Moin, moin ihr Jungs von "Assassin". Wie gehts?

Du weißt doch: schlechten Menschen geht es immer gut.

Ich will nicht lange um den heißen Brei herum reden. In eurer Besetzung hat sich etwas getan. Und zwar gibt es mit Joachim Kremer einen neuen Bassisten und Björn Sondermann übernimmt die Position des ehemaligen Schlagzeugers Frank. Wie kam es zu den Drehungen in der Rhytmus Sektion eurer Band? Und wie hat die Band das als Einheit überstanden? Von Band zu Band ist es ja unterschiedlich, wie schnell sich neue Mitglieder einspielen.

Also unsere zwei Neuen haben sich schon soweit integriert, dass sie Kaffee machen dürfen. Wenn sie dann noch unsere Prügelgasse überstanden haben, kann man sie Vollmitglieder nennen. Ufo Walter, unser damaliger Bassist hat als Profimusiker zu viel zu tun und dadurch kam es immer zu terminlichen Problemen. Wir haben auch damals schon einen festen Bassisten gesucht, aber leider war nie der Richtige dabei. Mit Joachim war das anders. Direkt beim ersten Song war uns klar, dass wir nicht mehr weiter testen müssen.
Die Geschichte mit unserem Drummer Frank Nellen war für uns auch überraschend. Er kam in den Proberaum und sagte, dass er zu viel privat um die Ohren hat und leider nicht mehr weitermachen kann. Nach dem ersten Schock haben wir einige Drummer eingeladen und am Ende war es Björn, der am besten zu "Assassin" passte.

Werden die neuen Mitglieder Änderungen im Sound von "Assassin" mit sich bringen? Und in dem Zusammenhang: Ist es euch als Musiker die Beibehaltung des alten, bewährten Stils oder die Weiterentwicklung der Musik wichtiger?

Es ändert sich schon etwas: Unsere Rhythmussektion ist jetzt wesentlich aggressiver und exakter. Das wird sich sicher beim nächsten Album bemerkbar machen. Die neuen Songs waren eh schon aggressiver als das Material von "The Club" und damit kannst du ein pures Thrashalbum erwarten. Hör dir einfach mal drei von den neuen Songs auf unserer MySpace Seite an: www.myspace.com/assassinthrashmetal

Bis auf die oben genannten neuen Mitgliedern sollte aber eure Konstellation noch aus den Gründungsmitgliedern bestehen, oder täusche ich mich? Was hält euch als Band so viele Jahre und trotz einer zwischenzeitlichen Pause immernoch zusammen?

Eigentlich haben eine Menge hartnäckiger Assassin Fans dafür gesorgt, dass wir uns reformiert haben. Seit 2003 haben wir nun pausenlos zu tun und denken nicht an ein Ende. Im Gegenteil.

Euer erstes Demo wurde 1985 veröffentlicht. Dementsprechend seid ihr schon lange in der Szene und als Musiker unterwegs. Habt ihr euch selbst alterstechnische Grenzen gesetzt oder zieht ihr das durch bis ihr von der Bühne kippt?

Ja, so ungefähr wird das wohl dann enden. Vielleicht steigen aber auch immer neue Leute ein, so dass die Band noch nach 2100 auf der Bühne steht. Oder wer weiß, wie weit die inzwischen mit dem Klonen sind?

Viele alt eingesessene Fans halten ja an eurem Debüt fest, das nicht ohne Grund Kultstatus in der deutschen Thrash Metal Szene hat. Wie findet ihr das als Musiker? Macht es euch stolz, dass ihr so etwas Großes erschaffen habt, oder denkt ihr, dass dadurch euer neues Material nicht die gewünschte Aufmerksamkeit bekommt?

Eigentlich ist es so, dass unser zweites Album "Interstellar Experience" damals die größte Aufmerksamkeit bekommen hat und sich auch am meisten verkauft hat. "Upcoming Terror" ist sicher ein super Album und hat auch verdientermaßen eine Menge Fans, aber das Leben geht eben weiter.

Wie ich sehe, spielt ihr am 24. März ein Konzert. Aber nicht irgendeins, sondern ihr fliegt nach Beijing/China. Was zur Hölle motiviert einen zu so einer großen Reise?

Unser Sänger Robert wohnt seit 1994 in Peking. Da ist es etwas leichter. Es gab auch nicht besonders viele westliche Bands, die bisher in China aufgetreten sind, so dass wir sogar ein wenig stolz sein können. Mal schauen wie wir da mit unserem Krach aufgenommen werden.

