Sei gegrüßt, Körpersizer! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen nimmst. Führe unsere Leser zunächst doch bitte in die Welt von Devilspit ein. Was ist die Essenz deines Projektes?

Devilspit spielt ausschließlich Evil Rock. Meine Meister sind Darkthrone, Venom, Hellhammer, Bathory, aber auch Black Flag und Minor Threat. Dazu kommt eine Riesenportion Punk Rock und Hardcore Punk.

Du warst bisher hauptsächlich für dein anderes Solo-Projekt De Silence et d'Ombre bekannt. Was waren die Gründe dafür, ein zweites Projekt ins Leben zu rufen?

Dafür gibt es sogar eine Menge Gründe. De Silence et d'Ombre verfolgt einen sehr spezifischen Ansatz und einige Elemente passen einfach nicht zum musikalischen Konzept. Ich begann es als Projekt, welches im hohen Maße von Burzum geprägt war und ich denke, ich sollte diesem Weg beibehalten: Lange Songs, die Atmosphäre und einen fast rituellen Ansatz. Da kann ich nicht einfach ein Punk Rock-Riff einschieben, haha, das würde die ganze Sache zerstören. Ich wollte mit Devilspit andere Gebiete erkunden, die eher das wiederspiegeln, was ich heute höre. Also musste ich ein anderes Projekt und einen neuen Anfang schaffen.

Wieso bevorzugst du es, alleine zu arbeiten?

Ich habe einfach nicht die Wahl. Um eine Band zu gründen, brauchst du andere Leute, die deine Sichtweise teilen, ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und es konnte sich einfach niemand für den Kram begeistern. Also habe ich einfach meine Songs gespielt und aufgenommen und es zeigte sich, dass sie einigen Leuten gefällt, weswegen ich sie letztendlich auch veröffentlicht habe.

Verstehst du Devilspit als Nebenprojekt oder sind dir beide Projekte gleichermaßen wichtig?

Sie sind mir beide definitiv gleich wichtig, ich könnte ohne keine der beiden existieren. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Devilspit hat aber fürs Erste höhere Priorität. Ich mache nun schon seit acht Jahren unter dem Namen De Silence et d'Ombre Musik, ich muss hier einfach mal eine Pause nehmen, um meine Kreativität zu regenerieren.

Devilspit und De Silence et d'Ombre sind sehr unterschiedlich und repräsentieren zwei völlig unterschiedliche Welten. Wie ist es möglich, kreativ derart ambivalent zu arbeiten?

Ich denke, du musst einfach ein Gefühl dafür haben, was zu dem jeweiligen Projekt passt und was nicht. Ich verfolge zwei Ansätze: Die dunkle Spiritualität auf der einen Seite und die bodenständige Aggression mit einer Fuck Off-Attitüde auf der anderen Seite.

Vor Kurzem hast du dein zweites Tape Grim, Hateful And Drunk veröffentlicht. Es ist offensichtlich, dass eine Menge negative und aggressive Kräfte in deiner Musik stecken, die relativ direkt artikuliert werden. Was sind die Gründe für diese konzeptionelle Ausrichtung und woher kommt diese Wut, die deiner Musik innewohnt?

Wow, das ist eine schwierige Frage. Wut ist ja nicht per se vorhanden, sie entwickelt sich erst mit der Zeit, ob man es möchte oder nicht. Devilspit ist sehr vom Punk geprägt und drückt definitiv meine Wut gegen bestimmte Dinge aus, die mich anpissen oder angepisst haben. Das verbinde ich mit dem Punk-Ansatz, auch wenn ich keine sozialen Aspekte einbeziehe. Es geht vielmehr darum, was es bedeutet, ein Außenseiter zu sein, sich bestimmten sozialen Gruppen zu verweigern und eine vereinheitlichte Kultur zu verneinen.

Wofür steht die Abkürzung "A.R.B.P.M.", der Titel des dritten Tracks?

