Grüße Gerrit!

Servus!

Schön, dass du dir für dieses Interview ein wenig Zeit genommen hast. Ich werde versuchen, in diesem Interview den Menschen eure komplette Bandgeschichte ein wenig detaillierter näher zu bringen, also hoffe ich, dass du es bequem hast und genügend Zeit offen hast.

Ich werde mir Mühe geben.

Ihr seid ja bekanntermaßen DIE Doominstitution Deutschlands. Nach eurer Gründung im Jahre 1990 folgte bereits ein Jahr später euer erstes Demo "Path of the Worm". Welche Ziele habt ihr euch damals vor rund 19 Jahren bei der Bandgründung gesetzt?

Das eigentliche Ziel war es eine Saint Vitus Coverband zu gründen. Das hat ja nun nicht wirklich geklappt, also haben wir halt eigene Songs aufgenommen.

Wolltet ihr von vorne rein die Musik spielen, wie ihr es heute tut?

Ja, sicher! Zu Anfang waren wir halt vom Songwriting natürlich noch nicht so eingespielt wie heute und etwas abenteuerlustiger.

Und wie gut denkst du, habt ihr dies dann auf dem angesprochenen Demo umgesetzt?

Ich finde das Demo nach wie vor super!

Obgleich ihr in der Szene einer der bekanntesten Vertreter dieses Genres seid, folgte erst im Jahr 1998 euer erstes Full-Length Album, namentlich "In the Valley of Tears". Bis dato habt ihr vier Demos und eine EP veröffentlicht. Die EP "Celebrate the Agony" war eure 2. Veröffentlichung und wurde über "Tales Of Sadness Records" veröffentlicht. Wie kam es damals zu dem Kontakt mit dem Label und warum habt ihr euch von diesem getrennt?

Na ja, Label ist sicher etwas übertrieben gesagt. Der Oli hat mich damals kontaktet und wir haben uns dann halt die Presskosten geteilt. Dann ist der Oli samt seinem "Label" einfach abtaucht. Ich habe seitdem nichts mehr von Ihm gehört.

In den nächsten drei Jahren folgten dann eure Demos. Namentlich "Doomcult Performance Live" (1994), "Black Revelations" (1995) und "In Servitude to Destiny" (1996). Gab es in dieser Zeit einen musikalischen Wandel bei euch?

Das Doomcult Live-Ding war genau wie das Black Revelations-Teil nur ein inoffizielles Rehearsal. Lediglich In Servitude... ist ein richtiges Demo. Ja, wir wandelten uns insofern damals, dass der Jörg zum Hauptsongschreiber wurde und ich nur noch die Texte und Gesangslinien machte. Ich hängte dann die Gitarre ein paar Jahre komplett an den Nagel. Für das neue Album hab' ich dann mal wieder einen Song komponiert.

Das Songwriting ging damals wohl im Gegensatz zu heute recht locker und schnell von der Hand. Fällt euch das Schreiben neuer Songs heute schwerer oder habt ihr einfach weniger Zeit als damals?

Wir haben heute definitiv weniger Zeit und Muse. Je älter man wird destob schneller rast die Zeit davon. Wir machen uns da aber auch gar keinen Streß: kommt Zeit, kommt Doom.

1998 war es dann soweit. Unter dem Label "Iron Glory Records" habt ihr euer erstes Full- Length Album "In the Valley of Tears" veröffentlicht. Was für ein Gefühl war es für euch, euer erstes richtiges Album unter das Volk bringen zu können? Ich kann mir vorstellen, dass es eine regelrechte Genugtuung ist, nach so langer Zeit endlich ein Album releasen zu können.

Das war in der Tat eine schöne Sache, zumal wir mit dem Album auch wirklich sehr zufrieden waren und noch sind.

Bist du mit dem Album zufrieden, wenn du es heute mit einer gewissen Distanz anhörst und was würdest du am ehesten ändern?

Ich würde nichts ändern. Das Album ist so wie es ist, mit allen Kanten und Ecken.

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum seit eurer ersten Veröffentlichung kam die EP "Slow is the Suffering" raus. In diesen 10 Jahren (seit der Gründung sogar 11), hattet ihr nur ein einziges LineUp Wechsel. Dabei hat euer Drummer Oliver Christian Schramm seinen Posten verlassen und wurde durch Dennis Schediwy ersetzt. Wann und warum habt ihr euch von Oliver getrennt und wie kam der Kontakt zu Dennis zu Stande?

