Ich grüße dich, Nostarion!
Schön, dass wir mal wieder ins Gespräch kommen können. Dieses Mal soll es aber nicht um "Dämmerfarben", sondern um die 2009 gegründete Band "Dystertid" gehen. Das Ganze hat als Solo-Projekt angefangen, aber im Laufe der Jahre vervollständigte sich das Line-Up, sodass bald mit eurem Debütalbum "Auf Faehrten alter Tage" gerechnet werden kann. Für den Anfang möchte ich dich bitten, das Konzept von "Dystertid" zu beschreiben. Da es bisher nur ein Demo aus dem Jahr 2009 gibt, werden vermutlich nur wenige bisher Kontakt zu der Musik gehabt haben. Insofern wäre es schön, wenn du ein paar einleitende Worte finden würdest, die das Wesen der Band beschreiben.

Grüße dich auch.
Zu Anfang möchte ich gern nochmal betonen, dass "Dystertid" anders als "Dämmerfarben" nie als Solo-Projekt angedacht wurde. Damals zu "Schattenwindes Dämmerfarben"-Zeiten, war klar, dass die Band mein eigenes Solo-Projekt neben meinen anderen Bands sein sollte - mein Innerstes sozusagen. Man muss dazu anmerken, dass es das trotz meiner Mitstreiter immer noch ist.
Bei "Dystertid" war mir bei Gründung klar, dass mindestens noch zwei weitere Musiker folgen sollten, nur habe ich zu der Zeit bereits allein mit Songwriting begonnen und die ersten Demoaufnahmen gestartet. Aus einem Teil der Demoaufnahmen wurde dann auch das von dir genannte, Ende des Jahres 2009 selbstveröffentlichte Demo. Um einleitend ein paar Worte zum Wesen der Band zu verlieren, kann gesagt werden, dass "Dystertid" nicht nur das ruhige Wesen einer beschaulichen Natur, sondern auch ihre rauen und kantigen Seiten hören lässt - wobei es bei "Dystertid" nicht nur um die deskriptive Erzählung von Natur geht, sondern eine Auseinandersetzung von dieser und einem selbst.

Hattest du bereits bei der Gründung konkrete Vorstellungen davon, in welche Richtung sich "Dystertid" einmal entwickeln wird, oder waren Umstände wie die Erweiterung des Line-Ups und die musikalische Entwicklung eher zufälliger Natur?

Bei Gründung der Band hatte ich eine relativ klare Vorstellung, wie das Ergebnis klingen sollte, ja, und das hört man sowohl auf dem Demo, als auch auf dem kommenden Debütalbum. Wie sich die musikalische Ausrichtung der Band in Zukunft ändern wird, weiß ich nicht. Es kann sein, dass die Musik in sich ähnlich bleibt, aber mit der Zeit wächst; kann aber ebenfalls sein, dass wir uns nach dem kommenden Album neu orientieren. Ich denke, das ergibt sich dann und wenn ein Projekt schon eine solche Zeit überdauert hat und ausrichtungsstet geblieben ist, können beide Optionen gleichermaßen möglich sein. Das Line-Up wurde, wenn man so will, nicht erweitert, sondern von Anfang an derartig geplant. Insofern hat lediglich Swerc das programmierte Schlagzeug durch sein dynamisches Schlagzeugspiel ersetzt. Der Rest wurde in größten Teilen genauso aufgenommen, wie es 2009 konzipiert wurde.

Die erste Veröffentlichung war das Demo "Aus duestrer Zeit". Kannst du ein paar Worte über diese Veröffentlichung verlieren? Welche Musik hast du damals gemacht, inwiefern unterscheidet es sich vom kommenden Album, welche Thematik behandelt das Material und ist vielleicht sogar ein Re-Release geplant?

