Guten Abend! Nicht viele haben die Möglichkeit, ein Interview mit dir zu führen, darum fühle ich mich besonders geehrt. Die Recherche war nicht ganz einfach, da du nur sehr wenige Informationen über dein Projekt "Ekpyrosis" veröffentlichst. Keine Musikernamen, keine Homepage, wenige Interviews und sehr minimalistische Booklets (was den Informationsgehalt angeht) macht es für äußere Betrachter sehr schwierig, das Ganze einzuordnen. Was bleibt, ist die Musik. Ein sehr ehrenhafter Ansatz, möchte man meinen, da gerade in der heutigen Zeit viel mit Imagekampagnen und ähnlichem gearbeitet wird, um gewisse Mängel in der Musik möglicherweise zu übertuschen. Wieso hast du dich dazu entschieden, mit deinen Projekt einen solchen Ansatz zu verfolgen? Wird man auch zukünftig von "Ekpyrosis" nichts anderes erwarten können?

Guten Abend! Die Ehre ist auch meinerseits, danke! Direkt zu Deiner Frage: Es soll bei "Ekpyrosis" einfach klar sein, dass es uns nicht um Selbstdarstellung geht. Wir liefern Musik und die Texte dazu. Mehr braucht in Wirklichkeit niemand, meine ich. Durch das Internet wird so vieles auf einmal zugänglich und transparent. Das kann auch zerstörend wirken. Ich glaube sogar, bei einigen Bands ist die Optik mittlerweile fast wichtiger als ihre Musik. Ich bin dagegen. Es muss auch Unklarheiten geben. Dieses Interview gebe ich, weil ich Lust dazu habe. Auf ganz viele andere Sachen habe ich aber keine Lust, soviel für den Anfang.

Aus der Art und Weise, wie du deine Musik publizierst und veröffentlichst, schließe ich, dass du die Musik in erster Linie für dich selber machst ? reich wird man mit dieser Art von Musik zumindest nicht. Könnte man diesen Gedankenansatz nicht konsequent fortführen? Wenn man Musik als bloßes Ausdrucksmittel seiner selbst betrachtet, ist es dann überhaupt nötig, andere (oder schwächen wir es ab: Fremde) daran teilhaben zu lassen? Wieso hat der Mensch das Bedürfnis derart persönliche Erzeugnisse öffentlich zugänglich zu machen?

"Ekpyrosis" habe ich jahrelang als etwas sehr privates angesehen. Ich habe die Tracks von damals wirklich nur für mich gemacht. Weil ich ausprobieren wollte, ob ich es schaffe, die Musik zu machen, die ich wirklich hören will. Ob ich das jemals geschafft habe, weiß ich nicht genau. Ich bin zumindest auf dem Weg dahin. Was mich dann vor einiger Zeit dazu gebracht hat, "Mensch Aus Gold" aufzunehmen und vielleicht veröffentlichen zu lassen, war vorallem die gute Resonanz in meinem Musikerumfeld. Unter meinen Freunden waren auch drei langjährige "Ekpyrosis"-Fans zu finden. Nicht zuletzt für sie habe ich dann den Deal mit Duncan von Paradigms gemacht. So konnte ich endlich meinen drei Fans in Form eines Albums danken. Ich finde es immer wieder verblüffend mitzubekommen, dass wildfremde Menschen meine Platten hören und manchmal sogar toll finden.

Die Musik von "Ekpyrosis" ist voller Kontraste. Seien es die Cover, die auf der einen Seite das umgedrehte Kreuz, auf der anderen Seite friedliche Naturaufnahmen zeigen, die Lyrics oder eben die Musik. Der Vergleich meinerseits im Review zu deinem aktuellen Album "Ein ewiges Bild" mit der romantischen Epoche war sicherlich gewagt, doch ist dieses Faktum für mich ganz subjektiv essentiell für deine Musik. Sind es die Kontraste des Alltags, die deine Musik inspirieren oder gar viel fundamentalere?

Es sind fundamentale Kontraste. Trotzdem ist all das mit Alltäglichem verwoben. Es kommt darauf an, wie empfindlich Du bist. Was für ein Mensch Du bist. Vorallem beim Schreiben meiner Texte versuche ich blind und geistlos zu sein. Ich will an die Geister heran, die in mir sind. Ich will das herausholen, was mich ausmacht. Und dabei lande ich dann oft auch wieder voll im Alltäglichen. Ich mache keinen Plan. Ich will nicht erreichen, dass meine Musik anderen gefällt. Ich will nicht gewährleisten, dass man meine Texte versteht. Ich will nur wachsen. Wachsen und nie den Himmel über mir vergessen.

