Sei gegrüßt! Vielen Dank für die Möglichkeit, dieses Interview mit dir führen zu können. Da eure Band "Kvlt of Hiob" relativ jung ist, möchte ich dich bitten, ein paar Worte über das Konzept zu verlieren. Welche Ideen waren es, die zu der Gründung geführt haben und wie würdest du die Musik von "Kvlt of Hiob" im allgemeinen beschreiben?

"Kvlt of Hiob" wurde im auslaufenden Jahr 2010 gegründet. Die ursprünglichen Ideen wie es klingen sollte erahnt man eventuell an "The Beholder", welcher noch sehr post-apokalyptisch / Industrial-Black Metal-technich anmutet. Es entwickelte sich jedoch sehr schnell in eine ganz andere Richtung . Das Konzept ist relativ komplex, zum einen bilden Schlechtigkeiten der Kirche ein zentrales Thema und vor allem auch biblische Geschichten, die ich umschreibe, sowie christliche Ikonographie. Desweitern geht es um den Glaube an sich und zuletzt auch um surreale Traumvisionen meiner, die das Fundament der neuen Lieder darstellt.

Kannst du ein paar Worte über euren Namen "Kvlt of Hiob" und dessen Bedeutung verlieren?

Es geht hier nicht um eine Huldigung von Hiob, sondern vielmehr um den Akt der Qualenauferlegung, also der Prozess an sich. Dieser Gedanke hat uns dazu gebracht, den Namen zu wählen.

Ihr seid einer der wenigen Bands im Black Metal-Bereich, die fast völlig auf eine Eigeninitiierung über das Label oder diverse Online-Plattformen verzichten. Bis auf eine Facebook-Seite, die sich größtenteils auf Song-Beispiele und Formalitäten beschränkt, ist es kaum möglich, Informationen über euch zu erfahren, und auch dieses Interview ist das erste und gleichzeitig letzte, welches ihr geben werdet. Was ist Sinn und Zweck dieses anonymisierten Auftretens? Man könnte ja auch sagen, dass solche Selbstdarstellungen ebenso wie Cover-Artworks zum musikalischen Gesamtbild gehören.

Selbstdarstellung spielt dabei keinen Wert. Die Musik und ihre Präsentation sollen für sich sprechen. Wer dahinter steckt, hat hierfür keine Relevanz. Leute, die uns kennen, wissen es und die, die uns nicht kennen, wissen es halt nicht.

Da man bisher noch nicht die Möglichkeit hatte, eure Songtexte zu lesen, würde ich dich bitte, ein wenig über deren Inhalte und Themen-Spektren zu erzählen.

Das Album folgt keinem Konzept, die Songs sind in sich geschlossen. Es werden allgemein bekannte christliche Motive aufgearbeitet und ins Negative ausgedeutet. Der Songtext für "The Lords Prayer" basiert auf drei verschiedenen "Vater Unser", die ich genommen und zusammengefasst habe. Zentrale Schlüsselbegriffe habe ich dabei verdreht und abgeändert. "Abominations of the Earth" handelt von Babylon, "Theos" vom Glaube, "Sacrament" von der Eucharistie, "The Beholder" und "Witches Wine" sind dagegen vollkommen verschrobene Traumvisionen von mir,, die einen wirren, surrealen, miesen Mash-Up darstellen, so dass ich es meist selbst nicht glaube, was ich gerade gesehen habe.

Das zweite Album, an welchem wir wohl gegen Ende 2013 schreiben werden, basiert auch auf so einem Traum und wird den Titel "Himmelsburg" tragen.

2011 habt ihr über das Label Karge Welten Kunstverlag ein selbstbetiteltes, 16-minütiges Demo-Tape veröffentlicht. Da eure Musik zu derjenigen Sparte gehört, die ihre Wirkung über einen größeren Zeitraum entfaltet, würde mich interessieren, wieso ihr euch zu dieser Veröffentlichung entschieden habt und was das Konzept dahinter war.