Diese Frage ist recht einfach zu beantworten. Das Demo "Aus duestrer Zeit" beinhaltet vier Lieder. Drei von ihnen sind in ähnlicher, dennoch fast schon ausgereifterer Form auf dem Debütalbum zu hören. Nur ein Stück ist demo-eigen. Der erste Titel des Demos, "Walpurgisnacht", ist fast in identischer Form zu hören - der zweite Titel "Aus duestrer Zeit" ist mit neuem Titel ("Aus alter Zeit") ebenfalls auf dem Debüt zu hören, jedoch in etwas anderer Form. Der dritte Titel, "Hexenmoor", ist mit abgewandeltem Text und ebenfalls musikalisch stärker abgewandelt auch auf dem kommenden Album hörbar. Was dem Demo auch einen anderen Klang gibt, sind erstens die damaligen Gitarrensounds und zweitens ist es die Programmierung des Schlagzeugs. Zuletzt ist der demo-eigene Song zu nennen: "...bis zum End". Hier hört man ein etwas längeres Akustikstück mit Gitarren, Violoncello und einem Ausschnitt aus Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur op. 92 (alte Aufnahme eines Orchesters, in dem ich aktiv war). Insofern weicht das Material thematisch nicht wirklich vom Debütalbum ab.

Der nächste wesentliche Schritt in der Historie von "Dystertid" war nach der Veröffentlichung des Demos sicherlich die Komplettierung des Line-Ups. So stießen Swerc ("Lugubre", "Gheestenland") und Ragnar ("Ulfsdalir", "Idhafels") nacheinander dazu. Inwiefern hat sich das Klangbild von "Dystertid" durch die beiden Musiker verändert? Hatten die neuen Musiker einen Einfluss auf den Songwriting-Prozess?

Im selben Jahr, also 2009, stieß Swerc zur Band. Er bekam im Laufe des Jahres die Demotracks fürs Debütalbum gesandt und bekam somit ein Gefühl für die Lieder. Darauf nahm er, ohne direkt über die Demos zu spielen, die Schlagzeuglinien für alle Songs des Debüts auf. Über diese spielte ich dann die heute zu hörenden Gitarren und die Bassspuren ein - darauf dann letztendlich auch den Gesang. 2012 fragte Ragnar von "Ulfsdalir" und unserer gemeinsamen Band "Idhafels" an, ob der Posten für den Bass, eventuell auch fürs Livespielen noch frei wäre, da er von unserer Musik sehr angetan war. Das passte natürlich gut ins Konzept, wenn wir tatsächlich die Bühne betreten wollen. Ebenso nahmen wir folglich den Bass mit Ragnar nochmal neu auf. Die neuen Bassspuren wurden so auch ein wenig geradliniger als die etwas umfangreicheren Kompositionen von mir. Was man sagen muss: Es ergibt sich nun auch einfach ein sehr schönes, stimmiges Ganzes. Letztlich ist auf dem Stück "Ausklang" noch meine eigene Bassspur zu hören.

Der Harz und dessen Natur und Sagen scheinen ein wesentlicher Einfluss eurer Musik zu sein. Mein letzter Aufenthalt liegt zwar schon einige Jahre zurück, doch bleibt mir die urige und mystische Atmosphäre des Mittelgebirges bis heute in Erinnerung. Welche Verbindung hast du zum Harz, dass du ihm diese Hommage widmest? Und was macht für dich die Anziehungskraft dieser Gegend aus?

Das ist eine sehr persönliche Frage, auf die ich an dieser Stelle nur teils eingehen möchte. Seit meiner Kindheit besuche ich den Harz recht regelmäßig - einige Gegenden wesentlich häufiger als andere, aber dennoch ist mir so gut wie der gesamte Harz bekannt. Mich haben zum einen die Naturereignisse geprägt, wie beispielsweise der durch die Bäume am Hang ziehende, dichte Nebel, welcher eine ganz eigene Stimmung erzeugt, die ganz harz-eigenen Nadelwälder nach einem Regenfall, die ganzen Nadeln voller kleinster Tropfen und vieles mehr. Zum anderen waren es natürlich aber ebenso die Mythen, Sagen und Legenden um einige Orte, Personen, etc., die man erzählt bekommt, welche einen gewissen Einfluss auf die Wahrnehmung des Harzes und letztendlich auch meine Musik haben. All diese Dinge zusammengenommen, ergeben bei mir eine ganz eigene Stimmung, wenn ich an den Harz denke, oder ihn direkt wahrnehme - eine Stimmung von etwas ganz Tiefem und fast schon Erhabenen. Nicht zuletzt kommt eben diese Tiefe daher, dass ich sozusagen auch mit diesen Begebenheiten und dem Harz aufgewachsen bin.

