Ich grüße dich, Nattulv! Vor acht Jahren wurde das Debütalbum deines Soloprojektes Festung Nebelburg veröffentlicht und sechs Jahre sind seit unserem letzten Gespräch vergangen. Und auch wenn sich das nach einer sehr langen Zeit anhört, konnte ich mich doch sehr gut an meine erste Begegnung mit deiner Musik erinnern, als ich gelesen habe, dass du mit Zwischen den Jahren endlich dein zweites Album vorlegst. Geht es dir nun nach der Veröffentlichung ähnlich? Wie präsent sind für dich der Anfang von Festung Nebelburg, dein erstes Album Gabreta Hyle, die ersten Schritte, die du unter diesem Namen gegangen bist?

Hallo! Jetzt, nach der Veröffentlichung des neuen Albums, geht es mir sehr gut. Im Dezember war es allerdings nochmal einiges an Arbeit und Stress neben dem normalen Beruf, um die neue Scheibe noch 2015 veröffentlichen zu können. Ich muss sagen, die Anfänge von Festung Nebelburg vor etwas mehr als 10 Jahren sind nicht mehr wirklich präsent in meinem Kopf. Es gab auch nicht direkt einen "Anfangspunkt". Der Übergang zu Festung Nebelburg war fließend und hat in anderen Projekten begonnen. Was allerdings ähnlich war, waren die Gefühle bei den Aufnahmen. Gerade zum Ende hin fühlte es sich bei Zwischen den Jahren so an wie damals bei Gabreta Hyle. Man merkt bei der Aufnahme des vorletzten und gerade des letzten Songs, dass man es nun geschafft hat und das macht mich glücklich. Gleichzeitig schwingt auch irgendwo ein bisschen Schwermut mit, weil man weiß, dass es das jetzt erst Mal wieder für eine Zeit lang war. Eine Band, die ihr ganzes Album auf eine oder zwei Wochen einspielt empfindet das sicherlich anders als ich, bei dem fast fünf Jahre zwischen der Aufnahme des ersten Liedes und der Veröffentlichung des Albums liegen. Als die Zwischen den Jahren-CDs geliefert wurden, überkam mich wieder die gleiche Vorfreude wie auch damals bei Gabreta Hyle. Man will ja sein Werk endlich unter die Lupe nehmen.

Um die naheliegendste Frage kommen wir in einem Interview leider nicht rum, auch wenn du sicherlich schon oft danach gefragt worden bist. Acht Jahre sind auch dann ein langer Zeitraum, wenn man explizit formuliert, dass man sich mit der Fertigstellung eines Albums Zeit lassen möchte. Was hat Festung Nebelburg während der Zeit (oder besser: Zwischen den Jahren) getrieben? War Festung Nebelburg zwischenzeitig überhaupt noch in deinem Alltag präsent?

Ich war noch Schüler, als ich Gabreta Hyle aufgenommen habe. Ich hatte damals also genug Zeit. Die Aufnahmen für dieses Album habe ich etwa zwei Monate nach dem Abi fertiggestellt. Das war 2007. Von 2007 bis Ende 2010 habe ich spekuliert, in welche Richtung das Projekt gehen sollte. Ich habe in dieser Zeit auch Lieder und Texte geschrieben, war damit aber nicht zufrieden. Zum Jahreswechsel 2010/2011 habe ich mich dann endgültig entschieden, wohin die Reise mit Festung Nebelburg künftig gehen soll. Ab dann begann ein langsamer, aber kontinuierlicher Prozess, der letztendlich am 28. Dezember 2015 mit der Veröffentlichung von Zwischen den Jahren endete. Weitere Faktoren, warum das Album so lange gedauert hat, waren lange Auslandsaufenthalte (wo man natürlich schlecht Songs aufnehmen kann) und eine berufliche Neuorientierung. Festung Nebelburg war da lediglich als Gedanke präsent.

Magst du vielleicht ungefähr umreißen, in welchen Perioden du an dem Album gearbeitet hast? Gab es zwischendurch persönliche Meilensteine im Vorankommen? Ich bin beispielsweise darauf gestoßen, dass du im Zeitraum unseres letzten Gesprächs, also ungefähr 2009, auf MySpace einen Ausschnitt aus dem damals betitelten Stück "Welke" hochgeladen hattest. Braucht es nicht viel mehr von solchen kleinen Momente, um ein Gefühl der Produktivität zu erhalten, um nicht die Bindung zum Material zu verlieren?