Alcoholic Rural Black Punk Metal! Das ist eher als Witz gemeint, Bands suchen ja häufig nach einer Möglichkeit, einen eigenen Stil zu erfinden, also habe ich mir mein eigenes Genre ausgedacht. Für mich ist die Bezeichnung allerdings schon von Bedeutung. Ich fühle mich ländlichen Umgebungen sehr verbunden, was vielerlei Gründe hat. Hier finde ich Inspiration und Ruhe, fast ein wenig wie Thoreau. Ich würde mich in gewisser Weise als Naturalist verstehen. Wie dem auch sei, ich bin auf dem Land aufgewachsen, meine Großeltern väterlicherseits waren Farmer, also ja, ich bin irgendwo bäuerlich. Der nächste Teil der Bezeichnung widmet sich dem Alkohol. Meine Freunde und ich trinken für gewöhnlich viel, wenn wir uns treffen, was nicht nur etwas mit Metal zu tun hat, sondern von Zeit zu Zeit auch meinen Verstand übel mitnimmt. Black Punk Metal ist schließlich einfach die Musik, die ich mache. Ich verstehe den Song als ein Manifest.

Welchen Song würdest du auswählen, wenn du jemanden, der noch nie Devilspit gehört hat, in dein Schaffen einführen möchtest?

Hmmm... Ich würde wahrscheinlich einen eingängigen Song wie "Lack Of Tolerance" oder "A Tous les Faux" wählen. Ich denke, sie repräsentieren ganz gut, was ich mit meiner Musik erreichen möchte. Zudem behandeln sie auch sehr persönliche Themen.

Der Song "A Tout le Faux" ist der erste mit französischen Lyrics. Kannst du uns etwas über den Hintergrund dieses Stückes verraten? Wovon handelt er? Und warum singst du ansonsten hauptsächlich auf Englisch?

Der Song war der Versuch, etwas Neues auszuprobieren. Der Text ist sehr ironisch und handelt davon, wie wichtig es den Menschen ist, was andere von einem halten, speziell in der Metal-Szene. Die Art, wie wir uns ausdrücken, die Patches und das ganze Drumherum, alles Streitigkeiten um die Mode, das kann man einfach nicht leugnen! Im Grunde möchte ich nur sagen, dass derartige Anpassungsversuche falsch sind. Und dennoch tun wir alle es in gewissen Maßen. Das ist die Ironie bei der Sache. Und dann gibt es noch diese Vollidioten, die dich über dieses oder jenes belehren wollen, wobei sie selbst vor zwei bis drei Jahren noch beschissene Bands gehört haben. Und ich denke mir: Hört doch einfach mit dieser Scheiße auf, steht einfach zu den Sachen, die ihr wirklich mögt und nicht nur, weil es irgendein Trend oder Hype ist. Im weiteren Sinne handelt der Song aber von Lügnern und Verrätern. Ich denke, dass jeder welche kennt.

Würdest du deine Musik als old-school bezeichnen? Es ist offensichtlich, dass du modernen Einflüssen weitestgehend entgegenstrebst, aber ist es wirklich dein Ansatz, die alten und prototypischen Charakteristika des Metals aufleben zu lassen?

Die Musik ist nicht in dem Sinne old-school, als dass ich mich bewusst dazu entschieden habe, Retro-Thrash oder dergleichen zu machen. Es sind einfach die Einflüsse, die old-school sind, weil sie Anfang/Mitte der Achtziger angesiedelt sind. Dennoch versuche ich beim Schreiben meiner Musik im Hinterkopf zu behalten, dass wir das Jahr 2015 schreiben.

Davon ausgehend ist es recht auffällig, dass es in letzter Zeit einige Bands wie Midnight, Possession oder Children Of Technology gibt, die sich aktiv vor modernen Einflüssen wehren und den primitiven und ungeschönten Kern des Metals hervorheben. Wo siehst du die Gründe für die Rückkehr zu diesen alten Werten? Und fühlst du dich derartigen Bands verbunden?

Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, die Leute haben einfach keine Lust mehr auf die Bands, die sie Mitte der 2000er gehört haben. Diese ganze moderne Scheiße, die immer schnelleren Songs für das "Extreme", die Technik... Für Leute, die sowas gehört haben, ist "old-school" sicherlich etwas Neues, schätze ich. Aber ich fühle mich diesem Revival nicht wirklich verbunden. Als ich mit dem Black Metal anfing, beinhaltete das das ganze Paket, inklusive alte Venom, Bathory und Hellhammer. Ich liebe diese Bands. Aber Gruppen wie Midnight fühle ich mich nicht wirklich verbunden. Ich meine, ich höre sie, aber Devilspit ist letztendlich eher im Punk Rock verwurzelt.

Was mir am meisten an deiner Musik gefällt, ist die Tatsache, dass man sie nicht kategorisieren kann. Die meisten Metal-Bands der heutigen Zeit verstehen sich als Bestandteil eines spezifischen Sub-Genres, aber Gruppen wie Hellhammer oder Venom waren irgendwo zwischen Black, Thrash und Speed Metal. Diese naive, unvoreingenommene Herangehensweise ist etwas, das ich auch in deiner Musik finden kann. Kannst du dem so zustimmen?

