Ich grüße euch, J. und C.! Schön, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt. Eure Band "Endlos" ist wohl als vergleichsweise jung zu erachten, weswegen ich euch bitten möchte, die Philosophie, die hinter eurer Musik steht, zu erläutern, um jenen, die eure Musik noch nicht kennen, einen Einblick in euer Schaffen zu geben.

J.: "Endlos" gründete sich im August letzten Jahres. Davor war es so eine Art Hirngespinst, soll heißen, ich hab mir eine oder zwei Wochen bevor ich C. das erste Mal besuchte, gedacht, dass ich meine Gedanken mal in einem eigenem Projekt vertone. Vorher hatte ich in dem Projekt "Traumtod" gesungen, das nun leider vorerst auf Eis liegt. Dann kam eines zum anderen. Ich fragte C., ob er mir bei der Aufnahme einer Demo behilflich sein könnte. Nach den Aufnahmen entschied er sich dazu, als festes Mitglied einzusteigen.
C.: Es stand schnell fest, dass ich mit einsteigen würde. Ursprünglich erklärte ich mich erstmal nur als Session-Musiker bereit, dann jedoch merkte ich bei J.: "Der Junge meint es ernst". Auch was bei weiteren Proben innerhalb der Gründungstage rumkam, entwickelte sich zu Stücken, aus denen sich meiner Meinung nach viel Emotion und Potential für vielfältigere Werke schaffen ließ. Daher mein Entschluss, bei "Endlos" zu bleiben und es nach und nach immer weiter zusammen auszubauen.

Aus musikalischer Sicht ist wohl der enorme Einfluss des Doom Metals ein prägnanter Bestandteil von "Endlos". War es von Anfang an geplant, diesen Weg mit der Band zu beschreiten oder war das eine spontane Eingebung? Und wo seht ihr die Überschneidungen des Doom und Black Metals, die ein homogenes Klangbild erlauben?


J.: Eigentlich war es von Anfang an geplant, ja. Jedoch kam das auf der ersten Demo noch nicht sonderlich zur Geltung. Auf "Von Sommernacht und Winterfall" war alles, vor allem die Drums, noch extrem minimalistisch gehalten, minimalistischer als jetzt! Der Doom Metal-Einfluss kam bei dem erstem Lied von der EP "Oktober" erst richtig zur Geltung, meiner Meinung nach. Die Überschneidung ist für mich da, wo man Akzente vom Doom Metal in die Lieder mit einbaut. Das kann mal mehr, aber auch mal weniger sein, was dann im Endergebnis zu hören ist.
C.: Auch bei der ersten Demo spielte ich eher Doom-lastiges auf der Gitarre, allerdings sagt J. hier zu Recht, dass die Songs noch sehr minimalistisch gehalten waren. Doom Einflüsse waren in der Grundidee von Anfang an mit enthalten.

"Endlos" war nach meinen Informationen schon immer ein Duo. Wieso habt ihr euch dazu entschieden, die Band zu zweit zu führen und habt ihr schon mal darüber nachgedacht, mehr Musiker zu involvieren, um beispielsweise mit anderen Instrumenten arbeiten zu können?

J.: Puh. Ich würde sagen, dass es hauptsächlich daran liegt, dass mehr Mitglieder mehr Aufwand bedeuten, wegen der Entfernungen. Persönlich würde ich gerne andere Musiker involvieren, um mal mit anderen Instrumenten zu arbeiten, oder ein paar Gast-Vocalisten zu haben (was für das Album geplant ist). Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich würde es nicht für unmöglich halten, dass wir unser Line-Up in der Zukunft noch erweitern.

Trotz eurer jungen Geschichte habt ihr bereits vier Veröffentlichungen vorzuweisen, wobei noch kein vollwertiges Album darunter ist. Könnt ihr vielleicht die einzelnen Veröffentlichungen kurz vorstellen, bevor wir im Gespräch auf die jeweiligen spezifischen Besonderheiten eingehen?