Das kommende Debütalbum "Auf Faehrten alter Tage" widmet sich nicht nur einer Darstellung der Natur, sondern auch Sagen und Mythen. Welchen Stellenwert haben diese Formen der Erzählungen für dich in der modernen Welt? Sind sie eine Art der Realitätsflucht, ganz im Sinne der Romantik, zu der du ja augenscheinlich eine starke Verbindung hast, oder denkst du, dass sie auch heute neben ihrem nostalgischen Charme weitere Funktion wie die Sensibilisierung für gewisse Themen als lehrenden Effekt erfüllen können?

Ganz zu Beginn möchte ich anmerken, dass romantische Erzählungen, Gedichte und Weltsichten nicht immer zwangsweise direkt nur eine Realitätsflucht darstellen. Ich denke, wer das nur als solche erkennen kann, hat sich nicht genügend mit der Materie auseinander gesetzt. Es geht auch nicht nur um den nostalgischen Charme der Geschichten, sondern um vieles mehr. Zum Teil sind es Erzählungen, die einen recht alten kulturellen Ursprung haben, eben Ursprungsmythen erzählen und Urzeitgeschehen darlegen. Zum anderen ist es auch ein Umgang mit zur damaligen Zeit den Menschen unerklärbaren Begebenheiten, denen mit den Geschichten ein Gesicht gegeben wurde und somit den Menschen weniger unheimlich waren. Es wurde auch eine Erklärung geschaffen, um den Umgang damit zu erleichtern. Die ganzen Ursprünge soziokulturell und religionshistorisch zu beleuchten, ist eine sehr spannende Angelegenheit. Was den heutigen Bezug angeht: Mythen, Legenden und Sagen gehörten seit jeher zum Menschsein dazu. Das ist auch trotz einer naturwissenschaftlich-aufgeklärten Bildung noch immer im Grundmuster des Menschen vorhanden, vor gewissen Dingen eine Urangst (oder eher ein "Urunwohlsein") zu haben, welche man sich nicht ganz rational erklären kann, aber welche dennoch Auswirkungen auf die Denke haben. Somit kann sich kaum jemand davon freisprechen, dass derartige Geschichten eine gewisse Wirkung auf jemanden besitzen. Nicht umsonst sprechen uns auch heute Filme und Bücher, in denen solche Erzählungen getragen werden, auf solche Weise an.

Vielleicht ist Realitätsflucht wirklich ein zu einfacher Begriff für den Aspekt, auf den ich eingehen wollte. Ich meinte eine Art der Weltsicht, die sich nicht auf die (scheinbare) Rationalität verlässt, sondern offen für Gefühle und Eindrücke ist, die vielleicht nicht mit dem modernen Weltbild konform gehen. Eine Philosophie, die nicht nur für die Romantik, sondern auch für einige Formen des Black Metals charakteristisch ist. Würdest du auch "Dystertid" hier einordnen?

Ich hoffe, ich verstehe dich an dieser Stelle richtig. Wenn ja, dann würde ich sagen, kann man "Dystertid" sehr wohl dort einordnen.

In Anbetracht der konzeptionellen Ausrichtung ist es ja fast ein wenig überraschend, dass der Bandname aus dem Schwedischen stammt oder gibt es hier einen Zusammenhang, der sich mir nicht offenbart?

