langsam in die "Hörlandschaft", Atmosphäre und Aura der EP eingeführt werden, damit man zu Beginn einen Ruhepol hat und unvoreingenommen an die Sache herantritt. Der Song besteht aus sehr stark verhallten Akustik-Gitarren und sonst nichts, außer dem Wind. Das vorgetragene Textfragment stammt von Georg Trakl und wird mit hoher Dramatik und Betonung vorgetragen. Das ist der Punkt an welchem der Hörer angekommen ist, auf einer mystischen Waldlichtung in den frühen Morgenstunden, die geistige Umnachtung noch omnipräsent, der Feuerreiter (die Sonne) erscheint, und zerschellt im Tann zu Flammen - der Beginn des Herbstes, der Beginn der Ernte.

Dunkler Herbst: Dieses Stück beginnt dort, wo Feuerspuk & Tannenreben aufhört, die Stimmung ist insgesamt aber noch beklemmender. Hintergründiges Rauschen, die Stimme steigert sich immer weiter in den Text hinein. "Nun lasst den Sommer gehen, lasst Sturm und Winde wehen" sind die letzten, ermunternden Worte, die auf das Folgende vorbereiten.

"Verklärter Herbst" von Georg Trakl in Kombination mit Josephs Eichendorffs Vierzeiler "Herbst" in leicht abgewandelter Form. Sehr bedrückend und beklemmend, die Geräuschkulisse stammt von einer Feldaufnahme eines Sturms aus diesem Jahr.

Schwarze Erde: Ein rhythmisches Stück, getragen von Akustikgitarren, Percussion und der nun melodischen Stimme. Das Stück geht gut ins Ohr und auch hier findet sich der Höhepunkt am Ende, wenn für einen kurzen Moment eine zweite Gesangsstimme mit einsetzt.

Ein Lied, welches den Blick auf ein Feld eröffnet, an einem lauwarmen Ernteabend, der Acker frisch gepflügt, die Schwarze Erde frisch aufgebrochen, "der Herbst des Einsamen" von Georg Trakl.

Haimat: Aus musikalischer Sicht mag dieses Lied an die ersten beiden Tracks erinnern, doch trägt es doch eine etwas andere Grundstimmung. Dem Text wird viel Raum zur Entfaltung bereitet, die Soundscapes sind zwar prägnant, aber weniger dominant, als ob der Text an dieser Stelle eine besondere Bedeutung hätte, worauf letztendlich auch der Titel hinweist. Haimat klingt persönlich, fast einladend und dezent enthusiastisch.

Eines der neuen "Lieder", hier liegt der Fokus wirklich auf dem Text, welchen ich selber verfasst und als eine Ode an meine Haimat zu verstehen ist. Er berichtet von verschiedenen Eindrücken und Landschaftszügen aus meiner Heimatstadt, die kleine Schieferbergstadt Lehesten im Südwesten Thüringens, wo ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe und ich mit meinen Eltern oft in den Wäldern, Feldern und Bergen war.

Golden Sunset: Schnell wird klar, dass Golden Sunset mein bisheriger Favorit ist. Zwei Akustikgitarren tragen ihre elegischen Melodien vor, das hintergründige Windrauschen bleibt als Verknüpfungspunkt bestehen. Ein wunderschönes, wenn auch kurzes Stück rustikaler Tonkunst.

Dieses Stück ist stark inspiriert von den frühen Les Discrets Demo-Aufnahmen und ich finde das hört man auch gut heraus. Interessant zu diesem Song ist, dass aus ihm "Snowscape" von der "Old Man's Wyntar" EP entstanden ist. Er bedient sich der gleichen Harmonie in der Rhytmuslinie und wirkt aber durch die Andersartigkeit im Anschlag und Dynamik doch gänzlich anders.

Autumn Winds: Ruhig, besonnen und mit interessanten Melodien ausgestattet kommt Autumn Winds daher. Das Lied fällt vor allem daher auf, weil es das erste Mal ist, dass sich die akustischen Melodien über einen längeren Zeitraum entfalten können. Auch hier verbleibt das Hintergrundrauschen als Untermalung und verbindendes Glied.

Das Lied stammt aus dem Jahr 2010 und habe ich für meine Mutter damals geschrieben. Es trägt einen sehr romantisch-melancholischen Charakter in sich und fügt sich perfekt in das Herbstkonzept ein.

Inkantation: O Sun King!: Und schon wieder ein Stück, welches aus diversen Gründen heraussticht. Eine energetische Stimme, die man von "Mosaic" eher bei den Metal-lastigeren Stücken erwarten würde, steigert sich in eine Art spirituelle, ritueller Ekstase. Hier erscheint es mir fast notwendig, die textliche Grundlage vorliegen zu haben. So oder so erweckt es ein Interesse beim Hörer, das über das Musikalische herausgeht.