"Ekpyrosis" spart nicht nur an Informationen, sondern auch an Veröffentlichungen. Deine zwei Alben "Mensch aus Gold" und "Ein ewiges Bild" sind bisher die einzigen öffentlich zugänglichen Tonträger, doch scheint es auch einige wenige Aufnahmen aus der Zeit vor dem Debüt zu geben. Kannst du dir ein Re-Release oder eine Neuaufnahme dieser Lieder vorstellen? Und was ist eigentlich der Grund dafür, dass diese bisher nicht öffentlich gemacht worden sind?

Auf diese Fragen habe ich teilweise schon weiter oben geantwortet, glaube ich. Ich glaube nicht, dass ich etwas von dem alten Stoff neu aufnehmen werde. Die Songs haben ihren Sound und ihre Geschichte und das muss so sein. Vielleicht mal ein Release davon, irgendwann.

Lass uns über dein Album "Ein ewiges Bild" sprechen, welches im Dezember letzten Jahres veröffentlicht worden ist. Zwischen dem ruhigeren Debüt und diesem fallen mir einige Unterschiede auf. In der Gesamtheit wirkt das Album vor allem roher und aggressiver. Konnte man in den Zeilen von "Mensch aus Gold" noch Schimmer von Hoffnung finden ("Alles wird langsam richtig. Neue Dinge werden heilig. Dinge die bisher in dem Herzen der Edlen schliefen."), wirkt "Ein ewiges Bild" deutlich lebensmüder und resignierter auf mich. Zeilen deiner neuen Lieder lassen vermuten, dass ein charakterlicher Wandel die Ursache für den Wandel der Musik ist ("Vergangenheit türmen sich Bilder. Tore die ich durchschritt. Blicke, die ich getan."). Kannst du diesen präzisieren oder gibt es gar andere Gründe?

"Ein Ewiges Bild" ist eine aggressive Platte, das stimmt. Ich glaube, ich wollte vorallem einigen Leuten vor den Kopf stossen. Zeigen, dass "Ekpyrosis" nicht ihre neue Perle wird. Ein Album machen, zu dem man sagen kann "Damit hat er sich keine Freunde gemacht". Ein nicht unbekanntes Label war nach "Mensch Aus Gold" an einem Vertrag mit mir interessiert. Ich hatte einen Riesenspaß zu hören, dass ihnen mein neues Material nicht so zusagt. Hehe! Fuck you! "Ekpyrosis" ist ein besoffener Idiot in der Gosse, der mehr Herz als Hirn hat. Kauft Euch 'ne andere Band mit der Ihr spielen könnt, Labels! An dieser Stelle ein Hoch auf Christian Kolf und Florian Toyka von Zeitgeister Music. Sie sind ware Idealisten und großartige Menschen.

In deiner Musik findet man zwei ganz wesentliche Aspekte, die sich stets gegenseitig bedingen und konfrontieren. Auf der einen Seite steht eine Art pantheistischer Ansatz, auf der anderen die Negierung von Menschlichkeit der heutigen Zeit. Kannst du uns ein wenig tiefer in die Gedankenwelt von "Ekpyrosis" führen?

Ich liebe die Menschen von ganzem Herzen. Aber sie machen mich zugleich unglaublich wütend. Kennst Du das? Das alles um mich herum ist mir nicht egal. Deswegen muss ich verachten und verurteilen. Etwas kindisch, ja, aber ich bin froh, mit dem Älterwerden nicht stumpf geworden zu sein. Mein bester Freund sagt manchmal zu mir "Du bist zu nett".

Worum handelt es sich bei dem Mensch aus Gold? Versuchst du hierbei eine Art eigenes Ideal zu manifestieren? Und wodurch zeichnet er sich aus?

"Mensch Aus Gold" ist ein Begriff, den ich selbst nicht verstehe. Es ist der Name für das Gefühl, das für mich in diesem Album den stärksten Teil hat.

Ein interessantes und sicher auch genre-untypisches Symbol deines neuen Albums ist der Himmel. Nicht nur ziert er das Cover, sondern findet auch Platz in deinen Texten. Wofür steht er für dich und warum hast du ihn als Leitmotiv für das Album gewählt?

Himmel ist Freiheit. Mit irgendwelchen christlichen Vorstellungen hat das natürlich nichts zu tun. Der Himmel als Phänomen. Unglaublich! Der Himmel geht in den Weltraum über. Etwas, das man sich nur noch schwer vorstellen kann. Unglaublich schön, weil er unerreichbar ist. Flugzeuge und so Schnickschnack will doch nicht wirklich jemand, oder? Verliebte brauchen den Himmel, wenn sie auf einer Wiese liegen um "so glücklich wie noch nie" zu sein und ich brauch Ihn für mein Cover. Weil ich das alles weiß. Und weil ich einen Scheiß weiß!