Das ist interessant, dass du das ansprichst. Der Bandname ist nämlich nicht dem Schwedischen entnommen, sondern dem Platt-, beziehungsweise Niederdeutschen. Da gibt es mehrere Schreibweisen - zum einen "Düster Tied" oder "Düstertied" und zum anderen "Dyster Tid" oder "Dystertid". Wir haben uns letztendlich für "Dystertid" entschieden. Heißen tut beides aber das Selbige: Düstere Zeit. Gewählt habe ich diese Sprache aus dem Grund der Verbundenheit zu meiner eigenen Heimat.

Ich hatte ja nun bereits die Möglichkeit, in das kommende Album reinzuhören, und war überrascht, wie geradlinig die Musik ausfällt. Während "Dämmerfarben" ja oft sehr facettenreich arrangiert und instrumentalisiert ist, beschränkt sich "Auf Faehrten alter Tage" oft eher auf das Wesentliche, scheint von Alben wie "Nattens Madrigal" und "Bergtatt" inspiriert zu sein und lebt von den eingängigen, aber atmosphärischen Melodien. War diese musikalische Ausrichtung von Anfang an geplant? Und wieso hast du dich dazu entschieden, das Konzept vom Album derartig umzusetzen?

Das ist grundsätzlich richtig. "Dystertid" ist musikalisch wesentlich näher an frühen "Ulver" als an "Dämmerfarben", ohne sich jedoch zu nah an erstgenannter Band zu orientieren - wenn, dann höchst unbewusst oder gar unterbewusst. Einige Passagen, die etwas facettenreicher arrangiert wurden, gibt es auf unserem Debütalbum schon, aber im Grunde stimmt das; die Musik ist durchaus geradliniger. Wichtig war mir, mit der Musik diese mystische und atmosphärische Stimmung der Gegend und ebenso der Legenden und Geschichten aufzugreifen. Schön zu hören, dass mir dies anscheinend gelungen ist. Dass die Musik in diese Richtung geht, stand schon zu Beginn fest, da das Konzept zu der Band schon stand und folglich auch die Musik eben dieser Stimmung zuträglich arrangiert werden muss, wenn ein passendes Gesamtbild entstehen soll. Ich hoffe, damit ist auch die Frage nach dem Wieso in Bezug auf die derartige musikalische Umsetzung beantwortet.

Während bei "Dämmerfarben" der Folk-Anteil gestiegen ist, scheint "Dystertid" der puristische, raue Gegenpart zu dieser Band zu sein. Wuchs in dir das Bedürfnis, musikalisch etwas anderes zu machen?

Vorweg genommen muss gesagt werden, dass ich weit über verschiedene Metal-Genres hinaus musikalisch interessiert und aktiv bin und war. Nun zu den Bands: "Dämmerfarben" untermauert musikalisch viele Gesichter von Natur selbst und Naturstimmung im weiteren Sinne. Dies kann manchmal schon etwas düsterer ausfallen, aber eben auch melancholisch und aber auch an manchen Stellen ebenso beschwingt-lebhafte Aspekte aufzeigend. Das ist zwar eine Seite, die mich in Hinsicht auf Black Metal im weiteren Sinne ausmacht, aber eben nicht allein. So liegt es nahe, dass ich ebenso der anderen rauen Seite Platz in meinem musikalischen Leben schaffe. Diese ist ebenso Teil von mir, wie auch die weniger düsteren schwarzmetallischen Klänge.

Gibt es deiner Meinung nach eine optimale Umgebung zum Hören des Albums?

Grundsätzlich kann ich da nur für mich selbst sprechen. Eine Harzwanderung und dann dem Album über Kopfhörer lauschen, durch nebelbehangene Wälder zu gehen, den Quellbächlein bei ihrem Weg ins Tal zusehen, die Tierwelt beobachten... Eine wundervolle Umgebung!

Wurde das Album in einem Studio oder von den einzelnen Mitgliedern jeweils zu Hause in Eigenregie aufgenommen? Und welche Vor- und Nachteile siehst du an eurer Methode?