Der Text basiert auf zwei Samhain-Ritualen, die im ursprünglichen Zustand noch Handlungsanweisungen enthalten. Die Texte wurden zusammengefasst und auf die Anrufung reduziert:
On This Night Of Samhain I Mark Your Passing.
O Sun King!
Through The Sunset Into The Land Of The Young.
I Mark Also The Passing Of All Who Have Gone Before,
And All Who Will Go After.
O Gracious Goddess,
Eternal Mother,
You Who Gives Birth To The Fallen,
Teach Me To Know That In The Time Of The Greatest Darkness
There Is Also The Greatest Light.
O Wise One Of The Waning Moon,
Goddess Of The Starry Night,
I Create This Fire Within Your Cauldron To Transform
That Which Is Plaguing Me.
May The Energies Be Reversed:
From The Darkness, Light!
From The Bane, Good!
From The Death, Birth!

Samhain: An dieser Stelle verschmelzen das herbstliche Konzept und die mythische Grundausrichtung auf eine äußerst prägnante Weise. Erneut ertönen die Akustikgitarren, im Hintergrund ertönen das Prasseln eines Feuers und langgezogene, dezente Gesänge. Aufgrund des entschleunigten Charakters und des eher zurückhaltenden Songwritings entfaltet sich Samhain auf eine angenehm unaufdringliche Art und Wiese.

Geschrieben und aufgenommen zu Samhain MMXI. Dieser Song ist entstanden, nachdem ich eine Gitarre eines Bekannten aufbereitet habe, es war eine sehr alte Gitarre und sie hatte einen sehr eigenen Charme im Klang. Der Song hat sich selbst geschrieben und besteht aus zehn improvisierten Gitarren-Spuren. Er hat eine ungemeine Mystik inne und versinnbildlicht die Öffnung des Geisterreiches sowie das letzte Erntefest wirklich sehr treffend. Hypnotisch, rituell, mystisch, den Göttern und Geistern für die Ernte dankend.

Der letzte Atem: Mit knapp sieben Minuten ist Der letzte Atem das längste Stück dieser Tape-Seite und dabei auch das abwechslungsreichste. Die Instrumente werden hier spielerisch, ja wirklich verspielt eingesetzt. Klassisches Drumming und dröhnende E-Gitarren teilen sich die Spielzeit mit Tremolo-Effekten und jenen Elementen, die man von den bisherigen Stücken kennt, daher fast wie alte Begleiter wirken. Aufgrund dieser Vielschichtigkeit erinnert mich das Geschehen fast an Stellar Landscape, dem Beitrag zu der 2013 veröffentlichten Split mit "Anti". Auch wenn betont werden muss, dass "Harvest - Songs Of Autumnal Landscapes And Melancholy" sich nur als einheitliches Werk entfaltet, ist dies doch dasjenige Stück, das man am ehesten auch als Einzelstück funktionieren könnte.

Das ist das "grande finale" der "Harvest"-EP und zeitgleich der neuste "Mosaic"-Song. Der Haupttext ist ein Gedicht von Max Dauthendey, welches mit Zeilen von Christian Morgenstern und Georg Trakl am Ende ergänzt wird. Vom ersten Herbstblatt bis zum letzten Herbstblatt wird hier alles noch einmal reflektiert, von ruhiger Mystik geprägt, vom Wind der an die Bäume klopft, bis er zum "Massenmörder" wird und die Welt in ein Meer aus unzähligen blutroten Blättern taucht, episch und tragisch zugleich.
Auch meiner Meinung nach ist es das Stück von "Harvest", welches durch seine hohe Dynamik und auch durch die Länge am besten als Einzelstück funktionieren würde.

Geleit zum Wyntar: Hier wird angedeutet, in welcher Verbindung diese Veröffentlichung zur EP "Old Man's Wyntar" steht. Ein kalter wie beschwerlicher Aufbruch zur nächsten Jahreszeit, das Gefühl von Einsamkeit verbreitet sich. So endet "Harvest", ein kleines, aber unfassbar intensives Werk, welches verschiedenste Schaffensperioden völlig selbstverständlich verbindet und schlüssig mit der bisherigen Diskografie verknüpft.