Aber das ist noch nicht alles. In diesem Jahr tretet ihr auch noch auf dem True Thrash Festival in Osaka auf. Könnt ihr ein wenig über das Festival erzählen und was ihr für Erwartungen habt?

Das Festival wird organisiert von Miki von Rock Stakk Records. Er meinte, dass Assassin den Headliner für 2010 machen müssen und hat uns kontaktiert. Die Vorverkäufe laufen super und sehr wahrscheinlich wird?s davon auch eine DVD geben. Ich bin wirklich gespannt, was da noch auf uns zu kommt.

"The Club" kam 2005 raus und war euer erstes Lebenszeichen nach der Trennung. Bis auf die Konzerte gab es aber wenig von euch seitdem zu hören. Wird es überhaupt nochmal neues Material von "Assassin" geben?

Die Songs für das neue Album sind fertig und wir sind in Verhandlungen mit einer Handvoll Plattenfirmen.

Wie waren eigentlich damals die Reaktionen auf "The Club"? Und als wie wichtig erachtet ihr dieses Album? Immerhin entscheidet das erste Album nach einer Wiedervereinigung oft darüber, ob alt eingesessene Fans die Band weiter verfolgen.

Die Resonanzen waren zweigeteilt. Wir haben mit Album ein wenig herumexperimentiert und das ganze dann in Eigenregie aufgenommen und gepresst. Die Stücke auf "The Club" sind ein Sammelsurium aus 20 Jahren von verschiedenen Besetzungen. Wir haben damit zwar eine Menge neuer Fans bekommen, die vorher nie etwas mit Assassin anfangen konnten, aber einige alte Upcoming Terror Banger waren eher enttäuscht. Die werden aber hoffentlich bei unserem neuen Album wieder in Verzückung geraten.

Wann wird man euch als nächstes in Deutschland zu Gesicht bekommen? Ich hätte mir euch ja für das Headbangers Open Air gewünscht. Oder seid ihr eher eine Club-Konzert-Band?

Ich denke, dass wir im Herbst, nach dem Release von CD No. 4 auf jeden Fall wieder unterwegs sein werden. Es kommt jetzt darauf an, mit welchen Partnern wir zusammen arbeiten werden.

Ihr gehört mit anderen namenhaften Bands ja zu der Ursuppe des deutschen Thrash Metals. Schwelgt ihr gerne in den Erinnerungen an die alten Tage und was vermisst ihr am meisten?

Wir haben so viel zu tun, dass jeden Tag neue Erinnerungen dazukommen. Da bleibt keine Zeit etwas zu vermissen.

Ich würde noch gerne kurz mit euch über eure hier ansässigen Kollegen reden. Gerade die Milles Truppe "Kreator" haben ja einen riesigen Popularitätsschub bekommen. Wie seht ihr die Entwicklung der Musik und was sagt ihr zu den aktuellen Alben der deutschen Thrash Szene?

Mir gefällt das aktuelle Album von "Kreator" sehr gut. Ansonsten kenne ich kaum gute neue Releases. Die neue "Slayer" hat mich - bis auf ein paar Ausnahmen - überzeugt.

Es gibt ja zur Zeit ein Trend, alte Klassiker neu aufzunehmen. "Exodus" haben es vorgemacht und nun folgen "Sodom". Was haltet ihr davon? Muss man sowas jetzt nun auch von euch befürchten?

Ich kann mir sowas höchstens als Bonustrack vorstellen. Es ist auf der anderen Seite auch reizvoll, mal zu hören, wie sich ein Album mit neuer Besetzung und anderem Produzenten anhört.

Was bedeutet Thrash Metal für euch? Ist es mehr als Kutten, Sportschuhe und Bier?

Thrash Metal war für mich immer kompromisslos aggressiv und schnell. Die Thrashgemeinde war damals eine weltweite Einheit und Kutten, Sportschuhe und Bier waren zwar ohne Ende vorhanden, aber keine Pflicht. Es war egal, ob man in Jeansjacke, Stiefel, Patronengürtel oder Leder rumgelaufen ist. Wichtig war eigentlich immer nur das standesgemäße T-Shirt. Zum Bangen waren lange Haare sicher von Vorteil, aber auch hier war es eigentlich egal.

Gut, das wärs von meiner Seite aus. Ich verabschiede mich und bedanke mich herzlichst für das Interview. Thrash on!

Alles klar, hau rein.