Ich grüße dich! Schön, dass du wieder ein wenig Zeit für einen Plausch erübrigen kannst. Unser letztes Gespräch liegt bereits über zwei Jahre zurück. Ist "Ekpyrosis" immer noch derselbe Einsiedler, der "mehr Herz als Hirn hat"?

Ich grüße Dich auch! Ja, ich bin ganz der Alte. So wie man mich kennt und liebt!

Dein neues Album "Weisse Nacht" kam ohne große Ankündigungen und aus dem Nichts. War das auch für dich unverhofft schnell oder hattest du einfach keine Lust auf Eigenwerbung?

Paradigms Recordings haben als einzige einen Demomix von "Weisse Nacht" bekommen und ein paar Wochen später wurde schon gepresst. Das ging alles so schnell und unbürokratisch, dass gar keine Zeit für große Vorankündigungen war.

Das Album klingt wie das eigentliche Übergangsalbum zwischen den beiden Vorgängern. Eine bewusste Aufarbeitung der Vergangenheit?

Ja, da hast Du das richtige Gespür gehabt. Die Musik auf dem neuen Album wurde eigentlich zwischen "Mensch Aus Gold" und "Ein Ewiges Bild" geschrieben. Falls man da von "schreiben" reden kann. Irgendwie kam auf einmal wieder Leben in die Sache.

Zwischenzeitig wirkt die Musik sehr euphorisch und positiv, dabei schwebt aber oft ein gewisser Zwiespalt mit. Wie siehst du die grundlegende Stimmung in Relation zu "Ein Ewiges Bild"?

Für mich ist das alles das Gleiche. Der Zwiespalt ist immer dabei ? in der Musik und in den Texten. Ich mache eigentlich auch immer dasselbe Album. Ich hatte mit keinem Album vor, irgendwas Neues oder Anderes zu machen. Ich will immer nur ein neues "Ekpyrosis"-Album machen. Ich glaube nicht an Fortschritt und nicht an den Menschen.

"Weisse Nacht" beschäftigt sich mit der Gegenwart, kennt aber auch das Metaphysische. Ist es eine Flucht in das Übernatürliche, dabei gefesselt an die Realität?

Ja, das könnte man vielleicht so sagen. Ich kann Dir nichts genaues darüber sagen, weil ich es selbst nicht weiß und nicht wissen will.

Das Cover setzt Natur und Himmel auf eine Ebene, lässt diese aber kontrastieren. Ein Treffen des Unvereinbaren?

Nein, das ist alles eins. Und das Leben ist kurz. Ich möchte mich auf diejenigen Dinge konzentrieren, die für mich entscheidend sind. Ich werde wahrscheinlich immer Wolken und Wald auf meinen Covern haben.

Inwiefern unterscheidet sich der Entstehungsprozess des Albums von deinem älteren Schaffen?

Die Prozesse unterscheiden sich nur in uninteressanten Details. Nach wie vor mache ich die Musik und die Texte spontan. Ich arbeite nicht aus. Ich konzipiere nicht. Viel wird improvisiert.

Die Texte spielen damit, Erwartungshaltungen zu brechen. Kryptische Metaphern treffen auf Worte, die unverblümter nicht sein könnten. Ein bewusst gewählter Stil?

Oh ja! Ich zerstöre gern! Das muss auch sein, bei der ganzen Scheiße um uns herum!

Welchen Platz hat "Ekpyrosis" in unserer Welt? Beobachter? Ankläger? Revolutionär?

Vielleicht Beobachter.

Der Titel des Albums, die Texte, die Musik, all das lebt von Gegensätzen und Ironie. Was ist der Ursprung dieser Charakteristik?

Ironie gibt es bei mir nicht. Du kannst alles so verstehen wie es in den Booklets abgedruckt steht. Wer mir hier Ironie unterjubeln will, bekommt Schwierigkeiten! Aber die Gegensätze, die sind reichlich da - ohne die geht nichts. Das ganze Leben lang wird man davon zerrissen - aber es ist alles, was wir haben. Und das Schönste, was es gibt.

Trotz dieser Vielseitigkeit scheint "Ekpyrosis" aber auch eine gewisse Konstanz und Gelassenheit innezuwohnen, zumindest hört man bei allen Veröffentlichungen dein eigenes Klangbild heraus. Wie würdest du diese verbindende Essenz beschreiben?

Das ist mein Stil. Ich weiß, wie "Ekpyrosis" klingen muss und mache es so.

Im Gegensatz dazu würde es mich interessieren, in welchen Aspekten sich die Band deiner Meinung nach im Laufe der Jahre, sei es musikalisch, idiologisch oder in anderen Bereichen, verändert hat.

Ideologisch war bei uns noch nie etwas. Ekelhaftes Wort, ekelhafte Menschen. Was sich verändert hat, ist, dass ich keine große Lust mehr habe, mich beim Singen anzustrengen. So extremes Gekreische wie auf den ganz alten Sachen mache ich nicht mehr. Das wäre affektiert.

Was assoziierst du selber mit "Ekpyrosis"?

Blaue Fotos, auf denen keine menschlichen Dinge zu sehen sind.

Das Album erschien erneut über Paradigm Records. Anscheinend entsprach es wieder eher ihren Erwartungen?

Es ist nicht so, dass "Ein Ewiges Bild" bei PR abgeblitzt wäre. Die haben die Platte damals erst gar nicht zu hören bekommen.

Du hast in diesem Jahr zusätzlich zwei alte Songs namens "Firmament" und "Reise" zum kostenlosen Download angeboten. Magst du deren Bedeutung für "Ekpyrosis" erläutern?

Das sind zwei von vielen alten Songs, die es so gibt. So haben "Ekpyrosis" damals geklungen. Irgendwo muss man ja mal anfangen. Wir dachten, dass es vielleicht ein paar Leute gibt, die das mal gern hören würden.

Hörst du dir deine eigene Musik an?

Nein.

Kannst du ein paar Worte über die Zukunft von "Ekpyrosis" verlieren?

Ich habe Lust, ein neues Album zu machen. Es kann also gut sein, dass wir eins machen werden. Außerdem soll es bald mal wieder neue T-Shirts geben.

Ich denke, dass man an dieser Stelle das Interview abschließen kann. Ich danke dir erneut für deine Mühe und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Ja, das ist ein guter Schluss. Danke für das Gefrage. Pass auf Dich auf!