Ich grüße dich, Sataniac! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für eine kleine Unterhaltung nimmst. Anlass für dieses Interview ist das Live-Album "Live In Bamberg", welches anlässlich eures 25ten Jubiläums veröffentlicht wurde. Doch fangen wir klein an. Alles gut im "Desaster"-Lager? Wie geht es dir?

Wir hatten am Samstag DVD-Releaseparty. Das ging ziemlich lange, und irgendwie fühl ich mich noch nicht so ganz frisch heute Morgen. Aber abseits dieser körperlichen Gebrechen geht es mir gut!

25 Jahre ist wirklich eine lange Zeit. Kaum eine Band hat eine derart lange und aufregende Historie. Natürlich gab es auch bei euch ein paar Besetzungswechsel, doch habe zumindest ich immer das Gefühl gehabt, dass "Desaster" immer "Desaster" blieb. Ihr seid eurem Konzept stets treu geblieben. Kannst du diesen Eindruck bestätigen? Was macht diese Konsequenz und Beständigkeit aus?

Wir machen einfach die Musik, die wir lieben. Da wir nie von der Band leben wollten oder wollen, ist es natürlich auch einfacher, sich selbst treu zu bleiben.

Du bist nun seit 2001 Sänger der Band und dies war gleichzeitig der letzte Wechsel im Line-Up. Entsprechend ist "Desaster" personell seit 13 Jahren unverändert. Was ermöglicht eine derart lange Kooperation zwischen euch? Neben der musikalischen Leidenschaft gibt es hier sicherlich auch eine starke emotionale Bindung zwischen euch, oder?

Na ja, für mich ist das selbstverständlich, dass meine Bandkollegen auch meine Freunde sind. Warum sollte man mit Arschlöchern in einer Band spielen. Das würde nur Sinn ergeben, wenn der "Bandjob" 'ne Menge Kohle abwirft. Natürlich sind wir Freunde ? auch, wenn man in den letzten Jahren natürlich nicht mehr pausenlos aufeinander hängt, da es ja auch ein Leben neben "Desaster" gibt. Es ist wie in einer kleinen Familie, wo man sich natürlich auch mal heftig streitet und fetzt, aber am Ende des Tages steht man wieder auf einer Seite oder eben auf der Bühne.

Was sind deiner Meinung nach die grundlegenden Charakteristiken von "Desaster", die die Band zu dem machen, was sie ist?

Authentizität, Stiltreue, Kompromisslosigkeit.


Eine hypothetische Frage: Wie wäre euer Leben wohl verlaufen, wenn es "Desaster" nie gegeben hätte?

Ich würde mit und in einer anderen Band Krach machen, ob erfolgreich oder nicht!

Kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Interviews: Dem Live-Album "Live In Bamberg". Dieses ist die Aufzeichnung eures Jubiläums-Konzertes, welches ihr im vergangenen Jahr in Bamberg gehalten habt. Woher stammt die Idee, eure 25-jährige Geschichte derartig zu zelebrieren?

Na ja, sind 25 Jahre durchhalten nicht Grund genug, sowas zu zelebrieren? Außerdem feiern wir gerne!

Was mir besonders an den Aufnahmen gefällt, ist der authentische, ruppige Charakter. Viele andere Live-Alben klingen derzeit fast wie Studioaufnahmen mit eingespielten Publikumsreaktionen zwischen den Songs. Beim Hören von "Live In Bamberg" hatte ich allerdings das Gefühl, direkt vor der Bühne zu stehen. Das liegt sicherlich am puristischen, aber sägenden Sound, den unzensierten Publikumsstimmen, sowie den ehrlichen und unverfälschten Ansagen. War dieser Eindruck von euch ein bewusstes Ziel oder ist es eben einfach nur die ungeschnittene Dokumentation dieses denkwürdigen Abends?

Wir können nicht schauspielern. Das, was man hört und sieht, ist "Desaster". Natürlich war der Gig mit den ganzen Ex-Mitgliedern etwas Besonderes, aber grundsätzlich wollten wir eine "Desaster"-Show aufnehmen, so wie diese eben ihren Verlauf nimmt. Ungeschönt und roh!

Da ich bisher nur die Audio-Dateien zum Hören zur Verfügung hatte und an dem Abend auch nicht vor Ort sein konnte, möchte ich dich bitten zu beschreiben, was man von dem Visuellen zu erwarten hat.