Fuck yeah, genau das liebe ich so sehr am "Extreme Metal" der Achtziger. Es ist Thrash, Black, Punk, Heavy. Viel weniger stereotypisch als die Genres, die später aufkamen, wie der "reine" Thrash oder Black Metal. All diese Bands waren Pioniere und ich versuche ihrem Beispiel zu folgen, nicht um ein Genre zu erschaffen, sondern um mein eigenes Ding durchzuziehen, ohne dabei ein Rip-Off zu sein.

Wie würdest du die Essenz deiner Musik beschreiben? Was sind die wesentlichen Aspekte deines Songwritings, die letztendlich einen Devilspit-Song ausmachen?

Man braucht ein eingängiges Riff, um den Song einzuleiten. Dieses Riff braucht auch ein gewisses Black Metal-Feeling. Und du brauchst einen Punk Rock-Rhythmus. Wenn dies gegeben ist, lässt sich auch der Rest schreiben.

Gibt es auch Aspekte deiner Musik, die du künftig gerne verbessern möchtest?

Das Singen auf Französisch. Ich bin noch nicht komplett zufrieden damit, ich denke, ich kann das besser. Aber die Songs rocken dennoch. Mehr fällt mir gerade auch nicht ein. Ich würde den Songs vielleicht noch gerne mehr Rock-Feeling verleihen, aber ich habe bisher nicht herausgefunden, wie ich das machen könnte.

Kannst du deine Verbindung zum Punk erläutern? Es ist offensichtlich, dass das Genre einen Einfluss auf deine Musik hat, aber hast du auch eine persönliche Beziehung zum Punk?

Ja, die habe ich. Als ich anfing, mich für Musik zu interessieren, hörte ich alles, was Gitarren beinhaltet. Das beinhaltet auch die Black Sabbath-LPs meines Vaters und die CDs, die ich mir ausleihen konnte. Ich war damals 13 und dort, wo ich wohnte, gab es einfach keinen Zugang zum Metal, es wusste ja nicht mal irgendwer, dass es sowas gibt. Auch war niemand aus meiner Altersgruppe am Hard Rock interessiert. Dann kam der Punk mit Bands wie The Offspring und Rancid zu mir, wobei das auch im Prinzip auch die einzigen Bands waren, die mir zugänglich waren. Das war die härteste Musik, die wir damals in der Schule kannten und man galt als ein verdammter Rebell, wenn man den Kram gehört hat. So bin ich damals zum Punk Rock gekommen, worauf Bands wie Black Flag, Dead Kennedys, Subhumans oder Cro-Mags folgten. Durch Cover-Versionen von Metal Bands kam ich dann zu Slayer, Sepultura und so weiter.

Hast du bereits Ideen für kommende Veröffentlichungen? Vielleicht eine 7"-EP? Das Format würde meiner Ansicht nach hervorragend zu deiner Musik passen.

Es gibt noch keine Pläne, ich halte mich einfach an die Punk-Arbeitsweise. Ich nehme die Songs so gut auf, wie es eben geht, und erkundige mich dann, wer bereit ist, sie zu veröffentlichen. Es wäre wirklich fantastisch, wenn es eine 7"-EP von mir geben würde, aber wer bezahlt dafür? Ich bin dafür zu pleite...

Da beide Veröffentlichungen als Demos vermarktet werden: Was können wir vom hypothetischen Debütalbum erwarten? Das erste reguläre Full-Length-Album ist schließlich immer etwas Besonderes für eine Band und ein Ausdruck der künstlerischen Entwicklung.

Ich selbst verstehe beide Tapes als Alben. Es hat viel Zeit gekostet, sie zu schreiben und aufzunehmen... Zudem haben beide eine Spielzeit von über 32 Minuten! Mir ist es scheißegal, wenn die Leute die Tapes als Demos betrachten. Aber wenn die beiden Veröffentlichungen als CDs herausgekommen wären, hätte plötzlich jeder gedacht, dass es Alben sind. Aber mal ehrlich, wer kauft heutzutage noch eine CD einer unbekannten Band? Was gut ist, bleibt auch gut, also erwartet keine großen Änderungen, da arbeite ich lieber langsam und kontinuierlich an Devilspit, habe dafür aber die volle Kontrolle.