In deiner Musik wird ein gewisser persönlicher Trieb zur Isolation deutlich. Nicht nur ist sie sehr eigen gehalten, so dass man sie als Fluchtpunkt betrachten könnte, sondern wird auch die Natur als mögliches Mittel zur Ruhefindung genannt. Denkst du, dass der Mensch in der heutigen Gesellschaft sich zu sehr von der durch Menschenhand geschaffenen Außenwelt beeinflussen lässt? Der Gedanke des modernen Purismus, frei von Medien und dergleichen, existiert ja bereits länger, aber ist er überhaupt praktikabel?

Ich praktiziere das so gut ich kann. Sehe zu, dass ich jeden Tag rauskomme in den Wald. Habe kein Auto, lese keine Zeitung, schaue kein Fernsehn. Das ist reiner Selbstschutz. Mein Leben ist kostbar. Alles was ich habe. Es ist grauenhaft zu sehen, zu was einen die Industrie machen will. Reduziert, amputiert. Dem entziehe ich mich. Und es macht mich doch immer wieder rasend. Deswegen.

Was sind für dich die Maßstäbe, an denen man Musik der heutigen Zeit bewerten kann? Du als Künstler wirst sicherlich immer wieder mit den Meinungen Außenstehender über dein Schaffen konfrontiert, was sicherlich auch durch das Versenden von Promo-Material provoziert wird, doch was bedeuten diese für dich ganz persönlich?

Du meinst Reviews? Da muss ich erstmal sagen, dass mir Deine Reviews wirklich gut gefallen haben. Nicht nur weil Du meine Alben nicht verissen hast, sondern auch, weil man bei Dir den Eindruck hat, dass Du die Musik und alles was damit zusammenhängt respektierst und ernsthaft Zugang dazu suchst. Sowas freut mich dann natürlich sehr. Gutes nehme ich an, weniger Gutes lasse ich direkt abgleiten. Fertig. Die meisten Redakteure sind Kleinkinder. Ständig fliegen da die Duplosteine durch die Gegend, aber gebaut wird nichts! Bravo, vielen Dank, Bye Bye!

Sicher ist diese Frage nicht die innovativste, doch in Anblick der relativen Einzigartigkeit deiner Musik doch von Interesse: Woher ziehst du deine musikalischen Einflüsse? Ich höre zum einen die alte skandinavische Schule, zum anderen auch avantgardistische Klänge heraus.

Dass Du "Ekpyrosis" einzigartig findest ehrt mich. Die alte skandinavische Schule ist auf jeden Fall ein großer Einfluss. Ich habe schon als Kind viel "David Bowie" gehört. Er hat unglaubliche Stimmungen in seinen Songs. Ich liebe ihn als Musiker. Obwohl ich wirklich viel verschiedene Musik höre, kann ich nicht sagen, dass mich irgendetwas darüber hinaus deutlich beeinflusst hat.

Gibt es konkrete Konzepte oder Ideen, die du in der Zukunft mit "Ekpyrosis" noch gerne umsetzen würdest und was kann man eigentlich noch von deinem Projekt erwarten?

Wenn man sich das Rauchen abgewöhnen will und stattdessen das Joggen anfängt ist das ein Projekt. "Ekpyrosis" ist eine Band. Bestehend aus mir und dem Drummer von "Ekpyrosis". Ganz wichtig! Das neue Album ist bald fertig ? sehen wir mal. Die Riffs sind für mich viel mehr wie die Riffs, die ich vor zehn Jahren gemacht habe. Soundmäßig werden wir irgendwo bei "Ein Ewiges Bild" anknüpfen. Vielleicht werde ich mal einen anderen Bass benutzen, bestimmt aber eine andere Gitarre.

Von meiner Seite aus sind wir am Ende des Interviews angekommen. Ich hoffe, die Fragen haben dir gefallen und nicht zu viel Zeit beansprucht. Die letzten Worte gehören dir.

Die Fragen haben mir gefallen, vielen Dank! Ich habe auch alles locker runterschreiben können. Ohne Gekrampfe. Dein Verdienst! Hat Spaß gemacht, Dir zu antworten. Weiter so. Und ich danke jedem, der sich den Kram hier durchliest. Lasst Euch nicht unterkriegen, genießt das Leben in vollen Zügen. Der größte Feind ist die Angst. Blickt Ihr jeden Tag in Augen und kämpft. Für die Liebe, für den Himmel.