J.: Das erste Demo "Von Sommernacht und Winterfall" wurde letztes Jahr im August aufgenommen, an nur zwei Tagen. Diese Demo beschreibt die ersten Versuche von "Endlos" recht gut. Es ist eine sehr langsame und vor allem langatmige Veröffentlichung, bei der es selbst mir mittlerweile schwer fällt, aufmerksam hinzuhören. "Kargheit" war die Aufnahme der zweiten Probe von uns Ebenfalls sehr minimalistisch. "Oktober" war in erster Linie eine Idee, die mir seit der zweiten Probe im Kopf herumgeisterte. Es sollte, eigentlich wie immer, eine spontane Aufnahme werden, in Richtung "Hypothermia". Jedoch war das nicht die einzige Vorstellung, die wir zu dieser EP hatten, darum wich das Endergebnis auch vollständig von "Hypothermia" ab, was mich absolut nicht stört, da ich wirklich sehr stolz auf diese Veröffentlichung bin. Zu "Gedankenbilder" kann C. mehr sagen.
C.: "Gedankenbilder" nennt sich eine Split Veröffentlichung von "Endlos" und "Winterblood" aus Koblenz. Die von uns dort enthaltenen vier Songs sind zur Hälfte nicht verwendete Studioaufnahmen ("Das Sein" und "Seelenschnitte") und zu weiteren 50% Proberaum-Aufnahmen ("Tote Welt" und "Existenz").

Bisher wurden alle eure Veröffentlichungen in sehr kleinen Auflagen und entweder in Eigenproduktion oder über Underground-Labels veröffentlicht, weswegen sich die Frage aufdrängt, für welchen Zweck ihr Musik publiziert. Geht es euch darum, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen oder wollt ihr durch die Veröffentlichung gedanklich mit den jeweiligen Werken abschließen können?

J.: Nun, jede Band fängt mal klein an. Wir wollten jetzt nicht gleich irgendwelche 200-300ter Auflagen rausbringen (lassen), da sich das einfach nicht lohnen würde. Erstmal muss ja auch ein gewisser Bekanntheitsgrad da sein, meiner Meinung nach, haha...
C.: ...welcher mehr und mehr Gestalt annimmt. Dazu muss man aber auch sagen, dass unsere bisherigen Werke, die wir selbst veröffentlichten, vorerst mehr zum Herumreichen und Vermitteln von Höreindrücken dienten als zu "kommerzielleren" Zwecken.

Wodurch ist der Umstand bedingt, dass ihr bei so vielen Labels gelandet seid, die quer über die Weltkarte verteilt sind? Gab es bisher noch kein Label, welches für eine langfristige Zusammenarbeit geeignet wäre?

C.: Meiner Meinung nach ist es einfach interessant, neue Label-Kontakte zu knüpfen. Einerseits kann man gute Vergleiche ziehen, andererseits ist dies natürlich auch eine Art von Promotion.
J.: Darüber habe ich mir selbst noch keine richtigen Gedanken gemacht. Da kommt aber auch wieder das mit der Auflage zum Vorschein. Die erste Demo wurde bei Pestis Crafts auf 30 Stück limitiert und von Metal Throne Productions auf 50 Stück limitiert rausgebracht. "Oktober" kam dann auf 100 Stück limitiert bei Tridroid Records raus. Die Limitierungen dieser Labels sind aber sehr klein und ich persönlich möchte nicht jedes Release auf Tape oder Pro-CDr rausbringen lassen. Wir haben nun ein Label gefunden, welches unsere Musik auch auf anderen Tonträgern veröffentlichen würde. Hierbei ist eine langfristige Zusammenarbeit sogar ziemlich wahrscheinlich.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen eurem ersten Demo und euren neueren Aufnahmen? Gibt es bestimmte Änderungen im Stil, die ihr bewusst vollzogen habt oder die von ganz alleine gekommen sind?

J.: Sie sind schneller, struktureller und durchdachter! Im Stil gibt es keine speziellen Änderungen, außer dass ich versuche, die Drums ein wenig dynamischer zu gestalten und nicht mehr so langatmig wie auf der ersten Demo.

Nun möchte ich zu eurer EP "Oktober" kommen, die im letzten Jahr das erste Mal veröffentlicht worden ist, aber nun erneut von einem kleinen Label neu aufgelegt wurde. Hat diese EP einen besonderen Stellenwert für euch, dass ausgerechnet sie nochmal in einem etwas größeren Rahmen publiziert wird? Was sind die musikalischen und konzeptionellen Besonderheiten von "Oktober"?

J.: Für mich war es das erste Mal, dass ich dachte "Uh, das ist ja echt gut gelungen". Naja, erst wollte ich die Veröffentlichung in einem kleinen Rahmen halten, habe mich dann aber umentschieden, als ich auf der Suche nach einem Label war, welches "Kargheit" rausbringen sollte. Somit entschied ich mich für meinen Teil gegen "Kargheit" und für ein Re-Release von "Oktober".

Zudem habt ihr in diesem Jahr die Split "Gedankenbilder" mit der deutschen Band "Winterblood" veröffentlicht. Könnt ihr ein paar Worte über eure beigetragenen Lieder verlieren? Und wie ist seid ihr in Kontakt mit der Band gekommen?