Ob man es glaubt oder nicht - die Meilensteine des neuen Albums liegen fast alle in den Rauhnächten der vergangenen Jahre. Wie angesprochen: Der Jahreswechsel 2010 auf 2011 war der Meilenstein Nummer 1. Dort entstanden die ersten Ideen, woraus z.B. das Lied "Prolog" resultierte. In den darauffolgenden Jahreswechseln 2011/2012 , 2012/2013, 2013/2014 und 2014/2015 schrieb ich jeweils neue Lieder. Damit meine ich natürlich nicht, dass das direkt an Silvester passiert ist – da hatte ich dann doch anderes zu tun. Aber diese Zeit zwischen den Jahren war von der Atmosphäre für die Aufnahmen einfach ideal. Zudem waren es in diesen Jahren auch die einzige Phasen, in denen ich mal wirklich Zeit hatte, Musik zu machen. Die restlichen Songs schrieb ich dann im Laufe des Jahres 2015, weil ich wieder etwas gefestigter worden bin und beruflich nicht mehr so viel auf Achse sein muss. Der vorletzte Meilenstein lag dann im September, als die Musik dann zum Mastering gehen konnte. Und der letzte Meilenstein dann wieder ganz am Ende des Jahres 2015, kurz vor dem neuen Jahr: Das Release des Albums. Ich stimme dir zu, dass man deutlich öfter Lebenszeichen von sich geben sollte, als ich es zumindest bis vor einigen Jahren getan habe. Nur kann ich natürlich nichts von mir geben, wenn es schlichtweg nichts zu hören gibt. Ich selbst habe aber nie die Bindung verloren, weil mir der Weg des Projekts schon länger klar war. Ich habe anfangs den Social Media-Trend etwas verschlafen, weswegen es dort keine Festung Nebelburg-Präsenz gab. Ein Fan meines Projekts aus der Schweiz hat aber eigenständig in der Zwischenzeit eine Festung Nebelburg-Facebookseite erstellt, auf die mich irgendwann ein Freund hingewiesen hat. Diese konnte ich dann später offiziell übernehmen. Im Prinzip habe ich wohl schon im Jahr 2012 damit angefangen, wieder öfter Lebenszeichen von Festung Nebelburg auszustrahlen. Dazu zählen normale Infotexte auf der FB-Seite als auch komplette Lieder zum Anhören auf Youtube. Ein Problem zu dieser Zeit war aber bestimmt die noch kleine Reichweite und dass viele nicht mehr an das Fortbestehen von Festung Nebelburg geglaubt haben.

Umso überraschender war es für mich, dass Zwischen den Jahren recht nahtlos an Gabreta Hyle anknüpft. Die diversen musikalischen Charakteristika, mit denen du bereits vor vielen Jahren einen eigenständigen Stil erschaffen hast, sind immer noch vorhanden. War das Projekt für dich bereits soweit gereift, dass du nicht das Gefühl hattest, grundlegende Aspekte zu ändern? Oder ist Festung Nebelburg einfach untrennbar mit den konstituierten Eigenheiten verbunden?

Dazu gibt es in der Form gar keine Überlegungen und keine präzisen Antworten. Ich mache Musik einfach so, wie ich Bock darauf habe. Auf seltsames Rumexperimentieren habe ich keine Lust, das sollen andere Musiker machen. Ich selbst höre auch keine Musik, die "experimentell" ist. Das ist einfach nicht mein Ding, glaube ich. Mein Vorteil ist bestimmt auch, dass mir kein Label im Nacken sitzt, das mir irgendwas diktiert. Somit kann ich meinem eigenen Musikempfinden und meinem Stil zu 100% treu bleiben. Und dies ist wohl auch ein wichtiger Teil des Wiedererkennungswerts von Festung Nebelburg. Bestimmt klingt das neue Album etwas anders, aber ich bekomme die Rückmeldung, dass es nach wie vor erkennbar ist, worum es sich hierbei handelt.