Oliver ist eines Tages einfach nicht mehr zur Probe erschienen. Er hatte damals einfach mehr Lust, sich voll und ganz auf seinen Computertick zu konzentrieren. Dennis war der beste Freund eines Bekannten von mir und wurde uns von diesem empfohlen.

Was hält eine Band wie euch so lange zusammen? Ist es die Liebe zum Doom Metal oder verbindet euch auch außer-musikalisch eine Freundschaft?

Beides: die Liebe zur Musik und echte Freundschaft. Und die Tatsache, dass wir das alles zwar mit voller Hingabe aber ohne Druck machen.

Eure Demos sollten im normalen Handel wohl schon länger nicht mehr erhältlich sein. War das der Grund, weshalb ihr euch 2003 dazu entschlossen habt, einige eurer Demo-Tracks zu remastern und in einer limitierten Stückzahl von 500 als Vinyl erneut unter das Volk zu mischen?

Was damals auf Vinyl veröffentlicht wurde, war die bislang unveröffentlichte erste Platte names "Doomcult Performance". Wir waren damals (1994) total unzufrieden mit dem Sound und haben das Teil deshalb nicht rausgebracht. Als es die Möglichkeit gab, es zu remixen, haben wir uns doch zu einem Release entschlossen. Wir betrachten aber weiterhin "In the valley..." als unser richtiges Debüt.

Erst so spät im Interview kommen wir endlich zu eurem neuesten Tonträger "The Peaceful Dead". Bevor ich zum Album an sich komme, würde ich aber gerne fragen, wie eure tiefe Bindung zu eurem neuen Label "Massacre Records" zu stande gekommen ist. "Tief" sage ich, weil sowohl die Death Metal Band "My Darkest Hate", in dem euer Gitarrist Jörg mit spielt, als auch "Sacred Steel", bei denen sowohl du, als auch Jörg Mitglieder sind/waren, bei "Massacre Records" unter Vertrag stehen.

Ganz einfach: da wir vertraglich mit unseren anderen Bands an Massacre gebunden sind, haben Massacre auch grundsätzlich die Option andere Bands oder Projekte von uns zu veröffentlichen. Diese Option haben sie bei DOW wahrgenommen.

"The Peaceful Dead" verstehe ich als Tribute zum Doom Metal. Besonders der erste Song des Albums "The Music of Despair" zeigt das meiner Meinung nach besonders stark. Wieso widmet ihr euch ausgerechnet dem Doom Metal? Und was bedeutet diese Musik für dich persönlich?

Nun, ich war ja schon einige Jahre beinharter Metal-Fan bevor ich 1986 den Doom Metal über das Candlemass-Debüt richtig kennen und lieben lernte. Dadurch entdeckte ich dann auch die anderen Doom-Perlen in meiner sammlung wie Witchfinder General, Trouble, Black Sabbath, Angel Witch, Cirith Ungol etc. Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Doom deutlich reeller und weniger eskapistisch als der übliche Metal war und mir auch auf emotionaller und spiritueller Ebene mehr geben konnte. Ich fühlte mit diesen Bands einfach eine ganz tiefe Verbundenheit. Doom ist für mich der Blues und die Seele des Heavy Metal.

In dem Song "The Music of Despair" erwähnt ihr Candlemass und Pagan Altar. Welche Bands aus diesem Genre gehören denn sonst zu deinen Favoriten? Wie wäre es mit einem Top-10-Ranking?

Meine Fave Doom Bands aller Zeiten sind:
1.Saint Vitus
2.Candlemass
3.Trouble
4.Pentagram
5.Black Sabbath
6.Witchfinder General
7.Winter
8.Thergothon
9.Solstice
10.Reverend Bizarre

Seit eurer letzten richtigen Veröffentlichung ist einiges an Zeit vergangen. Wann habt ihr überhaupt mit dem Songwriting für das neue Album angefangen und warum hat sich die ganze Geschichte so arg in die Länge gezogen?

Wir haben so ca. vor 5 Jahren mit dem Songwriting begonnen. Zeit ist unser Hauptproblem. Es ist unfassbar schwierig für uns einen Probetermin zu vereinbaren, da wir alle beruflich und privat voll eingespannt sind. Insofern zog sich das alles eben ein wenig Smile . Als wir dann die Songs fertig hatten brauchte es noch fast 2 Jahre, bis wir endkich einen Studiotermin finden konnten, an dem wir alle Zeit hatten.