Die Gitarren und der Gesang wurden im "NatureSound" von mir aufgenommen, ebenso wie der Bass für den Titel "Ausklang". Swerc hatte die Drums dann im "Noordenveld Studio" in den Niederlanden aufgenommen. Die neuen Bassaufnahmen von Ragnar wurden Ende 2012 in seinem Home-Recording Studio aufgenommen. Es gibt mit Sicherheit genug Vor-, als auch Nachteile. Darüber zu philosophieren, könnte hier den Rahmen sprengen, daher gehe ich da nun an dieser Stelle nicht weiter drauf ein. Allerdings finde ich, dass ein stimmiges Gesamtwerk dabei herausgekommen ist. Endmix fand dann nochmals im "NatureSound" statt und wir sind zufrieden und das ist gut.

Stammen die Texte vom kommenden Album aus deiner Feder oder hast du dir wie beim "Dämmerfarben"-Debütalbum andere Quellen gesucht? Und kannst du dazu noch ein paar Worte über die Lyrik des Albums verlieren? Gibt es etwas wie einen roten Faden, eine bestimmte Stimmung, die allen Texte zu eigen ist?

Eine bestimmte Stimmung und ein roter Faden, der allen Texten eigen ist, sind auf jeden Fall zu finden. Das Konzept des Albums ist der Harz mit seiner Natur, mal ruhig, mal aufbrausend, mal fast schon unheimlich; aber auch mit seinen Sagen, Mythen und Legenden, die auch durchaus manchmal fast schon etwas heroisch klingen. Das Ganze findet man eben in den Texten wieder. Ich habe mich von Gedichten und Erzählungen, aber auch Naturstimmungen inspirieren lassen, aber den größten Teil der Texte selbst verfasst. Ausnahme ist hier das Gedicht zu "Aus alter Zeit" - dies ist eine Abwandlung des Gedichtes "Friedrich Rotbart" von Emanuel Geibel. Es erzählt von der Sage um Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser, südliches Harzvorland. "Dystertid" hat keinen Platz für irgendeine politische Aussage, weder in die eine, noch in die andere Richtung, und das ist mir auch sehr wichtig. Ich möchte an dieser Stelle lediglich betonen, dass das Gedicht mit keiner politischen Ansicht gesehen werden darf (heutzutage könnte es sein, dass die Sage sogar noch von Menschen für ihre eigenen politischen Ansichten "missbraucht" werden könnte, als für welche damalige Intention das Gedicht geschrieben wurde). Es soll vielmehr nur eine bestimmte Stimmung tragen - eine Stimmung von etwas Unheimlichem, Alten, was seit langer Zeit im Berg wohnt, in Stein gebannt und wenn die Raben nicht mehr fliegen, und die Zeit gekommen ist, dieses Etwas aus dem Berg erwacht, sozusagen fast, wie eine Gewalt der Natur, wiederkehrt. Des Weiteren besinge ich auch die Walpurgisnacht, eine Begebenheit, die aus dem Harz kaum wegzudenken ist und deren Feier ich selbst auch schon in einigen verschiedenen Traditionsformen miterleben durfte. Was auf dem Album Gehör finden soll, sind allerdings nicht die modernen Adaptionen, sondern die ursprünglichen Rituale und Kultfeiern und deren Hintergründe, allerdings nicht auf wertende Weise, ebenso nur stimmungstragend. Dann sind noch die Lieder, die sich der Natur selbst widmen, zu nennen, wie "Durchs Moor", "Harzwanderung", "Am Quellbach" und "Herbstklage". Aber dazu sollte sich jeder beim Hören einfach mal ein Bild machen.

Kannst du näher auf die ursprünglichen Formen dieser Rituale eingehen? Aufgrund der Medien und den diversen modernen Adaptionen, die du bereits angesprochen hast, kennt wohl kaum noch jemand deren Ursprung.