Die Änderungen höre ich entsprechend vor allem zwischen den Noten. Zwischen den Jahren klingt natürlicher, einheitlicher und strukturierter als der Vorgänger, was sich wenig intersubjektiv anhören mag, für mich das Album aber von Gabreta Hyle abhebt. Die härteren Momente scheinen kontrollierter und die ruhigeren Passagen wurden mit augenscheinlich mit großer Sorgfalt platziert und arrangiert, weswegen sie weniger Raum beanspruchen, dafür aber auch hervorstechender und wirksamer sind. Ist Festung Nebelburg zusammen mit dir als Privatperson gereift?

Es hört sich vielleicht schon allein deswegen ausgereifter an, weil das neue Album über mehrere Jahre aufgenommen wurde und somit immer mal wieder Teile angepasst und verbessert wurden. Ich hoffe zumindest, dass ich als Person gereift bin und das Projekt parallel mit mir. Ich persönlich habe auch einfach mehr Wert auf die Details gelegt, wie zum Beispiel einzelne Passagen vielleicht noch stimmungsvoller zu machen oder einzelne Wörter im Text nochmal abzuändern, um eine andere Wirkung zu erzielen. Dies heißt aber nicht, dass Festung Nebelburg dann glatt und perfektionistisch klingen sollte. Die Songs haben immer noch eine (in meinen Augen) charmante "Urigkeit" und "Wildheit" in sich, wodurch sich mein Projekt von Hochglanzbands unterscheidet. Vielleicht ist das auch der Folk-Charakter der Musik. Ich finde nicht, dass nur traditionelle Instrumente Folk ausmachen können, sondern eben eine gewisse erdige, kernige Bodenständigkeit. Vielleicht sind mir solche Attribute einfach als Mensch nochmals wichtiger geworden. Damit schlägt sich das wohl zwangsläufig auch auf die Musik nieder.

Wo ich nun des Öfteren vom typischen Klang deines Projektes gesprochen habe, möchte ich dich bitten, diesen einmal selbst zu umreißen. Welche stilistischen Merkmale, völlig unabhängig von Genres und Einflüssen, prägen für dich das eigene Schaffen?

Die schwierigste Frage! Ich behaupte immer, Festung Nebelburg sei ein Hybrid aus Pagan Metal, Black Metal und Punkrock. Mich persönlich beeinflussen diese drei Musikrichtungen sicherlich. Nur in welchem Ausmaß diese Genres im Projekt Eingang finden, kann ich nicht beurteilen. Ich höre ja auch sehr viele unterschiedliche Musikstile. Im Moment ist es übrigens Kofelgschroa aus Oberammergau. Da sind auch Tubas mit dabei. Ich denke trotzdem nicht, dass es jemals eine Tuba in einem meiner Lieder geben wird. Ein "Merkmal", das mich aber immer packt und das ich wohl auch mit Festung Nebelburg umzusetzen versuche, ist die Schaffung von Atmosphäre. Aber das kann man natürlich schwer mit dem Wort Stil beschreiben, denke ich.

Gibt es deiner Meinung nach eine wesentliche Idee oder einen Grundgedanken, der dem Album zugrundeliegt und das Wesen der Musik bestimmt? Oder anders formuliert: Auf welchem Weg begegnet der Hörer einem Album wie Zwischen den Jahren am besten?

Es ist die Beschäftigung mit sich selbst und dem Leben. Die Zeit der Rauhnächte ist seit jeher auch dazu gedacht, sich selbst zu reflektieren und herauszufinden, was man als Mensch will, welche Ziele man sich setzen will, von welchen Dingen im Leben man sich besser entfernt und was im Leben wichtig ist. Das Album ist ja ein Konzeptalbum und widmet sich ausschließlich dieser Zeit. Ich persönlich sehe auch viele der Vorkommnisse, über die man aus der Zwölfenzeit berichtet, als metaphorisch. Wenn vieles noch im Nebel liegt, ist man selbst vielleicht noch nicht zu einer Entscheidung gekommen, die aber wichtig ist für das eigene Selbst. Diese Gestalten, die den Leuten Schreck einflößen, sind vielleicht auch Auswüchse der dunkleren Seite der eigenen Persönlichkeit. Das ist womöglich ein eher ungewöhnlicher Ansatz, diesem Brauchtum zu begegnen. Ich finde, es ist wichtig, sich mit sich selbst zu beschäftigen in dieser Zeit, um daraus zu lernen. Die Musik ist dabei wohl ein Ausdruck, was man bei der Beschäftigung mit dem Thema Rauhnächte empfindet.