Der Werdegang einer Band sollte normalerweise mit einem Demo-Tape beginnen, mit einer CD folgen und schließlich mit der Königsklasse Vinyl enden. Wir wollten also nicht diesem neuen Trend folgen und als erstes Lebenszeichen eine CD veröffentlichen. Deswegen haben wir ein Tape mit dem ersten Song, den wir geschrieben haben, veröffentlicht, da er ja schon aus dem Albumschema sticht und erweiterte Demo-Version von "Sacrament" dazu gepackt, um einen Ausblick auf das kommende Album zu geben.

Euer Debüt-Album "Thy Kingly Mask" erschien in diesem Jahr. Durch viele Arrangements und vergleichsweise komplexen Melodien und Songstrukturen habt ihr meiner Meinung nach etwas sehr Individuelles erschaffen. Wie würdest du die Musik von "Thy Kingly Mask" mit wenigen Worten beschreiben?

Ich kann so was immer schwer in eigene Worte fassen. Ein Feedback fand ich dagegen sehr treffend und deshalb führe ich dies auf:

"Es ist ein mächtiges und finsteres Album, das man nicht immer hören kann und nur zu gewissen Anlässen in die Anlage packt es aber dann in seiner Gesamtheit überragt."

In welchen Formaten wird "Thy Kingly Mask" erscheinen? Legt ihr viel Wert auf altbewährte Formen wie Vinyl oder Kassetten? Und wie steht ihr zu dem Trend einiger Labels, mehr und mehr MP3s über die bekannten Plattformen kommerziell zu vertreiben?

Erschienen ist bereits die Digi-Pak CD und MC. Vinyl wird wohl 2013 folgen. Das muSICK Buisness hat sich geändert. Tapetrader sind nahezu ausgestorben, vor allem in westlich geprägten Ländern. Bandcamp, Soundcloud, Youtube, what ever sind gute Möglichkeiten, sich mit einer Band vertraut zu machen und keinen Fehlkauf zu riskieren, denn wer hat zu Tage schon für sowas Geld übrig. Labels, die auf die Medien zurückgreifen, gehen mit der Zeit. Die Maniacs, die sie damit ansprechen wollen, holen sich bei Gefallen letztendlich trotzdem das Schwarze Gold für ihre Privat-Bibliothek.

"Thy Kingly Mask" tönt bereits sehr ausgereift und ideenreich. Neben den klassischen Stilmitteln des Black Metals hört man immer wieder Riffs und Passagen, die an Doom, Thrash und Death Metal der alten Schule erinnern, die Atmosphäre und Grundsubstanz bleibt aber wohl pechschwarz. Welche Bands und Musikgenres im allgemeinen hatten Einfluss auf euer Schaffen und in welche Sparte würdet ihr sie selber einsortieren?

Dazu kann ich leider nicht viel sagen, da ich die Musik nicht schreibe. Deathkvlt Prayer hört Musik aus vielen Sparten und man merkt dies auch in der Musik, seine direkten Einflüsse kann ich aber nicht benennen und will es auch gar nicht können.

Neben dem Album habt ihr auch eine Split-Veröffentlichung mit der deutschen Formation "Chaos Invocation" angekündigt. Wird es sich dabei um eine klassische Split-Veröffentlichung handeln, oder stehen die Lieder eurer Bands in einem konzeptionellen Zusammenhang? Und wie seid ihr mit "Chaos Invocation" in Kontakt gekommen?

Die Aufnahmen dafür sind abgeschlossen, der Song ist eine konsequente Weiterführung von "Theos" und heißt auch schlicht "Theos II". Er muss nur noch abgemischt und gemastert werden. Über die "Chaos Invocation"-Seite möchte ich jetzt noch nichts verraten. Ich kenne die "Chaos Invocation"-Leute seit 2011, wenn ich mich Recht entsinne. Wir sind nahezu auf dem gleichen Label, sowie liegen unsere Konzepte nah beieinander. Darum lag es Nahe eine Split zu machen.

