Ich grüße dich, Andreas! Schön, dass du dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Da dein Projekt "Draumar" erst seit circa drei Jahren existiert, wäre es schön, wenn du als erstes ein paar Worte über die Musik und Geschichte von "Draumar" verlieren würdest.

Erstmal danke für dein Interesse. Über die Geschichte von Draumar gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Begonnen habe ich mit 14 Jahren. Damals habe ich am Klavier erste Ideen und Liedfragmente ausgearbeitet, ein wenig später stand dann auch der Name meines Projekts fest. Anfang 2009 ging es dann los mit dem Sammeln von Equipment, um das Ganze auch festhalten zu können. Mitte 2009 stellte ich ein paar Samples ins Netz und der Rest hat sich dann mehr oder weniger von selbst ergeben.

Dass ein frisches Projekt als erstes eine Split-Veröffentlichung mit einem etablierten Projekt wie "Uruk-Hai" veröffentlicht, ist ja doch eher ungewöhnlich. Wie kam damals der Kontakt zustande und wo siehst du die konzeptionellen und musikalischen Schnittpunkte eurer Projekte?

Genau erinnern kann ich mich nicht mehr, aber ich glaube, dass ich A. Wieser damals angeschrieben habe, um auf meine Musik zu verweisen. Im Folgenden kam von seiner Seite aus gleich der Vorschlag zu einem gemeinsamen Tonträger, wogegen ich auch nichts einzuwenden hatte. Klar, als junges Projekt freut man sich über so eine Möglichkeit. Konzeptionelle Schnittpunkte mit "Uruk-Hai" gibt es prinzipiell keine, da er ja mit seinem Projekt recht "Tolkien-fixiert" ist, damit habe ich mit "Draumar" nichts zu tun. Musikalische Schnittpunkte sind aber klar ersichtlich, Orchester-Elemente, gemischt mit Synthesizern und ab und an ein paar Einflüsse aus dem Metal-Bereich.

Nachdem deine letzten Veröffentlichungen "Hibernation" und "Ein Wintermärchen" ein eher kaltes und winterliches Klanggewand hatten, schlägst du nun einen herbstlicheren Weg ein. Handelt es sich dabei um ein langfristiges Konzept, sich auf die Jahreszeiten zu beziehen, oder ist es so, dass du versucht, bestimmte Stimmungen, die bei dir durch die Natur ausgelöst werden, einzufangen?

Naja, das grobe Konzept ist natürlich naturbasiert, allerdings habe ich da keine genaue Richtung, nach der ich vorgehe. Ich habe mich also nicht festgelegt, erst winterliche und dann herbstliche Themen abzuarbeiten. Wenn ich erste Ideen für ein Lied habe, spüre ich eben sofort, in welche Richtung es gehen wird und welche Thematik oder Stimmung es haben wird. Diesmal hat es sich eben in eine eher sommerliche bis herbstliche Richtung entwickelt.

Der Titel "Herbstwind" unterscheidet sich in seiner Wirkung deutlich von dem älteren Material. Gibt es bei dir eine Entwicklung im Songwriting, die du beschreiben kannst, oder liegt es einfach daran, dass du versuchst, eine andere Thematik zu vertonen?

Es als Entwicklung im Songwriting zu bezeichnen, ist Ansichtssache, ich persönlich mache mir darüber keine Gedanken. Und so stark unterscheidet sich "Herbstwind" auch gar nicht vom anderen Material. Ich selbst finde, dass es ganz gut zu "Herbstträume-Winteranfang" passt.

Die zwei Split-Veröffentlichung und das Album "Hibernation" sind schon seit längerer Zeit ausverkauft. Gibt es Pläne, diese neu aufzulegen? Und wie stehst du zu deinen frühen musikalischen Kreationen?

Ja, die drei erwähnten Veröffentlichungen wurden nur in kleiner Stückzahl aufgelegt und dementsprechend auch relativ schnell verkauft. Eine Neuveröffentlichung der Split mit "Uruk-Hai" und meines ersten Albums sind eher unwahrscheinlich. Die Songs meiner ausverkauften Veröffentlichungen sind auf Last.fm als kostenlose Downloads verfügbar. Meine vier Stücke von der "Metamorphosis"-Split werden allerdings von Karge Welten in Form einer Kassette zusammen mit den vier Stücken der "Gebirge"-EP veröffentlicht, ein genaues Datum dazu steht noch nicht fest. Mit den frühen Kreationen meinst du vermutlich diese drei Veröffentlichungen. Von der musikalischen Seite bin ich mit diesen recht zufrieden, obwohl es immer sehr schwer ist, sein eigenes Material objektiv zu bewerten. Allerdings ist es nicht von der Hand zu weisen, dass einige Songs meines ersten Albums äußerst elektronisch klingen, was vielleicht mit meinem damaligen Unwissen bezüglich des Aufnehmens und Mischens zu entschuldigen ist. Aber ich denke, ich mache ganz gute Fortschritte.

Bisher wurden alle deine Veröffentlichungen über verschiedene Labels publiziert. Was waren die Gründe für die häufigen Wechsel und hast du bei Karge Welten Kunstverlag jetzt eine langfristige Heimat gefunden?

Zu den Gründen der Trennung von Naturmacht möchte ich mich nicht äußern. Beim Release der "Metamorphosis"-Split war es von Vornherein abgemacht, dass die Zusammenarbeit nur über einen Tonträger gehen würde, da das Label vorerst keine weiteren Veröffentlichungen anstrebte. Als ich nach der Trennung von Naturmacht Falk (Karge Welten Kunstverlag) die ersten Versionen des "Wintermärchens" zugeschickt habe, war er begeistert und hat sich sofort bereiterklärt, das Album zu publizieren. Es ist dann alles rasch und problemlos über die Bühne gegangen und mit dem Endergebnis war ich sehr zufrieden, er hat sich wirklich klasse um alles gekümmert und ich wage zu bezweifeln, dass es mir anderswo besser ergangen wäre. Dementsprechend kann ich mir eine weitere Zusammenarbeit mit Karge Welten sehr gut vorstellen und es wird ziemlich sicher auch darauf hinauslaufen.