Eine inhaltliche oder konzeptionelle Annäherung an Zwischen den Jahren beinhaltet abgesehen von den Rauhnächten inhärent eine Auseinandersetzung mit der Sagenwelt deiner Heimat, Mythen und altertümlichen Lebensweisen, was alles, zumindest so wie sie in den Texten beschrieben werden, Domänen sind, die sich nur sehr schwer mit dem gegenwärtigen Rationalismus vereinbaren lassen. Ich kann mir vorstellen, dass Festung Nebelburg diesbezüglich einen besonderen persönlichen Stellenwert für dich hat, schließlich ist hier ein Mikrokosmos von dir errichtet worden, in dem derartige Konzepte einheitlich und individuell errichtet und gelebt werden können. Inwieweit beeinflussen diese Aspekte darüber hinaus deinen Alltag oder ist die Nebelburg ein letzter Rückzugsort? So oder so tragen Texte wie die zu "Irrlicht" oder "Die Thomasnacht" für mich dazu bei, dass Zwischen den Jahren funktioniert und fasziniert.

Ich sehe eine gewisse Spiritualität als wichtig an, welche aber in der heutigen Zeit oft in der Versenkung verschwindet. Umso erfreulicher ist es, dass sich (auch junge) Menschen wieder mehr mit solcher Thematik beschäftigen und sich für Bräuche interessieren. Ich bin an wissenschaftlichen Erkenntnissen stark interessiert, muss aber auch eingestehen, dass sie für mich nicht die einzige Erklärung darstellen müssen. Ich denke durchaus, dass in diesen alten Sagen und Bräuchen ein Stück Wahrheit, zumindest aber eine Art Leitfaden für das Leben verborgen liegt. Und diese Haltung beeinflusst natürlich auch meinen Alltag. Vielleicht mache ich mir im Zuge dessen einfach mehr Gedanken um Dinge als es andere Leute tun. Die Philosophie hinter Festung Nebelburg ist daher eigentlich kein Rückzugsort, sondern eher eine Ausdrucksform meiner Haltung. Zudem ist Festung Nebelburg für mich ein Mittel, Teile meiner Heimatkultur bewahren zu können.

An dieser Stelle würde ich gerne spezifisch auf den Text von "Altes Wissen" eingehen, in dem es heist:
Wer bist du, dass du richtest über das,
was man hat einst erlebt?
Vor vielen Jahren, in alten Tagen,
wonach die Menschen waren einst bestrebt?
Hat der Text einen konkreten Adressaten? Die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die hier vermutlich die Zeit noch vor dem Frühmittelalter meint, scheint mir kein sehr gegenwärtiges Thema im gesellschaftlichen Diskurs zu sein.

Dieses Lied ist sozialkritisch zu verstehen. Ich kann es nicht ausstehen, wenn man grundsätzlich alles Damalige der Moderne opfert. Damit meine ich, dass man heutzutage in einer selbstgefälligen Arroganz glaubt, darüber urteilen zu können, ob Menschen in früheren Jahren richtig oder falsch gelebt oder geglaubt haben. In der Informationsgesellschaft fließen derart viele Einflüsse auf das Individuum zu, dass es vergisst, in sich selbst hineinzuhorchen. Wenn man dann von alten Leuten, die meist etwas abseits der Informationsgesellschaft stehen, Ratschläge erhält, werden sie als altmodisch oder gar dumm abgewürgt. Dies ist aber nur ein ganz simples Beispiel. Es geht einfach darum, unsere jetzige Lebensweise nicht immer als Nonplusultra zu verstehen. Ja, Menschen vor 50, 100, 200 oder 1000 Jahren waren nicht so informiert und aufgeklärt wie heute, aber hatten, wie ich glaube, die Möglichkeit, sich intensiver mit sich, ihrem Umfeld und dem Leben zu beschäftigen – was sich ja wiederum auch in Inhalten von Sagen wiederspiegeln kann. Wer nun aber heute ankommt und sagt, dass es sich dabei ja ohnehin nur um dummen Aberglaube und Hinterwäldlerängste gehandelt habe, der macht einen Fehler, finde ich. Es gilt also, eine gesunde Mitte zu finden. Die Vorzüge des Jetzt zu nutzen, aber auch das Wissen von damals miteinzubinden.