Ich denke, wenn ich an dieser Stelle zu dem Thema aushole, dann wird das den Rahmen eines Band-Interviews deutlich sprengen und eher in einen religionswissenschaftlichen Exkurs ausufern. Wer sich dafür allerdings genauer interessiert, kann sich gern an mich wenden oder sich entsprechende Literatur beschaffen.

Es scheint mir so, dass sich viele deiner Veröffentlichungen einem bestimmten Thema widmen und dieses dann den Klang des jeweiligen Albums prägt. Zwar kann man nicht immer unbedingt von Konzeptalben sprechen, doch ist eine gewisse thematische und musikalische Homogenität innerhalb der Veröffentlichungen stets vorhanden. Ist dies eine von dir bewusst gewählte Herangehensweise oder das Ergebnis eines natürlichen Prozesses?

Sowohl, als auch, kann ich da nur sagen. Grundsätzlich entscheide ich mich für bestimmte Stimmungen, die ich rüberbringen möchte und die von der Musik getragen werden sollen. Diesbezüglich komponiere ich dann schließlich auch - Atmosphäre schaffend. Dass der Sound dann an die Stimmung der Arrangements der Lieder angepasst wird, ist teils dann ein ganz bewusster, als auch teilweise ein mit Sicherheit unbewusst geschehender Prozess. Solch ein Werk, was man am Ende vorfindet, wächst meist mit der Zeit der Beschäftigung.

Musik als Kunstform ist immer etwas Persönliches und auch wenn die Texte nicht gerade autobiografischer Natur sind, verraten sie oft auch etwas über den Verfasser. Was und wie viel gibt die Musik von "Dystertid" deiner Meinung nach über dich preis?

Meine kupferroten Haare könnten einen gewissen Eindruck in Hinsicht auf Harz, Hexen und Heidelbeerschnaps suggerieren, doch ist man da auf dem Holzweg (durchs Moor). Aber lassen wir den Humor bei Seite. Ich denke, neben meiner naturwissenschaftlich geprägten Sicht auf die Erde, gibt es dennoch einen Teil von mir, der sich an der reinen Naturstimmung und auch den alten Geschichten erfreuen kann. Sich in eine etwas phantastischere Welt hineinzudenken kann schon etwas Wunderbares sein. Außerdem handelt es sich hier auch um Kulturgut und das ist durchaus etwas Hochinteressantes. Mehr dazu aber an dieser Stelle nicht.

Wieso kommt es eigentlich erst fünf Jahre nach eurer Gründung zu der Veröffentlichung eures Debütalbums? Hattest du dich in den vergangenen Jahren eher deinen anderen Bands gewidmet oder ist der lange Zeitraum durch andere Faktoren bedingt?

Meine weiteren Bands und musikalischen Projekte haben diese "Verzögerung" nicht zu verantworten. In gewisser Weise ist es eben auch gar keine wirkliche Verzögerung, da wir immer wieder an dem Album gearbeitet haben. Was aber ein klar ausschlaggebender Punkt war, ist die Problematik mit der Suche nach einem passenden Label. Letztendlich sind wir sehr froh, in Talheim Records ein Label gefunden zu haben, welches gut zu uns passt und mit dem wir unsere Ideen verwirklichen können. Des Weiteren hängt ein gewisses Maß an Verzögerung auch daran, dass wir beruflich und privat stark eingebunden sind. Beispielsweise bin ich hauptberuflich nun einmal kein Musiker, sondern Wissenschaftler.

Hast du bereits konkrete Ideen, wie sich die Musik von "Dystertid" auf kommenden Veröffentlichungen entwickeln könnte? Ist beispielsweise ein breit gefächerter Einsatz von traditionellen Instrumenten denkbar oder spielst du bereits mit anderen Gedanken, die die Zukunft der Band betreffen?