Beide Veröffentlichungen erschienen als Tapes bei kleinen Independent-Labels. Wie stark ist die Verbindung zwischen Devilspit und dem Underground? Ist es für dich überhaupt vorstellbar, irgendwann mal bei einem größeren Label zu unterzeichnen? Zudem erscheint es mir so, als ob es wesentlich einfacher ist, ein Label für Devilspit als für De Silence et d'Ombre zu finden.

Ja, ich denke, dass es den Leute einfacher fällt, sich mit Devilspit anzufreunden. Das kann ich auch vollkommen nachvollziehen. Die Musik ist direkt, ziemlich schnell und rau. Es ist ein Klischee, aber ich würde sagen, dass De Silence et d'Ombre eher für die "Elite" ist, für Leute, die sich auch einfach mal hinsetzen und sich in Ruhe mit einem Album auseinandersetzen, fast als eine Art metaphysische Erfahrung. Devilspit hingegen ist der wahre Scheiß, es ist die alltägliche Wut, es ist stärker. Bei einem größeren Label unterzeichnen? Neeee, das wird wahrscheinlich nicht passieren, auch wenn ich es gerne machen würde. Also ja, ich verbleibe im Underground, und das ist auch gut so.

In den Metal-Archives ist die Information zu finden, dass es zwei Live-Musiker gibt. Gibt es etwa Pläne für Konzerte? Und wie bist du mit diesen Jungs in Kontakt gekommen?

Sie sind meine besten Freunde! Ich wollte einfach gerne live spielen und die beiden sind großartige Musiker, also versuchten wir, ein paar Devilspit-Songs auf die Bühne zu bringen. Aber das hat leider nicht so richtig geklappt, zumal ihre andere Band auch eine höhere Priorität hat. Keine große Sache, wirklich nicht, ich würde zwar gerne live spielen, aber zurzeit ist es leider nicht möglich.

Ich würde nun gerne zu ein paar allgemeineren und persönlicheren Fragen kommen, wenn es für dich ok ist. Gab es Momente in deinem Leben, in denen du darüber nachgedacht hast, mit dem Musikmachen aufzuhören?

Nie. Ich mache nun bereits seit acht Jahren Musik, ein Großteil meiner Energie und Leidenschaft fließt hier ein. Ich kann nicht damit aufhören, es ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Persönlichkeit. Mir ist es scheißegal, ob meine Bands bekannt sind oder nicht. Ich mache den Kram, weil ich ihn machen muss. Was bliebe mir übrig, wenn ich nichts erschaffen könnte?

Was sind für dich die größten Errungenschaften deiner kreativen Arbeit?

Schwer zu sagen. Jede meiner Veröffentlichungen war für mich ein persönlicher Erfolgt. Es ist zwar vorhersehbar, aber zum jetzigen Zeitpunkt würde ich wahrscheinlich die aktuellsten Veröffentlichungen Grim, Hateful And Drunk und V für De Silence et d'Ombre wählen.

Gab es spezifische Momente in deinem Leben, die einen wesentlichen Einfluss auf deine künstlerische Entwicklung hatten?

Sicherlich, aber das fällt mir dann erst später auf. Ich mache Musik alleine, weil mich die Bands, in denen ich in der Schule gespielt habe, immer frustriert haben. Was wir gemacht haben, war niemals genug, I brauchte mehr Aggressionen und eine dunklere Stimmung. In die Innenstadt zu ziehen, war beispielsweise ein wichtiger Moment: Der ganze Krach, das städtische Leben, das war ich nicht gewöhnt. Mein Leben gleicht einem gigantischen Taco und jedes Mal, wenn ich ein Song schreibe, nehme ich ein Bissen. Dabei ergeben sich verschiedenste Geschmäcker und manchmal ist es verdammt scharf.

Ich bin nun am Ende meiner Fragen angekommen und möchte mich nochmal herzlich dafür bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft. Die letzten Worte gehören dir.

Ich danke dir! Außerdem möchte ich mich bei allen Leuten bedanken, die Devilspit unterstützt haben. Ihr solltet unbedingt mal Herzel anhören, das ist epischer Heavy Metal aus meiner Heimatstadt und ist ziemlich cool. Und vollen Support für Hohl. Und noch etwas an die Leser: Besorgt euch verdammt nochmal mehr Punk Rock-Veröffentlichungen. Wenn ihr das hier liest und euch nicht gefällt, was ich zu sagen habe, tut es mir leid, aber fickt euch.