In welchen Formaten wird die Split-Veröffentlichung erscheinen?

Sie wird als 7"-Vinyl erscheinen.

Da "Kvlt of Hiob" nur aus zwei Personen besteht, wäre es interessant zu erfahren, welches Mitglied für was verantwortlich ist und wie ihr beim Songwriting vorgeht.

Mittlerweile bestehen wir eigentlich aus drei Mitgliedern. Dorn, der bereits auf "Thy Kingly Mask" für drei Lieder die Texte schrieb, wird auch in Zukunft Texte für uns schreiben. Er trifft mit seinen Zeilen genau das, was ich mir vorstelle. So schrieb er auch den Text für die kommende Split und arbeitet gerade an einem etwas umfassenden Werk. Ich werde jedoch auch stehts an den Psalmen arbeiten und ihnen den finalen Schliff gegeben. Zudem arbeite ich gerade an dem Text für den Song, der auf der "Tormenting Legends III"-Compilation zu finden sein wird. Ansonsten sind meine Aufgaben, Präsentation, Konzept und die Gesänge. Deathkvlt Prayer ist das Herzstück, er vertont Dorns und meine Visionen. Ich gebe noch hier und da Instruktionen wie ich es gern hätte, so läuft es eigentlich sehr gut mit dem Songwriting.

Ist rein theoretisch denkbar, dass "Kvlt of Hiob" jemals live auftreten wird? Und in welchem Ambiente würdet ihr ein Konzert am liebsten stattfinden lassen?

Es stand tatsächlich zur Debatte. Wir hatten bereits ein Line-Up aus "Chaos Invocation"-, "Dusken"- und "Evil Warriors"-Leuten zusammen gestellt. Jedoch ist das Problem, dass wir relativ verstreut innerhalb Deutschlands sind, und uns momentan einfach die finanziellen Mittel fehlen, dies zu realisieren. Falls wir ja einmal Live spielen sollten, dann gehe ich davon aus, dass wir auf dem Deathkult Open Air spielen werden oder an einem eher ungewöhnlichen Ort. Aber zur Zeit ist dies noch nicht einmal am Horizont zu sehen. Wir werden sehen, was die Zeit bringen wird.

Wenn man den deutschen Black Metal-Untergrund betrachtet, gibt es wenige Bands und Projekte, die es schaffen, Ideenvielfalt und Individualität in ihre Musik zu verarbeiten, ohne dabei künstlich-progressiv zu klingen. Was macht eurer Meinung nach eine Band aus, die sich eben diesem Phänomen widersetzt? Und kannst du ein paar Bands und Projekte nennen, die deiner Meinung nach diese Kriterien erfüllen?

Stellvertretend für Deathkvlt Prayer und mich würde ich jetzt die Franzosen "Chaos Echoes" nennen. Im deutschen Underground gibt es heutzutage auch wieder sehr viele starke junge Bands, davon wurden die meisten ja schon hier und da im Interview erwähnt. Ich finde, es sollte jeder für sich entscheiden, denn was bringt es, wenn ich hier sage "die und die Band ist killer", ist doch alles subjektiv. Kauft euch einen eigenen Kopf.

Gibt es neben der Musik noch andere Dinge, die euch in eurem kreativen Prozess inspirieren? Seien es Bilder, Bücher oder Filme...

Natürlich ziehe ich meine Ideen aus diesen Medien, es würde jetzt aber den Rahmen des Interviews sprengen. Wenn ich da einmal anfange, höre ich nicht mehr auf. Dies können wir ja in einem künftigen Interview mal wieder anreißen. Es gibt da einfach zu viele Referenzen, auf die ich mich in "Thy Kingly Mask" beziehe. Eine kurze Liste aus welchen Filmen die Samples stammen gebe ich aber noch: The Lords Prayer – Pope Joan Sacrament – La Neuvième Porte Le Moine – The Monk

Von meiner Seite aus gibt es keine Fragen mehr. Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit der Veröffentlichung eurer neuen Tonträger!

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