Na ja, man sieht noch Bilder und diese sogar in Farbe. Der Größte Unterscheid zur DVD-Version ist natürlich die Banddokumentation, die, so wie ich glaube, ganz unterhaltsam geworden ist. Hier werden halt die 25 Jahre "Desaster" beleuchtet, und da hat der gute Bomber (http://www.visions-in-fear.de) ganze Arbeit geleistet.

Gibt es vielleicht auch Aspekte des Konzertes, die durch die Aufnahmen nicht eingefangen werden konnten? Solange Geruchsfernsehen noch nicht entwickelt ist, wird man wohl beispielsweise auf den Schweiß-, Leder- und Biergeruch verzichten müssen.

Ich bin zum Beispiel gar kein Fan von DVDs oder Livevideos, weil selten die Stimmung eines Gigs festgehalten werden kann. Das ist bei "Live In Bamberg" natürlich ganz anderes, hahaha...

"Live In Bamberg" erscheint über High Roller Records und ist sicherlich sowohl für die Band, als auch für das Label etwas Besonderes. Wie kam die Kooperation zu Stande und gab es vielleicht auch Schwierigkeiten bei dem Projekt?

Metal Blade hatten keine Interesse, eine DVD von "Desaster" zu veröffentlichen, und da der Steffen (HHR) immer einwandfreie Qualität liefert, haben wir uns für High Roller entschieden. Und jetzt, wo ich DVD, LP und CD in der Hand hatte, muss ich sagen, die Entscheidung war wieder absolut richtig!

Wie seid ihr bei der Auswahl der Songs für die Setlist vorgegangen? Welche Kriterien mussten die Stücke erfüllen, um Teil des Abends zu werden?

Wir mussten oder wollten natürlich jede Veröffentlichung der letzten 25 Jahre berücksichtigen, da es ja sonst kein vollständiger Rückblick gewesen wäre. Dazu wurde noch bei den Stücken, die Okkulto zum Besten gegeben hat, ein Fanvoting durchgeführt. Es ist natürlich nicht möglich, alle Singlehits aus 25 Jahren unterzubringen, aber ich denke, jeder dürfte seinen Song finden.

Gibt es Lieder, ohne die ein "Desaster"-Auftritt für dich undenkbar wäre?

Na ja, es gibt halt diese "Pflichthits", die jede Band immer spielen muss oder soll. Allerdings bin ich selber auch mal froh, wenn eines der Stücke, welche wir immer wieder und wieder spielen, mal nicht im Set auftaucht, und dafür ein eher "unbekanntes" Stück in die Spielliste rutscht. "Teutonic Steel" und "Metalized Blood" sind so Dinger. Natürlich wollen die meisten Fans die Dinger hören, was natürlich auch verständlich ist.

Nebst Klassikern und neueren Stücken habt ihr auch einige sehr alte Stücke vorgetragen, die viele sicherlich nicht mal kennen. Diesbezüglich wäre beispielsweise "Evil Arschloch" zu nennen. Was waren die Gründe dafür, derartige Stücke in die Setlist aufzunehmen?

Diese Stücke sind der Anfang von "Desaster". Es sind die Wurzeln, und ohne Wurzeln kann man nun mal nicht bodenständig bleiben. Diese Dinger gehören einfach dazu und dürfen dann natürlich auf so 'ner 25 Jahres-Platte nicht fehlen.

Eine weitere Besonderheit des Abends war, dass ihr auch alte Bandmitglieder auf die Bühne geholt habt. War es schwer, mit diesen in Kontakt zu treten? Auch kann ich mir vorstellen, dass es nicht ganz einfach war, die alten Songs bühnenfähig aufzuarbeiten.

Schön war, dass Okkulto im Gegensatz zur 20 Jahres-Feier dieses Mal mit von der Partie war. Einfach ist das natürlich nicht, aber da alle Ex-Mitglieder noch in relativer Schlagweite wohnen, ist es auch nicht ganz so schwer gewesen.

Zusätzlich habt ihr das "Slayer"-Cover "Black Magic" vorgetragen. Wieso habt ihr euch ausgerechnet für dieses Stück entschieden? Habt ihr eine besondere Beziehung zum Frühwerk der amerikanischen Urgesteine?

Einmal das, und außerdem ist es schwer, spätere Songs der Totschläger mit nur einer Gitarre zu spielen. Es war mir persönlich sehr wichtig, Mr. Hanneman mit einem Song auf der DVD zu ehren!

Gibt es vielleicht auch Aspekte am Konzert oder dem Live-Album, welche ihr im Nachhinein gerne anders gelöst hättet oder war der Abend, so wie er war, für euch optimal?