Wenn du eure beiden einzigen Full-Length Alben "In the Valley of Tears" und "The Peaceful Dead" vergleichst, wo siehst du die größten musikalischen Unterschiede und denkst du, dass "The Peaceful Dead" aufgrund eurer größeren Erfahrung ausgereifter ist?

Ich sehe beide Alben als gleichwertige Geschwister an. Als Unterschied würde ich höchstens den zeitbedingt professionelleren, fetteren, Sound des neuen Albums sehen.

Und dein persönlicher lieblings Song von dem neuen Album ist?

Der Titelsong. Der MUSS auf meiner Beerdigung laufen.

Deine Stimme ist sehr charakteristisch und passt ausgezeichnet zu eurer Musik. Hast du Gesangsunterricht absolviert oder ziehst du dein Können allein aus deinen Erfahrungen mit deinen Bands?

Ich bin immer noch dabei, meine Stimme kennenzulernen und die Möglichkeiten auszuprobieren. Ich hatte nie Unterricht und ich bin auch weit davon entfernt, ein im regulären Sinne guter Sänger zu sein. Mir war aber grundsätzlich schon immer Charakter und Ausdruck viel wichtiger als Können und Technik. Zu viel Können schadet generell der Echtheit und Ursprünglichkeit jeder Art von Kunst.

"Sacred Steel" ist die wohl bekannteste Band, in der du außer bei "Dawn Of Winter" noch mitspielst. Ist es für dich wichtig in verschiedenen Bands aus verschiedenen Genres mitzuspielen? Sozusagen als musikalischen Ausgleich?

Für mich gibt es eben nur zwei Musikrichtungen, in denen ich mich heimisch fühle: Doom Metal und unverfälschter, reinrassiger Heavy Metal. Ich mag durchaus auch andere Metal-Stilrichtungen, aber das sind die orthodoxesten. Als Ausgleich singe ich noch in einer Death Metal Band names Chapel Of Gore. Aber wirklich nur zum Spaß.

Ich würde gerne noch kurz über deine jüngste Band "Angel of Damnation" sprechen. Könntest du bitte kurz ein paar Wörtchen zu dieser Band verlieren? Insbesondere wann man mit dem ersten Album rechnen kann, interessiert sicher einige deiner Fans.

Ach ja, da singe ich auch noch, stimmt. Und noch in ein einer Saint Vitus Coverband names "The Thirteenth Of November". AOD ist das Baby von Daniel von NOCTURNAL. Ich hoffe, dass er demnächst Material für ein volles Album am Start hat. Ich würde wirklich saugerne ein komplettes AOD-Album einsingen.

Hörst du privat eigentlich auch Bands aus anderen, härteren Genres wie Death und/oder Black Metal?

Klar, jede Menge. Momentan sind in der Richtung die aktuellen Scheiben von Demonical, Funebrarum, God Dethroned, Vomitory, Absu, Satyricon, Profanatica, Morrigan oder Archgoat bei mir häufig in der Anlage. Ich bin aber auch ein riesiger Fan von Bands wie Autopsy, Morbid Angel, Death, Carnivore, Mayhem, Immortal, Possessed, Carcass, Massacre, Blasphemy, Celtic Frost, Bathory, etc. Jeder Metal-Bereich hat seine Götterbands. Metal wird nie langweilig.

So, nun sind wir bei der letzten Frage des Interviews angekommen. Ihr seid wohl eine sehr rare Live-Band. Warum spielt ihr so wenige Gigs und sind welche für die Zukunft geplant?

Um live zu spielen, müssten wir das Programm einstudieren. Dazu müßten wir proben. Dazu bräuchten wir Zeit. Das alte Problem...Es sind momentan absolut keine Gigs geplant. Wir denken aber prinzipiell über jedes Angebot nach und überlegen, ob wir das realisieren könnten.

Ich hoffe, du hast keine schweren Schäden von diesem Interview davon getragen und wünsche dir viel Glück für die Zukunft von "Dawn Of Winter" und natürlich auch für deine anderen Bands. Die letzten Worte gehören dir.

Danke für das Interview!!! Keep supporting the underground!!!!
On behalf of Dawn Of Winter,
Gerrit