Das ist mit Abstand der älteste Song auf "Harvest", er entstand noch vor der Geburt von "Mosaic" im Jahre MMV und eigentlich dachte ich, er sei gar nicht mehr existent. Doch beim Zusammentragen der einzelnen Songs ist er mir dann unverhoffter Weise doch noch in die Hände gefallen. Es liegt mir sehr viel an diesem Song, von den unzähligen stümperhaften Gehversuchen vor "Mosaic" ist dies der einzige Song, den man vorzeigen kann und welcher mir durch seinen Minimalismus auch heute noch sehr gut gefällt.
Dies ist der Herbst, dies ist die Ernte, eine Art Hörbuch aus Ambientscapes, Atmotracks und Neofolk-Elementen, bis hin zu einem stürmischen Ende.'The Waterhorse'

The Emerald Sea: Dieses Stück ist der Einstieg in die Thematik, welche von maritimen Themen und dem Element Wasser getragen wird. Die ruhige, treibende Melodie geht relativ schnell ins Ohr, wobei es eine gute Entscheidung war, die Spielzeit auf 1:40 Minuten zu beschränken. Ein gutes Intro ist nicht einfach zu erschaffen, doch durch zu langes Wiederholen leicht zu zerstören. In Hinblick auf die musikalische Ausrichtung von "The Waterhorse" ist The Emerald Sea somit perfekt geglückt.

Der Beginn der Geschichte, ein ruhiger Weiher, smaragdgrün, mit Nebel über dem Wasser, verzaubernd und mystisch. Sehr puristisch gehalten im Vergleich zur kommenden Albumversion, welche eine volle Perkussion hat, eine Länge von knapp 6min und noch entscheidend weitergeschrieben wurde. Da kannst du dann entscheiden, wenn es eines Tages erscheinen sollte, ob die es auch über eine längere Spielzeit funktioniert, ich finde schon.

Salt & Rain: Eine dichte Klangwand wird hier durch Gitarren, klassisches Drumming und mehrstimmigen Gesang erzeugt, wobei die recht puristische, aber ausgewogene Produktion die einzelnen Elemente zusammenhält. Die Ausbrüche in schnellere Gefilde sind stürmisch und präzise, wodurch das Stück sehr dynamisch ausfällt, die wesentlichen Melodien ertönen aber immer wieder und runden das Bild ab.

Der Wanderer betritt das geschehen, eine Figur wie ich mir Goethes Werther vorstelle und so beginnt auch der Song mit den Worten zur Weltflucht:
"Soon I leave the noise, and the streets, ride the wind and ride the sea!"

Red Winter Dawn: Dass der klassische Black Metal ein wichtiger Einfluss für "Mosaic" ist, war bereits vorher evident, aber hier wird vieles verbunden, was ich an Bands wie "Lunar Aurora" oder an den entsprechenden Veröffentlichungen von "Paysage d'Hiver" schätze. Klare Strukturen, Melodien, die sich ins Gehör sägen, und das eindringliche Gekeife machen aus dem Song ein ungestümes Feuer, das sich zwischenzeitlich wieder in ruhigere, aber bekannte Passagen verliert. Die letzten Spielminuten fallen hingegen fast experimentell aus. Die Melodien klingen hier wie der wehleidige Gesang von Sirenen. Dadurch, dass man relativ lange bei dieser Stilistik verharrt, entwickelt sich ein repetitives, dichtes, fast schon forderndes Ende, was einen interessanten Kontrast zum bisherigen Verlauf bietet.

Es wird kalt und ein rotes Licht erfüllt die Dämmerung, die Impressionen verdichten und verdunkeln sich, der Wanderer selbstreflektierend. Im zweiten Teil des Liedes tritt das Wasserpferd auf und reist den Wanderer umgehend in die Tiefe, es folgt die finale Reflektion des Wanderers, welcher seine Weltflucht nun hinterfragt - in einer Umgebung welche ihn nie wieder preisgeben wird.

Daz Wazzerpfærd: Dumpfe Akustikgitarren, seltsame Soundscapes und fast orientalisch anmutende Melodien, die dem unbekümmerten Hörer fast dissonant vorkommen können, machen diesen abschließenden Track nicht zum einfachsten, wohl aber zu einem äußerst stimmigen Abschluss. Auch an dieser Stelle wäre es interessant, mehr zu der mythologischen Grundlage zu erfahren.

Wiederum ein improvisiertes Stück, welches seinem Knackpunkt in dem wirren Takt der Rhytmuslinie hat. Es steht symbolisch dafür, wie sich das Wasserpfærd nach seiner List wieder in den Tiefen des Wassers tummelt. Dies ist bewusst sehr andersartig in Szene gesetzt ist, ist es doch ein sehr geheimnisvolles Wesen, das in seiner eigenen Welt lebt.
Das ist der Wasserpferd-Liedzyklus in seiner ursprünglich geplanten Gestalt, in einer Rehearsal und Demo-Aufnahme von MMXIII, welche noch vor den "Old Man's Wyntar"-Sessions eingespielt wurde. Doch schon als es fertig war, wurde das Konzept weiter gesponnen und wird in dem Album "Illuminations Of Haunted Seas And Mysticism" enden, auf welchem auch, bis auf "Daz Wazzerpfærd", alle Lieder in Neuaufnahmen vorhanden sein werden.