Wir sind keine professionelle Band und solch ein Abend passiert letztlich aus dem Bauch heraus. Ich hab mir auch keine großartigen Ansagen überlegt, da das einfach zu gekünstelt rüberkommt. Ich bin eh nicht der Typ für lange Ansagen, weshalb das, was auf dem Album zu hören ist, auch von jeder anderen "Desaster"-Show stammen könnte. Wer will denn auch mein dummes Geschwafel hören. Alles, was zu sagen ist, sagen wir mit Musik, hahaha. Ich finde, die Show ist authentisch und deshalb in meinen Augen auch optimal!

Was fühlst du, wenn du dir die Aufzeichnungen heute privat anguckst?

Man ist schon etwas stolz. Man erinnert sich an die feine Partie vom letzten November und registriert mal, wie lange man den Kram schon macht. Außerdem ist man stolz auf die Anhänger, die in unserem Fall den Metal ebenso sehr lieben wie wir selber. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, wenn ich die DVD in 25 Jahren mal wieder einlege.

"Live In Bamberg" erscheint als LP, CD und DVD. Welches Format würdest du bevorzugen, um die Stimmung des Abends aufleben zu lassen?

Da ich keine DVDs mag, würde ich das Vinyl bevorzugen! Außerdem sieht man da unsere hässlichen Fratzen nicht!

Das Making-Of des Coverartworks wird als Bonus auf der DVD zu finden sein. Magst du ein paar Worte über den Künstler und seine Arbeit verlieren?

Axel Herman ist ja kein Unbekannter mehr und hat für "The Arts Of Destruction" ein tolles Cover gemalt. Mit den ersten Entwürfen zum DVD-Cover war ich nicht so zufrieden, aber jetzt, wo ich die fertigen DVDs und Platten gesehen habe, muss ich sagen, es passt super zu unserer Liveaufnahme. Außerdem ist der gute Mann ein sehr ruhiger und netter Zeitgenosse, der immer, wenn ich ihn sehe, irgendwas am Zeichnen ist. Sogar auf unserer Releaseparty war er wieder irgendwas am "Malen". Vielleicht auch, weil die Party so langweilig war, wer weiß das schon.

"Pentacle" und "Delirium Tremens" waren die Vorbands an diesem Abend. Hattet ihr beim Line-Up ein Mitspracherecht? Und wieso hat man sich für diese Bands entschieden?

Na ja, wer sollte uns denn vorschreiben, welche Vorbands wir nehmen?! "Pentacle" sind schon Ewigkeiten gute Freunde von uns, dazu mag jeder von "Desaster" die Musik der Jungs. "Delirium Tremens" sind auch gute Kollegen, kommen aus Bamberg und konnten dadurch die Backline stellen. Außerdem passen beide Bands vom Sound her gut zu uns, ohne aber hundert Prozent denselben Stil zu spielen. Ein bisschen Abwechslung muss sein.

Kommen wir nun zu allgemeineren Themen. Arbeitet ihr bereits an neuen Projekten oder gönnt ihr euch nun erst mal eine Pause?

Wir arbeiten eigentlich ständig an neuen Songs. Mal fokussierter, mal weniger akribisch. Es sind auch schon drei bis vier neue Songs fertig, aber für ein neues Album zu planen, ist es noch etwas früh. Auch hat die Arbeit an der DVD einiges an Zeit gekostet.

Ein Tribute-Album namens "We Worship Desaster" ist angekündigt. Empfindest du derartige Projekte als schmeichelhaft? Und was sagst du zu den partizipierenden Bands?

Ich hab das Dingen noch nicht gehört, aber natürlich schmeichelt eine solche Hommage. Klar, das zeugt von Wertschätzung. Großer Dank an alle, die sich einen unserer Songs rausgepickt haben.

Ist für "Desaster" überhaupt ein Ende in Sicht? So passioniert und energetisch wie das Live-Album klingt, hat man zumindest nicht den Eindruck.

Solange wir Spaß und Energie haben, werden wir weitermachen. Man weiß nun mal nie was kommt!

Folgende Frage stelle ich eher aus Eigeninteresse: Als langjährige Besucher des Headbangers Open Airs würde ich mir wünschen, dass ihr hier im Norden auf diesem sympathischen Festival erneut auftreten würdet. Wäre dies für euch denkbar?

Klar, wenn man uns einlädt, sind wir für fast alle Missetaten zu begeistern!

Wir sind nun am Ende des Interviews angekommen. Ich möchte dir erneut für deine Zeit danken und wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Die letzten Worte gehören dir.

Habt Dank für Euer Interesse am Debakel! "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrsinn!"
Sataniac