Traditionelle Instrumente sind auf keinen Fall weiter angedacht, denn das würde dazu beitragen, dass die Band sich ebenfalls in eine traditionellere Folk-Band wandeln und den Black Metal verlassen würde. Was angedacht ist, wären eventuell ein paar mehr Ambient-Parts oder -Songs. Würde sich "Dystertid" in Zukunft mit vielen akustisch-traditionellen Instrumenten spicken, würden, denke ich auch mal, der Charakter der Band und die Untermalung der Stimmung verloren gehen. Mit der Akustik-Gitarre haben wir da schon genug ruhige Passagen eingebaut.

Zum Schluss möchte ich dich bitten, die Leser über den aktuellen Stand der Dinge deiner anderen Bands zu informieren. Während für "Dämmerfarben" ja bereits eine Split mit "Blaze of Sorrow" angekündigt ist, hat man lange nichts mehr von Projekten wie "Autumn in Frost" und "Idhafels" gehört.

Nun gut, zu aller erst dann noch einmal zu "Dämmerfarben". Richtig, die Split mit "Blaze of Sorrow" wird Ende diesen Jahres über Talheim Records veröffentlicht, um genau zu sein zur Wintersonnenwende 2014. Die Split "Geister des Winters" wird eine 12" Splatter-Vinyl in einem Special-Gatefold - sogar mit Zertifikat für Sammler. Dazu gibt es dann T-Shirts von uns und "Blaze of Sorrow" exklusiv zum Release und ebenso auch einen Patch für "Dämmerfarben".
Für kommendes Jahr sind dann auch Songwritings und Aufnahmen für eine kommende Veröffentlichung geplant.
Mit "Autumn in Frost" haben wir schon geraume Zeit nicht mehr viel gemacht. Unser damaliger Schlagzeuger ist schon länger umgezogen und so wurde das gemeinsame Musizieren immer weniger. Ich habe vor Jahren noch wenige Aufnahmen gemacht, die ich auch eigentlich veröffentlichen wollte, nur kam es dazu bis dato nie. Mal sehen, was die Zeit für "Autumn in Frost" bringen wird - ansonsten bringe ich die Sachen dann irgendwann in Eigenregie raus und beende die Band danach.
In Sachen "Idhafels" sind wir immer wieder, wie es die Zeit bei allen weit verteilten Mitgliedern zulässt, gut dabei. Gegen Ende des Jahres sollen die geplant letzten Aufnahmen stattfinden und dann kann auf die Suche nach einem passenden Label gegangen werden. Es hat zwar etwas länger gedauert, dennoch wird das erste Album der Band wirklich schön .Ebenfalls für "Throndt" ist, trotz einiger vergangener Zeit, weiterhin ein Album geplant. Material ist fertig geschrieben, nur auch hier mangelt es an Zeit für Aufnahmen - bei der Band haben wir sogar dann zwei vollberufliche Wissenschaftler zu verbuchen. Mit "Seelenfrost" sind auch Veröffentlichungen für kommendes Jahr geplant, worauf ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingehen werde. Was zum Schluss noch nennenswert wäre, ist das Debütalbum von "Vyre" mit dem Namen "The Initial Frontier, Pt.1". Hier hatte ich letztes Jahr Violoncello aufgenommen und nun stehen auch einige Konzerte mit der Band an.

Wir sind nun am Ende des Interviews angelangt. Ich danke dir herzlichst für deine Zeit und wünsche dir viel Erfolg bei deinen kommenden Vorhaben. Wenn die Zeit gekommen ist, können sich unsere Leser dann auch ein konkreteres Bild von eurer Musik machen. Sofern dir noch etwas auf dem Herzen liegt, kannst du es hier niederschreiben.

Vielen Dank ebenfalls für deine Zeit, die du für das Interview aufgebracht hast, es war mir eine Freude, deine Fragen zu beantworten.
Ich denke, solch ein Interview, gespickt mit derartigen Fragen, kann dem Leser schon einen guten Eindruck geben, was die Band angeht. Lassen wir uns aber dennoch überraschen, welche Reaktionen das Album dann selbst mit sich bringt.