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes des Albums bezieht sich auf die Rauhnächte, welche vor allem unseren Lesern südlicher deutschsprachiger Räume bekannt sein dürfte. Umfasse doch bitte, was du mit der Zeit verbindest und welche Bedeutung sie für dich und dein musikalisches Schaffen hat.

Wie ich vorher ja schon erklärt habe, sehe ich die Rauhnächte als Möglichkeit zur Selbstreflexion. Es ist aber auch eine Zeit, in der das Bisherige und das Neue miteinander verschwimmen – genauso wie positive als auch negative Ereignisse in den Rauhnächten auftreten können. Für mich war die Zeit zwischen Wintersonnwende, Weihnachten, Silvester und Neujahr immer schon etwas Besonderes, auch als ich mich noch nicht mit den Rauhnächten beschäftigt habe. Ich hatte immer das Gefühl, es ist eine Phase, in der sich grundlegend etwas verändern kann. Dies haben die Leute wohl immer schon ähnlich gesehen und haben dabei allerhand Figuren und Gestalten im Sagenschatz entwickelt, die diesen Empfindungen und Vorstellungen Ausdruck verleihen. Dazu kommen allerhand Erzählungen, was Menschen in diesen zwölf, meist kalten und nebligen Nächten an seltsamen Dingen widerfahren ist. Insgesamt also eine sehr mystische Zeit, die sowohl gute als auch schlechte Emotionen hervorrufen kann und in der man mehr über sich selbst erfahren kann.

Im Gegensatz zu Gabreta Hyle hast du Zwischen den Jahren ohne ein Label veröffentlicht. Schätzt du die Freiheiten, die einem dadurch ermöglicht werden? Und wo siehst du die Nachteile, die sich vielleicht gerade jetzt in der Promotions-Phase aufzeigen?

Meine ursprüngliche Absicht war nicht, das Album alleine hochzuziehen. Allerdings war kein Label wirklich interessiert an meiner Musik und so sah ich mich gezwungen, es eben allein zu versuchen. Dies hat zwar den Nachteil, dass man sich selbst um alles kümmern muss, erlaubt mir aber auch, genau das zu machen, was ich möchte. Niemand schreibt mir vor, wie das Album auszusehen hat, ich muss keine Termine einhalten, ich spiele die Musik weiterhin nach meinem Geschmack und mein Projekt läuft nicht Gefahr, auf einem Label zu sein, das auch irgendwelche dubiosen Bands veröffentlicht, nur weil sie sich gut verkaufen. Ein Punkt, den ich beim Thema Eigenvertrieb zuvor gar nicht bedacht hatte: Der Kontakt zu den Fans von Festung Nebelburg. Es ist wirklich ziemlich cool, mit den Leuten direkt in Verbindung zu treten und mit ihnen reden zu können, was sie sich erwartet haben und wie ihnen z.B. das Album so gefällt. Ein sehr sehr positiver Faktor! Es sind aber erst zwei Wochen seit dem Releasetermin vergangen und bis jetzt ist das Interesse am Album erfreulicherweise echt hoch. Daher kann ich noch nicht beurteilen, welche anderen Nachteile mir daraus entstehen können.

Magst du ein paar Worte über das Artwork verlieren, welches äußerst liebevoll und detailreich ausfällt? Gab es bestimmte Motive, die dir wichtig waren, oder hast du dem Künstler (Samos von Folkingrimm Art) freie Hand gelassen?

Gleich vorneweg: Würde es dieses Artwork nicht geben, würde das Album nicht diese Atmosphäre und Botschaft vermitteln können, wie es das jetzt tut. Samos gefiel damals Gabreta Hyle gut und so schrieb er mich an, ob ich Interesse hätte, dass er für eine mögliche zweite Veröffentlichung das Artwork erstellt. Ein absoluter Glücksfall, denn in der Regel läuft dieser Prozess ja umgekehrt. Ich willigte natürlich sofort ein! Im Prinzip lief die Arbeit an den Grafiken so ab, dass ich ihm meine Ideen und Vorstellungen erklärt habe und er sie dann umgesetzt hat. Daraufhin gab es Skizzen, die dann bei Bedarf verändert wurden, wenn ich mir Dinge noch anders vorgestellt habe. Am Ende haben wir alles besprochen und er konnte das Artwork fertigstellen. Es war und ist eine verdammt gute Zusammenarbeit mit Samos, denn er ist ein echter Profi und Idealist bei dem, was er tut und hat Festung Nebelburg damit sehr stark unterstützt. Ich weiß nicht, ob er in Zukunft noch viele andere Artworks machen oder sich auf andere Dinge konzentrieren will. Aber ich kann seine Arbeit nur empfehlen!