Es gibt bestimmte Vorurteile gegenüber Soloprojekten, die Black Metal und Ambient kombinieren. Es scheint sehr einfach zu sein, mit minimalistischen Keyboard-Melodien und dezenten Black Metal-Riffs, ein Album auf die Beine zu stellen, wenn man sich die astronomische Anzahl der Veröffentlichungen einiger Bands anguckt. Da deine Musik doch deutlich komplexer und durchdachter erscheint, würde es mich nicht wundern, wenn du mit der genannten Herangehensweise eher weniger anfangen kannst. Wie stehst du zu diesem Phänomen und kannst du dabei vielleicht einige Bands und Projekte nennen, die du unseren Lesern empfehlen möchtest?

Das Vorurteil ist mir bekannt und auch mir wurde in einigen Reviews zu meiner Musik ähnliches vorgeworfen. Aber dabei muss man unterscheiden, um was es genau geht. Meine Form des Ambients ist ja größtenteils "aktiver" als der oben angesprochene, stärker "minimalistisch" ausgerichtete Ambient, der öfter kritisiert wird. Natürlich ist es den Arbeitsaufwand betrachtend recht unspektakulär, drei bis vier Mollakkorde zu kreieren, diese über zehn Minuten mit einer Synthesizer-Fläche zu spielen und das dann als winterlichen Ambient zu veröffentlichen, wie es bei einigen Projekten Gang und Gäbe ist. Aber das sollte man nicht zwingend negativ betrachten: am Ende zählt immerhin nicht der Arbeitsaufwand, sondern das klangliche Ergebnis, sprich die Wirkung des Ganzen auf den Hörer. Und wenn dieser sich mit der Musik identifizieren kann, dann ist es für ihn doch nicht von Relevanz, wie lange der Komponist daran gearbeitet hat. Ich selbst interessiere mich nicht besonders für diese Schiene des Ambients, wobei es dabei Ausnahmen gibt, hier wäre zum Beispiel "Paysage d'Hiver" zu nennen. Erwähnenswert wäre auf jeden Fall auch "Elffor", ein für mich sehr bedeutendes und vermutlich auch prägendes Projekt.

In Bezug auf deine Musik wäre für mich auch eine passende visuelle Umsetzung naheliegend. Hast du schon mit dem Gedanken gespielt, ein Video, das in Wechselwirkung mit der Musik wirkt, zu produzieren?

Eine visuelle Umsetzung gibt es ja schon, zu "Herbstträume-Winteranfang" wurde ein kleines Begleitvideo erstellt. Generell finde ich Musikvideos aber zu stark "richtungsweisend", die subjektive Vorstellung beim Hören eines Liedes leidet also etwas darunter. Außerdem würde sich ein Video vermutlich sowieso auf Aufnahmen winterlicher und sommerlicher Bergszenarien beschränken. Vielleicht werde ich irgendwann einen Versuch wagen, aus Interesse, wie das Endergebnis wirkt, es ist aber kein Ziel/festes Vorhaben von mir.

Kannst du ein paar Worte über den Titel "Hinauf" verlieren, der auf dem kommenden Karge Welten Kunstverlag-Sampler vertreten sein wird?

Es ist, ähnlich wie bei den beiden Hauptsongs der neuen EP, ein Stück, das orchestrale Elemente mit Metal kombiniert, allerdings ein wenig "treibender". Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

Deine nächste Veröffentlichung "Gebirge" scheint schon fertig durchdacht zu sein, also möchte ich dich bitten, ein paar Details, ob musikalischer oder formeller Natur, zu nennen.

Die Veröffentlichung steht ja schon in den Startlöchern, Songs und Artwork sind bereits fertig und in Kürze ist es dann auch soweit. Es handelt sich um vier Lieder, ein orchestrales Intro, die beiden Hauptsongs, die recht metallastig sind und bei denen sich die Vocals nicht wie beim Wintermärchen auf einzelne Schreie beschränken und zuletzt noch ein orchestrales Outro. Zu den beiden Hauptsongs ist noch zu sagen, dass ich erstmals das Schlagzeug eingespielt und nicht programmiert habe, und dass in "Gebirge II" ein paar Folk-Elemente Platz gefunden haben. Als Songtext wurde das Gedicht "Der Harz" von Novalis verwendet.

Das Konzept, Gebirge und die Wirkung von alpinen Landschaften einzufangen, wurde bisher vor allem von Bands aus dem Doom und Drone Genre umgesetzt. Kam die Idee zu "Gebirge" von Bands wie "Omega Massif" oder versuchst du, die Wirkung komplett anders umzusetzen?

Die Idee dazu hatte ich unabhängig von anderen Bands, da ich selbst sehr gern wandere und meine Aufenthalte in den Bergen sehr genieße. Da ich mich nie genauer mit Drone und Doom auseinandergesetzt habe und mir die Band "Omega Massif" ehrlich gesagt auch kein Begriff ist, kann ich dazu keine Aussage machen. Ich denke aber nicht, dass meine Musik wirkungstechnisch sehr viel mit Drone- und Doombands gemeinsam hat.

Von meiner Seite aus gibt es keine Fragen mehr. Ich bedanke mich für deine Zeit und Mühe und überlasse dir die letzten Worte.

Nochmal danke für dein Interesse und die Fragen, ich bin schon gespannt auf deinen Kommentar zur "Gebirge"-EP!