C.: Ich kenne die Band bereits länger. Genau weiß ich schon gar nicht mehr, wer die Idee mit der Split zuerst einwarf. Ich für meinen Teil war der Meinung, dass sich unsere Musik einfach gut ergänzt und eine Split der Bands dahingehend eine gute Sache sei.

Eure kommende EP "Vol. I" ist bereits aufgenommen und sticht wohl in vielerlei Hinsicht aus eurer bisherigen Diskografie hervor. Es gibt keinen Gesang, die Strukturen sind klarer, die Melodien prägnanter und sanfter, weswegen es mich stellenweise an die entsprechenden Werke von "Hypothermia" erinnert. War es eine spontane Eingebung, hier einen anderen Weg einzuschlagen oder empfindest du die Unterschiede als gar nicht so groß? Und wie repräsentativ ist das Material für die Zukunft von "Endlos"?

J.: Es war absolut nicht geplant, diese EP aufzunehmen. C. kam einen Tag zu mir und irgendwann kam die Idee, etwas in Richtung "Hypothermia" einzuspielen, was ich, wie schon vorhin gesagt, eh mal machen wollte. Nun gut, für mich persönlich ging das allerdings auch wieder in eine ganz andere Richtung, aber ich bin unheimlich zufrieden. Das Ganze war also eine sehr spontane Kiste. Einfach drauflosgejammt, weshalb man auch einige Verspieler von mir hören dürfte... wie immer, haha!
C.: Die Grundidee, die an diesem Tag im Proberaum entstand, war es, Stücke mit viel ruhiger, klarer und dunkler, sowie abstrakter Atmosphäre zu spielen. Wir hörten uns die beiden Aufnahmen an und waren (kann ich, denk ich, so sagen) exstrem(st!) begeistert!

Ist "Endlos" schon mal live aufgetreten oder gibt es Pläne für Konzerte? Wie würde für euch ein perfekter Konzert-Abend aussehen und mit welchen Bands würdet ihr gerne die Bühne teilen?

J.: Im Prinzip schon, ja. Aber nur auf einer Veranstaltung im kleinem Rahmen, vor ungefähr 5-10 Leuten. Geplant ist auf jeden Fall aufzutreten. M. von "Slagmarken" hilft uns Live am Schlagzeug aus, sodass ich mich auf der Bühne frei mit dem Gesang entfalten kann! Mit welchen Bands? Schwer zu sagen. Ich würde mir mit "Fäulnis" sehr gerne mal die Bühne teilen, da ich seit zwei Jahren unglaublich großer Fan dieser Band bin.

Ihr seid, beziehungsweise wart beide in ein paar anderen Bands oder Projekten involviert. Vor allem C. hat hier ein recht umfangreiches Portfolio vorzuweisen. Inwiefern affektiert das die Musik von "Endlos" und welchen Stellenwert hat das Projekt in Relation zu den anderen Bands für euch?

C.: An allererster Stelle steht bei mir "Slagmarken" und wird es auch immer stehen. Direkt danach kommt "Endlos". Wo "Slagmarken" quasi meine fröhliche/ kämpferische Seite hervorhebt, werden meinerseits bei "Endlos" eher abstrakte bis destruktive Gedankengänge vertont. Ich rede hierbei definitiv nicht (!) von Depressionen! Vielmehr grübele ich oft so vor mich hin und sehe in "Endlos" den besten Weg, dieses verwirrte Gedankengebilde herauszulassen.
J.: Bisher sang ich nur bei "Vitaliy Sytnik" als Gast und bei dem Projekt "Traumtod", wie bereits erwähnt! Welchen Stellenwert? Für mich steht "Endlos" an erster Stelle. Nicht nur, weil ich im Moment in keinem anderem Projekt aktiv bin, sondern eher, weil es am persönlichsten ist.

Habt ihr bereits Pläne oder Ideen für die Zukunft von "Endlos"? Gibt es noch bestimmte Ziele, die ihr gerne erreichen würdet?

J.: Ideen sind für das Album auf jeden Fall vorhanden. Der Plan ist derzeit, das Album aufzunehmen. Danach noch eine kleine, spezielle, EP, wofür wir uns aber sehr viel Zeit lassen werden. Soll heißen Nach dem Album ist erst einmal "ruhig, ruhig" angesagt.

Von meiner Seite aus gibt es keine Fragen mehr. Sofern ihr noch etwas loswerden wollt, könnt ihr es hier niederschreiben. Ansonsten bedanke ich mich für das Interview und wünsche euch für die Zukunft von "Endlos" alles Gute.

J.: Gruß an all die Leute, die mich und "Endlos" nicht mögen!
C.: Ebenso Grüße an alle, die uns bisher unterstützten und es immer noch tun!