Bevor wir zu allgemeineren Themen kommen, würde es mich abschließend interessieren, wie groß das Interesse an deinem neuen Album ist. Auch wenn es vermutlich keine riesige Auflage ist, die du hast pressen lassen, scheint es mir doch so, als hätten viele Leute immer noch großes Interesse an deiner Musik, auch wenn es nach einer so langen Zeit sicherlich nicht einfach ist, diese auch zu erreichen.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass das Interesse an Festung Nebelburg und Zwischen den Jahren so hoch ist. Es gab zwar viele Vorbesteller, aber ich habe vermutet, dass das Interesse danach sofort drastisch abflacht. Dem ist aber bis jetzt nicht so. Im Vorfeld habe ich mich mit anderen Musikern unterhalten, die eigentlich alle der Meinung waren, dass eine CD-Produktion heutzutage unvernünftig wäre. Vielleicht sind aber hier das Digipak mit dem tollen Artwork die Vorteile. Bei einem Download kann ich das Ganze eben nie in den Händen halten, was wohl auch ein nicht unwichtiger Teil des Erlebens von Musik ist. Nun gut, es war ein Spiel auf Risiko, aber bisher ist es echt gut gelaufen und ich war sehr positiv überrascht, dass es doch so viele Leute gibt, die sich für Festung Nebelburg interessieren. Mal sehen, wie es sich in den kommenden Monaten entwickelt.

Auf welche Weise setzt du dich in der heutigen Zeit mit Musik auseinander? Die zahlreichen Veröffentlichungen haben zwar den Vorteil, dass viele Geschmäcker getroffen werden, allerdings ist es kaum möglich, einen Überblick zu behalten.

Ehrlich gesagt verfolge ich die Musikszene allgemein nur sehr sporadisch. Wenn ich auf neue interessante Bands stoße, dann meist deswegen, weil ich einen Tipp von einem Bekannten bekomme. Selber auf die Suche gehe ich so gut wie nicht. Aus dem Black Metal- und Pagansektor höre ich übrigens größtenteils die Veröffentlichungen, die im letzten Jahrzehnt so bis 2008 oder 2009 raus kamen.

Meine letzte Frage ist fast so naheliegend wie die erste: Wird es weitere acht Jahre brauchen, bis es ein drittes Festung Nebelburg-Album geben wird?

Nach Gabreta Hyle habe ich den Fehler gemacht, mich zu diesem Thema zu äußern. Sämtliche Releasetermine (bis auf den 28. 12.2015) konnte ich nicht halten. Vielleicht war der eine oder andere deswegen enttäuscht. Daher werde ich mich hierbei so lange bedeckt halten, bis es etwas Konkretes gibt. Es gibt zwar bereits einige Ideen, worum sich künftige Veröffentlichungen von Festung Nebelburg drehen könnten, aber das sind bisher reine Gedankenspiele. Ich selbst habe nicht vor, wieder so viele Jahre ins Land ziehen zu lassen, bis etwas Neues kommt. Doch die Zukunft wird zeigen, was es am Ende wird und wie lange es dauern wird. Jetzt ist ja Zwischen den Jahren gerade mal zwei Wochen alt, das sollte vorerst die Bedürfnisse befriedigen, hehe.

Nattulv, damit möchte ich mich vorerst verabschieden. Ich hoffe, dass dir die Fragen gefallen haben und wünsche dir alles Gute und einen warmen Ofen für die kommende Zeit. Die letzten Worte gehören dir.

Ich bedanke mich sehr herzlich für die Gelegenheit, mal wieder ein paar Worte zu Festung Nebelburg loswerden zu dürfen. Ich wünsche dir und den Lesern ein erfolgreiches Jahr 2016. Es freut mich sehr, dass so viele meinem Soloprojekt die Treue gehalten haben und es weiterhin unterstützt wird. Danke! …und lasst euch nicht von der Drud drücken!